Das Bauhaus fordert uns heraus, »dem Zeitgeist einen ethischen Kompass entgegenzustellen«

meint Peter Post von Scholz & Volkmer. Wie er, Heike Schmidt von Stan Hema, Mirko Borsche und Konstantin Grcic die Aktualität des Bauhauses einschätzen, lesen Sie im zweiten Teil unserer Serie »Was können wir vom Bauhaus lernen?«



»Dem Zeitgeist einen ethischen Kompass entgegensetzen«


Peter Post, Geschäftsführung Scholz & Volkmer, Wiesbaden und Berlin

Das Bauhaus ist noch immer aktuell, aber weniger wegen seiner gestalterischen Sprache – sondern vielmehr wegen des Anspruchs, den Menschen zu formen. Das ist so aktuell wie niemals zuvor. Designer*innen können und müssen die Gesellschaft verändern, sie können es gar nicht nicht tun. Allerdings sind es derzeit meist Technologiekonzerne, oft gegründet von Kreativen, die die Ambition haben, Gesellschaft und Mensch zu transformieren. Das passiert in einer nie da gewesenen Verbindung von Macht, Elitewissen und Geschwindigkeit. Genau damit stehen sie in der Tradition des Bauhauses: Dieses neigte ebenfalls zur Übergriffigkeit. Designer*innen müssen diesem Zeitgeist deshalb einen ethischen, zeitgemäßen Kompass entgegensetzen für alles, was sie tun und nicht tun.


»Fehler sind unser Korrektiv und viel mehr als das, nämlich Wegweiser für neue, ungeahnte Lösungen«


Heike Schmidt, Gestaltung und Partnerin Stan Hema, Agentur für Markenentwicklung, Berlin

Mein wichtigster Anknüpfungspunkt an die Bauhaushistorie: sich selbst organisieren, sein Umfeld, sein Team, seine Projektpartnerschaften gestalten. Heute gehört das zu den Selbstverständlichkeiten gestalterischer Berufe. Es geht doch um die Frage: Wie wollen wir eigentlich arbeiten? Und wie arbeiten wir gut zusammen? Das Experiment gehört dazu und Fehler gehören dazu. Fehler sind unser Korrektiv und viel mehr als das, nämlich Wegweiser für neue, ungeahnte Lösungen. Wenn Unvorhergesehenes passiert, kann Gutes daraus entstehen. Man muss es aber zulassen. Wir schauen uns das erst mal vorbehaltlos an. Wenn es passt oder weiterweist, lassen wir uns darauf ein. Sogenannte »Fehler« als Wegweiser nutzen, das wäre eine ganz konkrete Empfehlung. Und sie wurzelt im Bauhaus. Um nur ein Beispiel zu nennen.


Für mich müsste die Frage nach 100 Jahren lauten: »Wann kommt eigentlich das neue Bauhaus?«


Mirko Borsche, Gründer des Designbüros Bureau Mirko Borsche, München


© Foto: Markus Jans

»Obwohl die jetzigen gesellschaftlichen Voraussetzungen ganz andere sind, bleiben die zentralen Fragen die gleichen: Wie wollen wir leben?«


Konstantin Grcic, Industriedesigner, Berlin

Das Bauhaus war in erster Linie eine Schule. Deren Anspruch war es, alle Bereiche des Lebens mittels Kunst, Handwerk und Technik zu reformieren. Das Bauhaus entstand einst vor dem Hintergrund der industriellen Revolution, und man kann sagen, dass wir heute in einer ähnlichen Phase des Umbruchs leben: der Digitalisierung. Obwohl die jetzigen gesellschaftlichen Voraussetzungen ganz andere sind, bleiben die zentralen Fragen die gleichen: Wie wollen wir leben? Welchen Beitrag kann Design zur Entfaltung einer sich wandelnden Gesellschaft leisten? Digitalisierung und Big Data bieten neue gestalterische Ansätze. Im Fokus stehen dabei aber nicht mehr bloß Vereinfachung und Reduktion, auch maximal komplexe Lösungen sind möglich.


Was können wir vom Bauhaus lernen? –  Teil 1


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