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Typografie Experimentell

In dem kürzlich erschienenen Buch »Teasing Typography« untersucht Juliane Nöst, wie sich Schrift unter extremen Bedingungen verhält.

JulianeNöstCover

Welche visuellen Phänomene, Muster, Artefakte und grafischen Elemente lassen sich provozieren, wenn man Schrift in ungewöhnlichen Rastern anwendet und weitere extreme typografische Parameter verwendet? Ab wann kehrt ein Text zu seinem ursprünglichen Zweck zurück, den Leser zu informieren? Und wann wird Text zu etwas anderem: einem grafischen Element, einer grauen Oberfläche, einem statischen Rauschen oder einem haptischen Muster?

Diese Fragen stellte sich Juliane Nöst während ihres Master Studiums Editorial Design an der FH Dortmund in einem Kurs, in dem die Studierenden ein freies Buchprojekt umsetzen konnten. »Ich befand mich zuvor in einer sehr stressigen Phase, durch viele studentische Abgabetermine und Aufträge aus meiner Arbeit als Werkstudentin in einer Design-Agentur, die alle insgesamt nicht viel kreativen Spielraum ließen,« erzählt die Gestalterin. »Dadurch entwickelte sich bei mir der starke Drang, etwas komplett unkonventionelles, experimentelleres zu machen, was vielleicht im ersten Moment nicht unbedingt Sinn ergibt, aber Spaß macht und ein paar Grenzen – wenn auch vielleicht nur meine eigenen – überschreitet.«

Also begann sie mit Experimenten, bei denen sie zunächst einfach Text über eine große Seite laufen ließ und mit Schriftarten, -größen und -abständen herumspielte. Es interessierte sie, was sich für Muster, Schwarzwerte oder andere grafische Phänomene mit der Schrift erzeugen ließen und inwiefern oder bis wann die Schrift eben überhaupt noch als solche wahrgenommen wird. Auch das »haptische« und strukturelle dieser Muster und Überlagerungen fand sie faszinierend. »Ich habe mich dann einfach von meiner Neugier und der Frage: Was passiert wohl, wenn ich jetzt XY mit der Schrift mache? treiben lassen.«

JulianeNoestDoppelseite

Lars Harmsen, der diesen Kurs betreute, empfahl Juliane Nöst, ihre Experimente zu strukturieren und systematischer, wie eine Studie, anzugehen. Hinsichtlich der exponentiell wachsenden Möglichkeiten der Experimente ein Rat, den sie gerne befolgte. Lars Harmsen war es auch, der sich dafür einsetzt, das Buch tatsächlich zu drucken.

Die Veröffentlichung verzögerte sich allerdings, da die Druckerei Probleme mit der gewaltigen Menge an Vektordaten hatte. »Da wir im Digitaldruck bleiben wollten, war eigentlich die einzige Möglichkeit, alle Seiten zu rastern, teilweise hatten die Seiten bis zu 100 Lagen Schrift,« berichtet Juliane Nöst. Sie exportierten alle Seiten als JPEGs und erstellten dann im zweiten Schritt wieder ein Druck-PDF, das dann natürlich weniger Vektordaten enthielt. »Wir haben das ganze durch Probedrucke der Druckerei überprüft und nachdem das alles super aussah, hatten wir unsere Lösung!«

Wer jetzt richtig neugierig geworden ist, kann das 500 Seiten starke »Teasing Typography« für 38 Euro bei Slanted bestellen.

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Noch Text oder schon Grafik? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Buch »Teasing Typography«.

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