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Silberstreifen Award: Zehn Ideen für eine bessere Welt

Anfang September verlieh die Hamburg Kreativ Gesellschaft erstmals den Silberstreifen Award. Er geht an zehn Hamburger Design-Projekte, die sich sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen stellen.

Frances Uckermann und Annika Fitz
Foto: Selim Sudheimer

Im designxport in Hamburg eröffnete am 4. September die Ausstellung der Gewinner-Arbeiten mit der feierlichen Preisverleihung des Silberstreifen Awards. Zehn Projekte von Hamburger Designerinnen und Designern hatte eine Fachexperten-Jury aus zahlreichen Bewerbungen ausgewählt und ihnen mit einem Preisgeld ermöglicht, diese Ideen, Konzepte oder Produkte innerhalb von vier Wochen zu präsentierbaren Exponaten auszuarbeiten.

»Das Spektrum der eingesendeten Arbeiten war immens und zeigt, auf wie vielfältige Weise Design zum aktuellen Bewusstseins- und Kulturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft beitragen kann«

, so PAGE-Chefredakteurin Dipl. Des. Gabriele Günder, die zur Fach-Jury gehörte und wie ihre Kollegen die Qual der Wahl zwischen den vielen innovativen Einsendungen hatte.

Ausstellung im designxport

Zu den zukunftsweisenden Projekten gehören unter anderem eine wiederverwendbare, vor Sars-CoV-2 schützenden Do-It-Yourself-Atemmasken, ein zauberhaft illustriertes und lehrreiches Klima-Quartett oder eine Software, die Hersteller und Konsumenten zusammenbringt, um sich über nachhaltige Alternativen für Verpackungen und Systeme auszutauschen und zu Kollaborationen zu vernetzen.

Frances Uckermann, Leiterin designxport sagte zur Preisverleihung: »Die Designszene steht vor der großen Herausforderung, die Coronakrise zu meistern. Was die eigene Berufsperspektiven anbelangt natürlich, aber vor allem auch als Innovationstreiber für die gesellschaftliche Transformation ins postpandemische Zeitalter.«

Drei Personen sehen sich Stoffbahnen an
Foto: Selim Sudheimer

Die Leiterin des designxport lädt die Hamburgerinnen und Hamburger und alle Interessierten herzlich ein, bis zum 20. September vorbeizuschauen, um sich inspirieren zu lassen. Die Ausstellung ist täglich von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei.

Zudem treffen sich am 9. September um 18 Uhr im Rahmen des Silberstreifen Awards zu einem Panel unter dem Thema »Design in der Krise – Design für die Krise« Axel Kufus, Karel J. Golta und Nina Sieverding. Die Design-Experten unterhalten sich über den Wert, die Möglichkeiten, die Fähigkeiten und das Potential von Design während und nach der Corona-Krise. Anmelden kann man sich dazu unter designxport.de.

Folgende Projekte wurden mit dem Silberstreifen Award ausgezeichnet:

Ask the Fox von Kerstin Bante

Microfaserdecke und Mienaterial
Foto: Selim Sudheimer

Ask the Fox produziert für die australische Feuerwehr Feuerschutzdecken aus den Hightech-Faser PyroTex®. Seit der Corona-Krise bietet das Unternehmen die Feuerschutzdecke auch für den Heimgebrauch an – als viruzide, antibakterielle und fungizide Kuscheldecke. Ask the Foxs Vision: »Jeden Tag und überall auf der Welt, soll die Multifunktionsdecke helfen, uns vor extremen Brandgefahren sowie vor Viren und Bakterien zu schützen.“

Hamburg Youtopia von Jan Kamensky

Handyscreen und Hände
Foto: Selim Sudheimer

Indem er Fotos realer Situationen und Gegebenheiten bearbeitet und animiert, konstruiert Jan Kamensky Bilder einer Welt ohne automobilen Nahverkehr. Kamenskys Spiel mit Realität und Fiktion ermutigt die Betrachtenden, ihren Blick auf urbanen Raum und Mobilität neu zu justieren und Umweltschutz und Mobilität neu zu denken.

House of All von Sarah Bürger und Torben Spieker

Jacke an Kleiderbügel und Plakat
Foto: Selim Sudheimer

Das Image der Textilwirtschaft ist schlecht – House of All will das ändern und ein nachhaltiges Kreislaufmodell in der Modeproduktion etablieren. Mit ihrer Software bietet House of All Verbraucher/innen die Chance, ihre Kleidung selbst zu gestalten. Dabei versteht House of All Kleidung als ein modulares System: Bekleidung soll aus auswechselbaren Komponenten bestehen, die man leichter personalisieren, pflegen und reparieren kann. Verwendet werden lokale und alternative Textilstoffe.

Klima Quartett – Kartenspiel für ein besseres Leben von Carmen Gloger, Lukasz Chrobok, Ann Christin Müller und Dr. Till Wahnbaeck

Quartett-Karten
Foto: Selim Sudheimer

Jede Entscheidung, die wir treffen, wie wir unsere Freizeit gestalten, wie wir uns ernähren, wohnen oder wo und wie wir unseren Urlaub verbringen, hinterlässt Spuren auf unserem Planeten. Das Klima Quartett macht diese Spuren begreifbar und informiert Jung und Alt über die Folgen des Klimawandels. Das Quartett ist ein Gesellschaftsspiel – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Team hinter dem Spiel ist sich bewusst: so groß und überwältigend die Themen und Debatten rund um Erderwärmung und Klimawandel sind; Umweltschutz lässt sich im Kleinen lernen und anwenden.

Non Certified von Kai Gehrmann, Esther Holsten-Stühmer, und Malte Fürstenberg

Maske Prototyp
Foto: Selim Sudheimer

Zertifizierte, vor Corona-Viren schützende Atemmasken sind zurzeit nur für systemrelevante Berufsgruppen erhältlich beziehungsweise weiterhin Mangelware. Non Certified bietet Do-It-Yourself Masken an, die einen vergleichbaren Schutzgrad wie eine zertifizierte FFP-Maske aufweisen und darüber hinaus nachhaltig und wieder verwendbar sind. Die Filter-Pads können gewechselt werden, alle Komponenten der Maske sind handelsübliche Waren, die jede/r bestellen kann. Die Kunst- stoffteile lassen sich mittels 3D-Drucker produzieren. Der Schnitt lassen sich mittels 3D-Drucker produzieren und auch die technische Umsetzung wurden bewusst einfach gehalten, um eine einfache fehlerfreie Herstellung und Nutzung zu gewährleisten.

Planeatary von Torben Ratzlaff und Eva Wolf

Handy mit Appinterface
Foto: Selim Sudheimer

Die App Planeatary verdeutlicht, wie Design eine Brücke zwischen Wissenschaft und Alltagbauen kann: Anfang 2019 wurde die »Planetary Health Diet« von einem internationalen Forscherteam als Ergebnis des Meta-Reports »Food in the Anthropocene: The EAT- Lancet Commission on healthy diets from sustainable foodsystems« veröffentlicht. Ihr Ziel ist die Bereitstellung eines global anwendbaren Ernährungsplans, der eine gesunde und nachhaltige Ernährung für zehn Milliarden
Menschen ermöglicht. Um die Idee noch besser kommunizieren zu können, möchte Planeatary als kostenlose App für iOS und Android eine Unterstützung bieten und die Verbindung von Nachhaltigkeit und Gesundheit stärken.

ReDo von Luca Christmann, Marcel Nehrig und Yolanda v. Zitzewitz

Erklärungstext ReDo auf Englisch
Foto: Selim Sudheimer Bild: Selim Sudheimer

ReDo bietet eine Online-Plattform, auf der sich Produktnutzer/innen und
Produkthersteller/innen über nachhaltige Alternativen für Verpackungen und Systeme austauschen und zu Kollaborationen vernetzen können. Auf ReDo kann jede/r Ideen für neue Verpackungen hochladen, sie bewerten und diskutieren. Die Ideen sind dabei an Unternehmen gebunden. Nutzende und Produzierende verhandeln auf Augenhöhe über Veränderungen. Als Forum möchte ReDo zum Gestalten motivieren und dabei helfen, Ideen öffentlich bekannter zu machen. Es ist die erste Plattform, die Endverbraucher/innen und Produzierende bei der Gestaltung von nachhaltigen Produktverpackungen zusammenführt.

True Colours von Anne Spitzer

Bunte Stoffbahnen
Foto: Selim Sudheimer

Nachhaltige und umweltschonende Mode fängt nicht nur bei der Auswahl der richtigen Stoffe an. Auch die Farben, die bei der Produktion eingesetzt werden, bilden eine wichtige und oft problematische Komponente. Anne Spitzer belebt mit ihrer Expertise die jahrhundertealte Tradition rund um Naturfarben und alte Farbrezepturen. Diese Rückbesinnung und ressourcenschonende Verantwortung im Umgang mit Kleidung richtet sie nicht nur an Privatverbraucher/innen, sondern auch an Modelabels, Theater und Manufakturen.

Urban Alcove von Heidi Fletcher und Jan Ostermann

Modell einer großen Bank
Foto: Selim Sudheimer Bild: Selim Sudheimer

Bei Urban Alcove werden urbaner Raum, Infektionsschutz und Nachhaltigkeit zusammen gedacht und neugestaltet. Das Team teilt die Überzeugung, dass in der Zukunft der Besitz individueller Kraftfahrzeuge in der Innenstadt zurückgehen wird. Die Konsequenz: Viele leere Parkplätze, die mit ihren speziell konzipierten Stadtmöbelstücken den asphaltierten Raum neu beleben könnten. Das Team hinter Urban Alcove möchte den Gehweg und den Parkstreifen erweitern. Die Möbel bieten einen sicheren Raum für soziale Interaktion, während die bemoosten Oberflächen als grüne Lungen im urbanen Stadtbild visuell und funktional intervenieren.

Yoonit – Mini Cargobike von Niels Römer, Johann Cohrs, Sebastian Kühnel und Pia Cohrs

Kleines gelbes Lastenrad
Foto: Selim Sudheimer

Vielfältige Transportmöglichkeiten, leicht und agil: Das Yoonit Mini Cargobike ist ein kompaktes Lastenrad, mit dem man wendig durch die Stadt fährt. Dank seines Leichtgewichts (<20 kg) und seiner verkürzten Länge nimmt es die städtischen Hürden wie Treppe, Bahn und Aufzug problemlos. Das Rad passt sich dank drei modularen und einfach austauschbaren Transportaufsätzen den verschiedenen Bedürfnissen an. Ob Kinder, Einkäufe, Getränkekisten, Kartons oder vieles mehr: Die drei Aufsätze können mithilfe von Schnellspannern schnell und werkzeuglos ab- und anmontiert werden. Aufgrund der modularen, einfach austauschbaren Aufsätze eignet sich das Yoonit Mini Cargobike auch besonders für den Einsatz in Sharing-Modellen.

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