Im Gespräch: Jarno Lukkarila

Typolar heisst die Typefoundry von Jarno Lukkarila. Dort entstehen vor allem große Schriftfamilien.



Foto: Mikko Takkunen

Der 1978 in Helsinki geborene Jarno Lukkarila studierte zunächst Design an der Pekka Halonen Akademie im finnischen Järvenpää, anschließend Schriftdesign an der Royal Academy of Art in Den Haag und danach wieder Grafikdesign an der University of Industrial Arts in Helsinki. Seine Schriften wurden bereits beim Morisawa Award und beim TDC2 ausgezeichnet. Er lebt heute in Helsinki und London und gründete im Herbst letzten Jahres die Foundry Typolar.

www.typolar.com

Dein Label JLTF (Jarno Lukkarila Typefoundry) war erfolgreich und bekannt. Warum hast du es in Typolar umgetauft?

JLTF wandelte sich in Typolar als andere Typedesigner dazu kamen. Wir wollen zukünftig viele verschiedene Schriften von unterschiedlichen Designern anbieten, und es würde in die Irre führen, wenn die Foundry dann meinen Namen trägt. Typolar gibt einen Hinweis auf unseren Standort im hohen Norden und klingt gut.

Bislang hast du hauptsächlich große Schriftfamilien entwickelt, das ist ja ein aufwendiges Unterfangen. Wäre es nicht nett ab und an einen lustigen Displayfont dazwischen zu schieben?

Eine durchschnittliche grafische Anwendung braucht eigentlich nicht mehr als zwei oder drei Fonts. Trotzdem benötigt eine Familie oft mehr Schnitte, um wirklich das Optimale für eine Gestaltung zu bieten. Deswegen halte ich große Familien sehr nützlich für Designer und entwickele solche. Abwechslung gibt es ja trotzdem. Calypso I beispielsweise ist zwar ein Begleiter zu Calypso E aber trotzdem anders. Die Schrift soll vor allem als Eyecatcher eingesetzt werden.

Calypso I funktioniert prima als Eyecatcher, egal ob in Headlines oder als Initial


Ein bekanntes Vorurteil besagt, die Finnen seien schüchtern und introvertiert – stimmt das?

Genau und kommunikativ ausschließlich, wenn sie betrunken sind. Das klingt ein bisschen nach finnischen Politikern. In vielen Kulturen verhalten sich die Menschen in verschiedenen Situationen völlig unberechenbar und lassen starke Emotionen wie Knallfrösche explodieren. Die Finnen sind da ganz anders, in der Regel völlig ausgeglichen. Wahrscheinlich ist dieser mentale Zustand günstig für den langwierigen Prozess des Schriftgestaltens.

Du hast einige Zeit in Den Haag studiert. Hat es dich nie gereizt dort – im Mekka des Typedesigns zu bleiben?

Mein Plan war stets, nach Helsinki zurück zu kehren – oder ganz woanders hin zu gehen. Holland hat eine sehr lebendige Typedesignszene, aber der Markt dort ist eben auch gesättigt mit Typedesignern. Ich habe dann einige Jahre in China gelebt, meine Schrift Tanger Serif ist in Peking entstanden. Ich fand es sehr erholsam, in einer Welt zu leben, die ein komplett anderes Schriftsystem hat. Der Aufenthalt sorgte jedenfalls für jede Menge frische Luft in meinem Kopf. Und im Moment lebe ich mit einem Bein in London, das andere steht fest in Helsinki.

Die Schriftfamilie Tanger Serif – mit 48 Schnitten die umfangreichste bei Typolar – entstand während Jarno Lukkarilas Aufenthalt in Peking

2001 hast du in Helsinki das Designstudio Format gegründet, existiert das noch?

Als ich anfing war Format ein Grafikdesignstudio, das sich nach und nach immer mehr Richtung Schrift bewegte. Das bedeutet nicht nur Schriftdesign, auch Logoentwicklung. Heute hat das Typedesign komplett die Macht übernommen.

Gibt es in Finnland eine lebendige Typedesign-Szene?

Schon, aber sie ist sehr unorganisiert. Deshalb wollen wir mit Typolar ja auch junge Typedesigner unterstützen. Saku Heinänen, mein Partner bei Typolar, kümmert sich an der Aalto Universität in Helsinki um das Thema und hat auch schon verschiedene Workshops mit professionellen Schriftgestaltern und Studenten organisiert.

Gibt es Typedesigner die du bewunderst?

Bevor ich anfing mich selbst mit Typedesign zu beschäftigen, bewunderte ich Schriften wie Meiers Syntax oder Frutigers Univers. Seitdem wächst die Gruppe der von mit bestaunten Schriften ständig. Ich mag viele der neu erscheinenden Fonts und es gibt momentan viele gute Typedesigner. Zu den jüngeren Stars zählt für mich Peter Bilak. Er scheint über ein unerschöpfliches Ideenreservoir zu verfügen und wie er diese Ideen umsetzt ist immer state-of-the-art.

Was für eine Art von Schrift würdest du gerne einmal gestalten?

Ach da gibt es so viele. Hier in London faszinieren mich vor allem die alten, in Stein gemeißelten Inschriften, die gemalten Hausnummern und überhaupt das ganze alte Lettering, das einem auf Schritt und Tritt begegnet. In Helsinki hat längst nicht so viel davon überlebt. Auf der Basis solchen Materials würde ich gerne eine historisch inspirierte Schrift entwerfen.

Und welchem Unternehmen würdest du gerne mal eine neue Hausschrift verpassen?

Einen professionellen, maßgeschneiderten Font für einen ganz gewöhnlichen Supermarkt wie Spar oder Lidl zu entwickeln, das wäre etwas. Sie haben so viele Anwendungsmöglichkeiten, Verpackungen, Werbetafeln…Und natürlich würden die Märkte als Unternehmen auch von solch einem Font profitieren. Bislang fehlt da aber noch ein wenig die Einsicht.

Das vernünftige Pendant zur Calypso I ist die Calypso E, die mit 26 Schnitten keine gestalterischen Wünsche offen lässt


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