Ja, viele sind mittlerweile schrottig, aber immer noch funktional und beliebt. Lasst uns den »Photomaton« feiern, denn er hat schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Und zwar mit einem künstlerisch-fotografischen Projekt aus Berlin.
Foto: Simon Murphy, 2026
Mitten in der Nacht, ein in die Jahre gekommener Fotoautomat steht am Rand eines Bürgersteigs. Das Wort »Photoautomat« steht in beleuchteten Schriftzeichen über der schrottigen Kabine, die mit vielen Stickern beklebt und zugetaggt ist. Obwohl diese uns allen bekannten Kabinen wie alte Relikte im Berliner Stadtbild anmuten, werden sie noch aktiv genutzt.
Von Tourist:innen, von Partyleuten, von den verschiedensten Menschen, die spontan Lust verspüren, einen Moment in der Großstadt visuell festzuhalten. In der hier beschriebenen Szene befindet sich aber noch etwas anderes sehr Berlin-typisches. Ein Fuchs. Tatsächlich sieht man gar nicht so selten Füchse, die in der quirligen Stadt durch die Gegend streifen, auf Straßen, in Hinterhöfen, in kleinen Parks, einfach mittendrin. So ein Moment hat schon etwas Magisches an sich.
Immer im Stadtbild dabei: »Photoautomat Project«
Szenen wie diese mit Fotografie festzuhalten, hat sich der Fotograf Simon Murphy aus Glasgow, Scotland, vorgenommen. Sein neues Projekt »Photoautomat Project« möchte Berliner Fotokabinen ablichten. Er meint, dass diese für ihn persönlich einfach zur Stadt dazu gehören.
Und es gibt zahlreiche spannende Motive, die er umsetzt. Manchmal mit Menschen, die sich davor fotografieren lassen, manchmal ohne Menschen, wo lediglich die Kabine selbst im Mittelpunkt eines Bildes steht. Was alle gemeinsam haben ist, dass sie ein sehr urbanes Gefühl in sich tragen und sie machen die Lebendigkeit dieser Vintage-Relikte sichtbar. Zudem spielt Murphy mit den städtischen Gegebenheiten rund um seine Fotomotive, wie beispielsweise eine Spiegelung einer Pfütze oder ein dreckiger Bürgersteig im Vordergrund, wo Zigarettenstummel herumliegen.
Happy Birthday, Photomaton
Die Idee zum Projekt kommt nicht ganz zufällig, denn – und wer hätte das gewusst – die Aufstellung des ersten modernen Fotoautomaten geht auf das Jahr 1925 zurück, also ist das System mehr als 100 Jahre alt.
Der erste Entwurf eines Fotoautomaten stammt von den US-Amerikanern William Pope und Edward Poole, die am 9. Januar 1888 das erste Patent anmeldeten. Da deren Modell nie marktreif wurde, präsentierte der Franzose T. E. Enjalbert 1889 auf der Pariser Weltausstellung den ersten tatsächlich funktionierenden Automaten.
Der eigentliche Durchbruch gelang jedoch erst dem russisch-amerikanischen Erfinder Anatol Josepho (1894–1980). Er baute 1925 in New York den sogenannten »Photomaton«, der Fotos vollautomatisch entwickelte und in wenigen Minuten als Streifen ausgab. Gewissermaßen das erste Selfie. Josephos Erfindung wurde ein weltweiter kommerzieller Erfolg und legte den Grundstein für moderne Passbildautomaten.
In diesem Sinne kann man mit dieser Projektidee gleich den 101. Geburtstag des »Photomaton« feiern!
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