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Blended Types

Unser lateinisches Alphabet ist zunehmend Einflüssen aus anderen Kulturen ausgesetzt – was ihm gar nicht schlecht bekommt.

Typo Blending

Unsere Welt ist voller unterschiedlicher Schriftsysteme – was sich mittlerweile auch im Internet abbildet. Typedesigner suchen ständig nach eigenständigen Formen für neue Fonts. Eine Möglichkeit, unserem vertrauten lateinischen Alphabet neue Impulse zu geben, ist das »interkulturelle Blending« – das Verschneiden mit Schriftformen außereuropäischen Ursprungs. Eine Reihe von Absolventen der Masterkurse in Reading und Den Haag oder Designern, die den Spagat zwischen unterschiedlichen Kulturen in der Praxis machen, gehen diesen Weg.
Hier eine ergänzende Auswahl zum Artikel in PAGE 04.2015.

 

Designer

Mariko Takagi
www.mikan.de

Florian Runge
www.cargocollective.com/florianrunge

Lisa Timpe
www.lisatimpe.de

Tarek Atrissi
www.atrissi.com

Teja Smrekar
www.tejasmrekar.com

Lisa Fischbach
www.lisafischbach.net

Ben Mitchell
www.fontpad.co.uk

František Štorm
www.stormtype.com

Daniel Sabino
www.blackletra.com

Khajag Apelian
www.debakir.com
www.maajoun.com

Titus Nemeth
www.tntypography.eu

Liron Lavi Turkenich
www.lironlavi.com

Natalie Rauch
www.natalie-rauch.net

Sebastian Losch
www.sebastianlosch.de

Alessia Mazzarella
http://www.type.land

Bon Min
www.typojanchi.org/2013/en/metamorphosis

Reiko Hirai
www.reikohirai.com

 

Institutionen

University of Reading, MATD-Klasse (Reading, GB)
www.typefacedesign.net/typefaces

KABK, Type and Media Masterkurs (Den Haag, NL)
www.new.typemedia.org

 

Multi-Script Foundries (Auswahl)

Rosetta Type Foundry (Brno, Tschechien)
www.rosettatype.com

URW++ (Hamburg, D)
www.urwpp.de

Typotheque (Den Haag, NL)
www.typotheque.com

Indian Type Foundry (Ahmedabad, Indien)
www.indiantypefoundry.com

Ek Type (Mumbai, Indien)
www.ektype.in

29LT (Beirut, Libanon)
www.29arabicletters.com

Arabic Type Today (D)
www.arabictype.com

Cyreal (Russland / Ukraine)
www.cyreal.org

 

Kaius Harmony
Lisa Fischbach hat sich in ihrer Abschlussarbeit in Reading 2014 von der indischen Gujarati inspirieren lassen. Gujarati ist ein kalligrafisch geprägtes Schriftsystem aus dem indischen Westen, das ohne die aus der Devanagari geläufigen horizontalen Stege auskommt. Das Lateinische hat durch das Blendung, vor allem in den Kursiven, eine wohl dosierte Schnittigkeit bekommen. – Bild: Lisa Fischbach
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Kaius Gujarati
Lisa Fischbach hat sich in ihrer Abschlussarbeit in Reading 2014 von der indischen Gujarati inspirieren lassen. Gujarati ist ein kalligrafisch geprägtes Schriftsystem aus dem indischen Westen, das ohne die aus der Devanagari geläufigen horizontalen Stege auskommt. Das Lateinische hat durch das Blendung, vor allem in den Kursiven, eine wohl dosierte Schnittigkeit bekommen. – Bild: Lisa Fischbach
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Kaius Typedesign
Beim von Hause aus rundlicheren Griechischen ist der schneidige Charakter noch ausgeprägter. Das Kyrillische verliert durch den Schuss indischer Schärfe ein wenig von seiner Kantigkeit. – Bild: Lisa Fischbach
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Kaius Typedesign
Trotz einiger fürs Lateinisch ungewohnten Ansätze ist Kaius in kleinen Graden wie auch zunehmender Fettung noch gut lesbar. Der reduzierte Ausbau der Details macht die Schriftfamilie überzeugend für vorgesehene Anwendungen wie dem anspruchsvollen Satz von Lexika. – Bild: Lisa Fischbach
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Moyenage
Der renommierte tschechische Typedesigner František Štorm betrachtet seinen Font Moyenage aus dem Jahre 2008 selbst als verrücktes Experiment. Ähnlich wie er sich schon von karolingischen Minuskeln anregen ließ, hat er hier Formen gebrochener Schriften aufgenommen und sogar ins Kyrillische, das ja einen ganz anderen Ursprung hat, transformiert. – Bild: František Štorm
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Karol Family
Der Brasilianer Daniel Sabino hat für seine Renaissance-Antiqua Karol ebenfalls deutliche Anleihen in der europäischen Historie gemacht. Er orientierte sich sowohl am Karolingischen wie auch osteuropäischen Schriften aus der ersten Mitte des 20. Jahrhunderts. Zweifellos gewinnen sowohl Serif wie auch Sans damit an Persönlichkeit – was je nach Anwendung spröde bis expressiv wirken kann. – Bild: Daniel Sabino
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Karol Sans Specimen
Der Brasilianer Daniel Sabino hat für seine Renaissance-Antiqua Karol ebenfalls deutliche Anleihen in der europäischen Historie gemacht. Er orientierte sich sowohl am Karolingischen wie auch osteuropäischen Schriften aus der ersten Mitte des 20. Jahrhunderts. Zweifellos gewinnen sowohl Serif wie auch Sans damit an Persönlichkeit – was je nach Anwendung spröde bis expressiv wirken kann. – Bild: Daniel Sabino
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Arek Rosetta
Mit der Arek hat der im Libanon lebende Armenier Khajag Apelian eine für uns Westeuropäer ungewohnte Schriftenfamilie geschaffen. Die im Studium an der KABK in Den Haag entstandene Schrift verschaffte Apelian 2010 den großen Preis des Granshan-Wettbewerbs für außereuropäische Schriften. – Bild: Khajag Apelian
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Arek Examples
Mit der Arek hat der im Libanon lebende Armenier Khajag Apelian eine für uns Westeuropäer ungewohnte Schriftenfamilie geschaffen. Die im Studium an der KABK in Den Haag entstandene Schrift verschaffte Apelian 2010 den großen Preis des Granshan-Wettbewerbs für außereuropäische Schriften. – Bild: Khajag Apelian
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Arek Examples
Das ausschweifende Wesen des armenischen Ursprungsdesigns – Arek bedeutet »Sonne« im Armenischen – verleiht auch dem Lateinischen eine Menge an Eigenheiten, ohne es dennoch zu überladen. – Bild: Khajag Apelian
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Aisha Family
Eine wundervolle Übertragung aus dem Arabischen ist Titus Nemeths Aisha. Die überbordenden Kalligrafieformen funktionieren auch im Lateinischen sehr gut und geben diesem eine moderne Softies. Der gebürtiger Österreicher Nemeth und Reading-Absolvent von 2013 ist bereits eine gefragte Größe für zeitgemäße Entwicklungen des Arabischen. – Bild: Titus Nemeth
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Aisha Casablanca
Eine wundervolle Übertragung aus dem Arabischen ist Titus Nemeths Aisha. Die überbordenden Kalligrafieformen funktionieren auch im Lateinischen sehr gut und geben diesem eine moderne Softies. Der gebürtiger Österreicher Nemeth und Reading-Absolvent von 2013 ist bereits eine gefragte Größe für zeitgemäße Entwicklungen des Arabischen. – Bild: Titus Nemeth
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Makeda Specimen
Hebräisch und Amharisch sind die Zutaten, die Liron Lavi Turkenich für ihren Verschnitt des Lateinischen aus ihrem Kulturkreis einbrachte. Die entstandene Schrift Makeda umweht neben orientalischem Flair ein Hauch von nördlichem Afrika. Sind die erahnten Kamele im Wüstensand nur eine Fata Morgana? – Bild: Liron Lavi Turkenich
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Makeda Specimen
Hebräisch und Amharisch sind die Zutaten, die Liron Lavi Turkenich für ihren Verschnitt des Lateinischen aus ihrem Kulturkreis einbrachte. Die entstandene Schrift Makeda umweht neben orientalischem Flair ein Hauch von nördlichem Afrika. Sind die erahnten Kamele im Wüstensand nur eine Fata Morgana? – Bild: Liron Lavi Turkenich
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Makeda Specimen
Hebräisch und Amharisch sind die Zutaten, die Liron Lavi Turkenich für ihren Verschnitt des Lateinischen aus ihrem Kulturkreis einbrachte. Die entstandene Schrift Makeda umweht neben orientalischem Flair ein Hauch von nördlichem Afrika. Sind die erahnten Kamele im Wüstensand nur eine Fata Morgana? – Bild: Liron Lavi Turkenich
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Raikka Family
Ebenfalls vom Hebräischen gespeist ist Natalia Rauchs Raikka-Familie, die sie 2014 in Reading entwarf. Trotz der gegenläufigen Leserichtung scheint insbesondere die Italic-Variante einen vergleichbaren Duktus wie das Hebräische aufzuweisen. – Bild: Natalia Rauch
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Teras Latin
Sebastian Losch hat bei seiner Téras, 2013 in Reading entstanden, so unterschiedliche Einflüsse wie Griechisch, Arabisch und Tamil verarbeitet. Er hat dabei sichtlich aus dem Vollen geschöpft. – Bild: Sebastian Losch
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Teras Tamil
Sebastian Losch hat bei seiner Téras, 2013 in Reading entstanden, so unterschiedliche Einflüsse wie Griechisch, Arabisch und Tamil verarbeitet. Er hat dabei sichtlich aus dem Vollen geschöpft. – Bild: Sebastian Losch
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Teras Family
Während das Lateinische bei vergleichbarer Abstraktheit einen unverkennbar dynamischen Duktus bekam, wirken die außereuropäischen Formen vor allem untereinander harmonisch. Aufgrund der extremen Andersartigkeit sticht das Tamil entgegen allen Angleichungsbemühungen immer noch heraus. – Bild: Sebastian Losch
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Teras Family
Während das Lateinische bei vergleichbarer Abstraktheit einen unverkennbar dynamischen Duktus bekam, wirken die außereuropäischen Formen vor allem untereinander harmonisch. Aufgrund der extremen Andersartigkeit sticht das Tamil entgegen allen Angleichungsbemühungen immer noch heraus. – Bild: Sebastian Losch
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Prakashan Harmony
Die Italienerin Alessia Mazarella hat im gleichen Jahr in Reading für ihren Font Prakashan die Odia, eine Rundschrift aus dem östlichen Indien aufgegriffen. Wie die meisten indischen Schriften ist sie eine Abugida – eine Art Mischform aus Buchstaben- und Silbenschrift. – Bild: Alessia Mazarella / type.land
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Prakashan Harmony
Die Italienerin Alessia Mazarella hat im gleichen Jahr in Reading für ihren Font Prakashan die Odia, eine Rundschrift aus dem östlichen Indien aufgegriffen. Wie die meisten indischen Schriften ist sie eine Abugida – eine Art Mischform aus Buchstaben- und Silbenschrift. – Bild: Alessia Mazarella / type.land
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Prakashan Harmony
Die Odia-Version nutzt das gesamte Höhenspektrum des Lateinischen Buchstabenaufbaus mit Ober- und Unterlängen. Am Deutlichsten zeigen sich die formalen Parallelen in den ultrafetten Schnitten. – Bild: Alessia Mazarella / type.land
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Prakashan Harmony
Die Italienerin Alessia Mazarella hat im gleichen Jahr in Reading für ihren Font Prakashan die Odia, eine Rundschrift aus dem östlichen Indien aufgegriffen. Wie die meisten indischen Schriften ist sie eine Abugida – eine Art Mischform aus Buchstaben- und Silbenschrift. – Bild: Alessia Mazarella
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Prakashan Odia Fat Latin
Die Odia-Version nutzt das gesamte Höhenspektrum des Lateinischen Buchstabenaufbaus mit Ober- und Unterlängen. Am Deutlichsten zeigen sich die formalen Parallelen in den ultrafetten Schnitten. – Bild: Alessia Mazarella
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Lumen Burmese
Lumen ist eine Schift des in Brighton ansässigen Engländers Ben Mitchell, die dieser 2012 in Reading entwarf. Burmesisch und Thai sind seine starken Ingredienzen, mit denen er exotische Würze ins vertraute Latein bringt. – Bild: Ben Mitchell
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Lumen Latin Serif
Das Latein wiederum kommt sowohl in einer Serif- als auch einer Sans-Version daher – denen jeweils der Einfluss der kringeligen Ostasiatika auf den ersten Blick kaum anzusehen sind. – Bild: Ben Mitchell
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Lumen Latin Sans
Das Latein wiederum kommt sowohl in einer Serif- als auch einer Sans-Version daher – denen jeweils der Einfluss der kringeligen Ostasiatika auf den ersten Blick kaum anzusehen sind. – Bild: Ben Mitchell
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Lumen Thai
Trotz der großen Unterschiede funktioniert das Zusammenspiel der „Exoten“ mit dem lateinischen Alphabet auf Textebene recht gut. Sehr elegant wirken die isolierten Thai-Formen, allen voran die Zahlenzeichen. – Bild: Ben Mitchell
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Barbari Specimen
Eine sehr feine Transformation traditioneller koreanischer Zeichenformen der Hangul gelang dem in Hong lebenden Koreaner Bon Min mit seiner 2013 in Reading entworfenen Schrift Barbari. – Bild: Bon Min
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Barbari Specimen
Eine sehr feine Transformation traditioneller koreanischer Zeichenformen der Hangul gelang dem in Hong lebenden Koreaner Bon Min mit seiner 2013 in Reading entworfenen Schrift Barbari. – Bild: Bon Min
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Barbari Specimen
Barbari dürfte sich aufgrund des sehr dezent angelegten Pinselschrift-Duktus besonders gut für zweisprachigen Satz im Editorial Design eignen. – Bild: Bon Min
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Kingyo Family
Für die Schrift Kingyo suchte die Japanerin Reiko Hieran, ebenfalls 2013 in Reading, bei japanischen Kanji und Kana nach Stilmerkmalen, die in reduzierter Form dem Lateinischen einverleibt werden können. Der nach oben verlagerte Schwerpunkt sowie Schwünge in Diagonalen und Schweifen wurden signifikante Merkmale der Latin-Version – abseits westlicher Klischees von asiatischen Schriften. – Bild: Reiko Hieran
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Produkt: typoPAGE Digital
typoPAGE Digital
<p>Geballte Typografie auf 196 Seiten!</p>

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