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Novaform: Flexibilität statt kompromissloser Geometrie

Die neue Schrift von Identity Letters nimmt Bezug auf Herb Lubalins Erfindungsreichtum und seine Vorreiterrolle in der Schriftgeschichte.

Mutig, innovativ und kompromisslos: So erfüllte Herb Lubalin 1970 den Auftrag, ein Logo für das wegweisende Kunstmagazin »Avant Garde« zu entwerfen. Aus den verschränkten, geometrischen Versalien dieses Logos entwickelte er später eine komplette neue Schriftart für Schaugrößen. Dafür zog er Klassiker des Genres heran, die vor fast einem halben Jahrhundert entwickelt worden waren – zum Beispiel Futura und Kabel – und kleidete sie in ein aufsehenerregendes, Broadway-geeignetes Gestaltungssystem ein. Anders als ihre Vorfahren war die so geborene Schrift für Mengentext weder vorgesehen noch geeignet (was Lubalin durch einen ganzen Satz verschränkter Schmuckligaturen noch unterstrich), dafür aber ideal für Logos und Titel. Paul McNeil nannte seinen Entwurf »die definitive Schrift des Fotosatzzeitalters«. Ein weiteres halbes Jahrhundert später fragten wir uns: Was könnte diese Idee heraus aus dem Fotosatz- und hinein in unser digitales Zeitalter führen?

Wir bei Identity Letters schätzen von jeher Lubalins Erfindungsreichtum und Vorreiterrolle in der Schriftgeschichte. Doch schon in den 1970er Jahren war der richtige Umgang mit einem schaugrößenorientierten Abkömmling von Kabel und Futura zuweilen schwierig. Auch für die Schriftsetzer von heute ist es eine Herausforderung. Trotz ihres Ikonenstatus ist es nach wie vor zu einfach, die Schrift falsch einzusetzen; denn die etwas unglücklich geratenen Minuskeln und das übermäßig rigide Gestaltungssystem vertragen sich nur bedingt mit unbegrenzten Möglichkeiten der Skalierung und Transformation (was auch schon im Fotosatz der Fall war). So haben viele Designer Probleme mit der richtigen Anwendung. Wo etwa ist der Kipppunkt zwischen Schau- und Lesegröße, Titel und Text? Wann geht Identität zulasten der Leserlichkeit? Eine gute Schrift von heute sollte solche Fragen leicht beantworten – oder diese gleich hinfällig werden lassen.

In diesem Sinne ist Novaform unsere zeitgenössische Antwort auf die geometrischen Schriftgestaltungssysteme der 1970er Jahre. Nach wie vor ist der Kreis das definierende Element, wodurch O und o sehr breit und U und n sehr schmal werden – bei insgesamt eher klassischen Proportionen. Kleine Punzen und schmale Öffnungen betonen den grafischen Ursprung des Gestaltungsprinzips. Doch Novaform wurde im Sinne von Flexibilität gestaltet, nicht kompromissloser Geometrie. Typedesigner Moritz Kleinsorge, Gründer von Identity Letters, entschärfte sowohl die extremsten Formen als auch die übertriebene x-Höhe und lenkte einige Buchstabenformen behutsam in Richtung gefälligerer, besser lesbarer Groteskformen. Auf diese Weise behält die Schriftart den stilisierten Charakter ihrer Vorgänger bei und tritt dennoch souverän und leserlich im Fließtext auf. Novaform liest sich natürlicher und strahlt dabei weiterhin den optimistischen Geist der bahnbrechenden Ideen aus, die ihrer Gestaltung zugrundelagen.

Verschränkte Schmuckligaturen waren ein prägendes Merkmal der Fotosatzära. Sie waren so gefragt, dass teilweise sogar die entsprechenden Stempel für den Bleisatz nachgeschnitten wurden. Logisch, dass Novaform dieses schaugrößenorientierte Merkmal aufgreift und eine Palette von mehr als 40 solcher Ligaturen anbietet, die sorgsam für den unmittelbaren Einsatz austariert wurden. Mit einem einzigen Klick lassen sich Logos per Navigation durch die Stilsets aufpeppen. Weitere 40 Alternativen gibt es bei den Versalien. Die Geneigten oder Leaning Caps helfen dabei, eigene Ligaturen für knackige Wortmarken und spannenden Titelsatz zu entwickeln. Und sogar einen dritten Schaugrößenmodus führt Novaform ein: Unicase. Hier wird eine Auswahl von Versalien ersetzt durch ihre neugezeichneten und auf Versalhöhe gebrachten Minuskel-Äquivalente – eine faszinierende Form von Gemischtsatz für typografische Hingucker.

Jeder der 20 Novaform-Schnitte – von Hairline bis Black wartet mit mehr als 850 Glyphen auf. Darunter befinden sich sieben Ziffernsetzs, Zusatzvarianten für Pfeile und Zahlen (in Kästen und Kreisen, positiv und negativ), Stilalternativen für Minuskeln und Versalien (etwa das zweistöckige a und das schlichte t) und lokalisierte Varianten sowie solche für den Versalsatz.

Gäbe es das Magazin »Avant Garde« auch heute noch, würden wir ein Redesign mit Novaform feiern. Doch die geometrische Schriftfamilie ist zu vielseitig, um sie auf Kunstzeitschriften zu beschränken. Dank ihrer Flexibilität und ihrer OpenType-Funktionen eignet sie sich für vielfältige Anwendungen – von Packaging über Editorial bis zu Identities. Und das quer durch alle Branchen: sie passt zu Gesundheit, IT, Bildung, Recht, Technologie, Kommunikation, Dienstleistungen, Logistik, Unterhaltung, Lebensmittel, Getränke und Mode. Wie auffällig sie dabei auftritt, kann der Anwender bis ins Detail steuern. 

Moritz Kleinsorge und sein Team hoffen, Kreative auf der ganzen Welt machen sich die Möglichkeiten von Novaform zu eigen und bereichern unsere visuelle Kultur mit den neuen Formen, die ihrer eigenen Fantasie entspringen.

Einzelschnitte gibt es für 40 Euro, die komplette Familie mit 20 Schnitten und einem Variable Font für knapp 200 Euro. Mit dem Code Novaform50 gibt es bis zum 30. September 50 Prozent Rabatt. 

 

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