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Designforschung: eine Anatomie der Personenmarke

Für seine Dissertation in Designgeschichte und -theorie erforschte Nicholas Qyll die ikonischen Personenmarken von Madonna und Karl Lagerfeld

Die Erkennungsmerkmale von Karl Lagerfeld bildeten sich über viele Jahre heraus, bis sein Uniformlook schließlich perfekt war. Stifte, Bücher und Katze Choupette sieht Designforscher Nicholas Qyll als Sekundär­merkmale an

Hochschule der Bildenden Künste Saar. Nicholas Qyll nahm seine persönliche Faszination für »Visual Person Branding« als Ausgangspunkt für seine Dissertation in Designgeschichte und -theorie. Anhand zweier ikonischer Personenmarken – Madonna und Karl Lagerfeld – analysiert er die solchen Prozessen zugrundeliegenden Muster. Deutlich wird dabei, wie Bilder und die Bildpraxis von Fans zur Gestaltung von Identität eingesetzt werden.

Bei Madonna ermittelte Qyll aus dem qualita­tiv ausgewählten Bildmaterial für den Analysezeitraum von 1983 bis 2018 eine Reihe zentraler Strategien und typischer Elemente. »Zu Beginn ihrer Karriere, der ini­­tialen Stilisierung als Post-Punk-Girlie und Boy Toy, entwickelt Madonna ihren Signature Look und schafft damit die Grundlage für weitere Strategien«, so der Designwissenschaftler.

verschiedene Bilder von Madonna

Anders als die extrovertierte Performance-Künstlerin verkör­pert die Personenmarke Karl Lagerfeld eher den diskreten Typ. Sein visueller Kern besteht in der für ihn charakteristischen Uniformierung (Haarzopf, Hand­schu­he, hoher Kragen, dunkle Sonnenbrille) und umfasst Rollen wie Rocker und Dandy – Qyll nennt ihn »krea­tiven [Ba]Rock-Dandy«. »Visual Person Branding, also Markenbildung beim Menschen, ist eine Antwort auf die erschwerten Bedingungen der Informations­gesellschaft: Sichtbar ist, wer sich unterscheidet – langfristig erfolgreich ist, wer ein wirksames Bedeu­tungsmanagement betreibt«, so Nicholas Qyll, der sich nun Dr. phil. nennen darf.

Visual Person Branding – Eine frame-analytische Betrachtung ikonischer Personenmarken

Nicholas Qyll ging als Einziger mit Hemd und Krawatte in die Grundschule, experimentierte im Studium mit Formen der Selbstinszenierung und entwickelt heute Markendesign für Unternehmen. Seinen Doktortitel erwarb er mit summa cum laude

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Manche Menschen haben ein etwas gesteigertes Äußeres Erscheinungsbild. Durch die ganze Gesellschaft hindurch ist dies zu sehen. Jeder nimmt daran Teil mit der Auswahl seiner Bekleidung.
    Dann aber einige Personen herauszunehmen und zu bewerten und Absichten zu unterstellen ist ziemlich dreist. Mein ungutes Gefühl zeigt in die Richtung einer Art Spießigkeit, da ich mich lieber über Außergewöhnlches freue und Unterschiede der Menschen sich zu zeigen ganz klasse finde.

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