Schrift des Monats: Rum Sans

Trine Rask umbaut leeren Raum mit Buchstabenformen.



Trine Rask umbaut leeren Raum mit Buchstabenformen.

Trine Rask aus Kopenhagen hat ihre im Vorjahr veröffentlichte Schrift Rum Black erweitert. Nicht zuletzt durch die Prämierung des TDC 2010 ermutigt, hat die dänische Schrift-Designerin nun nachgelegt.
Die Fonts der Rum führen einen guten Schuss dänische Tradition mit sich. Nicht von ungefähr – denn Trines »Helden« heißen Knud V. Engelhardt und Claus Achton Friies. Beide Architekten haben im letzten Jahrhundert in Dänemark Bahnbrechendes geleistet. Engelhardt war in der ersten Hälfte einer der prägenden Gestalter für den öffentlichen Raum, der bis heute nicht nur bei unseren nördlichen Nachbarn nachwirkt. Der Spross der Architektenfamilie Achton Friis gestaltete Briefmarken und 1972 das königliche Wappen. Kein Wunder also, dass Ziffern bei den beiden eine große Rolle spielten. Und die Ziffern sind auch sehr markant in der Rum. Man spürt einen Hauch Engelhardt-Friies in den breit angelegten Formen – der sich noch verstärkt, je fetter die Schnitte werden.
Trine Rask hat in ihrem Archiv Bilder aus dem Schriftschaffen der beiden Gestalter aus dem Kunstgewerbemuseum in Kopenhagen, die sie fleißig studiert hat. Nach ihrer Ausbildung am Seminar für Formgebung in Nyköbing und dem erfolgreich absolvierten Type and Media Kurs in Den Haag hat sie sich ganz der Buchstabenentwicklung verschrieben. Sie publiziert über Schrift und lehrt inzwischen auch auf dem Gebiet in Kopenhagen.

Die Rum heißt so, weil sie den Raum umbaut. Rum ist nämlich dänisch für Raum. Rumsans in einem Wort geschrieben, bedeutet im Dänischen sogar »Raumgefühl«.
Die Idee war es, eine Schrift mit einem soliden Grundcharakter als humanistische Schrift anzulegen. Dabei sollte sie modular sein – quasi eine modular aufgebaute Schrift mit humanistisch anmutenden Modulen.  Der Innenraum des n wurde z.B. absolut symmetrisch angelegt. Die Innenräume aller runden Buchstaben folgten diesem Prinzip. In der zunächst entwickelten Font Rum Black waren die Innenräume in der Null, Sechs, Acht und Neun exakt gleich – was für andere Schnitte dann modifiziert werden musste.

Trine Rasks Hauptziel war es, eine straffe Sansserif zu entwerfen, die von einer weichen Italic begleitet wird. Häufig kann man beobachten, dass die Kursive recht steif daherkommt, manchmal sogar nur eine Normale in Schräglage ist. Rasks Italic ist in den Grundformen ebenfalls modular angelegt, doch haben die Linienführungen der eigens entwickelten Buchstaben in guter Haager Schule einen Schreibschriftduktus.

Auf den ersten Blick wirkt die Rum Sans wie eine jüngere Schwester der Myriad, die Carol Twombly und Robert Slimbach 1992 für Adobe entwarfen. Doch das e und o sind kantiger, zeitgemäßer, das a hat einen längeren Schopf – fast wie ein frecher Irokesenschnitt. Vor allem sind aber die Beine nicht ausgestellt (wie dies auch bei der Myriad-verwandten Frutiger oder Syntax der Fall ist), sondern gleichen eher engen Röhrenjeans. In der Standardversion hat sie im Grunde wenig eigenes Profil – aber richtig auf Touren kommt die Rum tatsächlich in den Kursiven und bei den Alternativformen. Dann machen witzige Serifen kleine Schritte in Laufrichtung und es entstehen sogar sehr schöne Buchstabenformen wie beim k oder v. Auch das ß oder die et-Ligatur und andere Sonderzeichen sind liebevoll entworfen. Witzig ist, dass die Thin im Gegensatz zur Bild nicht nur leichter, sondern auch schmaler wirkt. Aber alle Schnitte funktionieren gut zueinander und sind vor allem texttauglich. Ein interessantes Schriftbild ergibt sich, wenn man die Kontraste ausnutzt. Plakative Effekte z.B. im Editorial Design lassen sich mit den Sonderformen der Stylistic Sets erzielen.

Der Rum Sans fehlt im Gegensatz zur vorjährigen Rum (Black) jegliche Retro-Anmutung, wenn man mal von Bauhaus-artigen Alternativ-A absieht. Das rundliche, gewollt schluffige ist weg; die loungeartigen Serifenbänkchen der Soft-Schnitte sind kleinen Rampen gewichen. Das macht sie in der Normalen beliebiger, aber natürlich auch zeitloser und damit vielseitig einsetzbar. Der besondere Reiz liegt dennoch in den versteckten Alternativen, die man gezielt einsetzen kann. Die Alternativformen sind von Rask gedacht, um Headlines lebendiger zu gestalten zu können. Aber auch im Packaging oder bei der Logogestaltung können sie sicher gute Dienste tun.
Im Gesamtergebnis: Eine solide Textschrift mit versteckter Display-Variante. Zum Jahresende soll noch eine Serifenbetonte folgen. Da darf man gespannt sein. Weitere Schriften werden übrigens künftig unter Trine Rasks neuem Label »Types United« herausgegeben.

Links

Trine Rask / Types United / MyFonts
www.trinerask.dk
www.typesunited.dk
http://new.myfonts.com/search/trine+rask/fonts/

© Alle Abbildungen: Trine Rask, Kopenhagen

© Text: Klaus-Peter Staudinger, April 2011


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