1. Hamburger Typostammtisch 2010

Ende Mai traf sich der Hamburger Arbeitskreis im Forum Typografie zum Typostammtisch, um über technische Neuerungen im Typedesign zu diskutieren.




Ende Mai traf sich der Hamburger Arbeitskreis im Forum Typografie zum Typostammtisch, um über technische Neuerungen im Typedesign zu diskutieren.


Die Wiederbelebung des Hamburger Arbeitskreises im Forum Typografie hat prima funktioniert: Gut zwei Dutzend Interessierte kamen ins charmant-morbide Etablissement Unter der Linde in Hamburgs neuem Kreativbiotop Gängeviertel, um über Webfonts und Typo im Allgemeinen zu diskutieren. Aus einem subjektiven Bedürfnis machte Neuzugang Alex Ertle eine runde Sache. Alle waren sich am Ende einig: Das sollte weitergehen – am besten monatlich und immer mit einem Schwerpunktthema.

Das Thema des ersten Abends waren die technischen Neuerungen unter dem Stichwort »Webfonts«, die in den letzten Wochen einen regelrechten Hype in den Medien entfacht hatten. Seit den frühesten Tagen beschäftigt das Darstellungsproblem die Macher des Internets – sowohl die Webdesigner wie auch diejenigen, die für die technische Infrastruktur sorgen.

Aus Typografensicht ist es wünschenswert, dass User die Texte in den Schriftarten und Einstellungen sehen, in denen sie gedacht und auch gestaltet sind. Der als Experte geladene Tobias Otte, Frontend Engineer bei XING, stellte die schrittweise Entwicklung bisheriger Lösungen vor. Mit CSS begann vor Jahren eine Dynamik, die bis zu HTML5 und WOFF (Web Open Font Format) führte (siehe dazu PAGE 04.10, Seite 68 ff.). Bisher war es nur möglich, bestimmte Schriftdarstellungen als Bilder zu hinterlegen oder schwerpunktmäßig mit der Script-/Flash-Kombi sIFR zu platzieren. Beides ist nur in Teilen befriedigend.

Probleme bereiten den Neuerungen einerseits die nötige Browserunterstützung, andererseits rechtliche Fragen bei der Lizenzierung. Abseits spezieller Angebote von Typekit, Google und Schrifthäusern wie FontShop, Linotype oder Typotheque bleiben Fragen: Wo landen die Schriftdaten und wer kann was damit anfangen? Aber es geht nicht nur um die Rechte der Schriftenhersteller und Typedesigner, sondern natürlich seitens der Softwareindustrie auch um Markmacht.

Die folgende Diskussion spannte einen weiten Bogen von der Frage, ob das Web die Möglichkeiten von Print möglichst 1 : 1 abbilden solle, bis hin zur Position, dass das Internet bzw. die digitalen Medien eigene Darstellungsformen und Sehgewohnheiten hervorbringen, deren nächste und übernächste Schritte gar nicht abzusehen sind. Nach kontroversen Betrachtungen darüber, wie weit Designer in die Programmierung einsteigen sollten, entbrannte angesichts der Schnittstelle Gestalter/Programmierer eine Debatte über die Ausbildungssituation. Subjektiv-kritische Kommentare zur gerade zu Ende gegangenen TYPO Berlin rundeten den gelungenen Abend ab.

Beim neuen Typostammtisch des Forum Typografie in Hamburg trafen sich Typografen, Webdesigner, Schriftentwerfer und -vertriebler, Studenten und Lehrkräfte (Fotos: Katinka ter Heide)

Sichtbar: Webfont-Experte Tobias Otte, Veronika Elsner (E+F Studio), Karen Kollmetz (Carlsen Verlag), Professor Heike Grebin (HAW), Torsten Scheider (Schule Alsterdamm) sowie Initiator Alexander Ertle

Autor Klaus-Peter Staudinger, Annrika Kiefer, Katinka ter Heide, Thomas Ackermann und Daniel Behrens (Public Design Office, Julia Kleinwächter

Die Typografen Thorsten Schneider, Alex Ertle, Robert Bućan – rechts Sigrid Claessens und Günter Flake von E+F



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