Apple iOS5, Lion und iCloud: Was denken Profis über die Neuerungen?

Mit iOS5, OS X Lion und iCloud hat Apple eine Reihe von interessanten Neuerungen vorgestellt. Was denken Kreative und Experten darüber?




Mit iOS5, OS X Lion und iCloud hat Apple eine Reihe von interessanten Neuerungen vorgestellt. Was denken Kreative und Experten darüber?

Stefan Telegdy, Geschäftsführer von Nerd Communications in Berlin

»I’ve seen the future and it works.«
Prince, 1989

Halten wir uns nicht lange mit den Verbesserungen in den Betriebssystemen auf und auch nicht mit Flatrate Musik-Modellen. Die sind für sich betrachtet alle ganz wunderbar aber die eigentliche, große Idee ist die iCloud-Integration auf System- und Applikationsebene.

Sicher werden jetzt Monopolisierungsphobiker und Hobbydatenschützer bereits nach Atem ringen, aber ein funktionierendes, schlankes System, das meine beruflichen und privaten Daten zu jeder Zeit, an jedem Ort, auf jedem Gerät für mich bereithält, wird mein Leben deutlich einfacher machen.

Oliver Wagner, Geschäftsführer von SocialObjects in Hamburg

Mit iOS5 und Lion, den beiden kommenden Betriebssystemen für den Apple -Kosmos wachsen Mobile und Desktop noch einen weiteren Schritt zusammen. Das Bindeglied zwischen beiden Welten bildet dabei die iCloud, der neue Storing- und Synchronisationsservice aus Cupertino. Ziel von iCloud ist es, alle Geräte auf dem gleichen inhaltlichen Stand zu halten, Dokumente automatisch zu verteilen und dabei auch die iTunes-Bibliotheken überall abzugleichen. Diese sicherlich von den Benutzern mit großer Erwartung bedachte Funktionalität dürfte in Teilen auch die Entwickler freuen, werden so bereits erworbene Apps automatisch auf alle kompatiblen Endgeräte des Users verteilt.

Etwas weniger freuen werden die Entwickler hingegen die starken Anleihen, die Apple für die kommenden Releases in bislang ungewohntem Ausmaß genommen hat. Die Camera-App wurde mit Funktionen ergänzt die bislang aus kommerziellen Apps wie Camera+ und Co bekannt sind, das neue Notification Center, in dem alle eingehenden Benachrichtigungen zusammen gefasst werden, lässt deutliche Anklänge an eine bestehende Funktionalität in Android erkennen. iMessage, der neue iOS übergreifende Kommunikationsservice erinnert auf den ersten Blick in Funktion und Umfang stark an WhatsApp.

Besonders auffällig ist die starke strategische Ausrichtung der neuen Social-Features. Statt dem Nutzer die Wahl des Social-Networks zu überlassen, in das er seine Inhalte publizieren möchte, trifft Apple diese Entscheidung und bietet eine wirklich umfassende Integration ausschließlich für Twitter an. Im Gegensatz zu Windows übrigens, die Windows Phone 7 sehr stark rund um Facebook zentriert haben.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sowohl Lion als auch iOS5 eine große Fülle spannender neuer Services bieten, allem voran natürlich iCloud. Für iOS5 wurden sicher nicht alle Erwartungen erfüllt, aber alleine schon die Option künftig komplett ohne kabelgebundene Synchronisierung leben zu können und aktuelle Inhalte auf allen Geräten direkt vorzufinden ist ein hoher Gewinn an Komfort für die Nutzer.

Bernd Zipper, Technologie- und Strategieberater, Geschäftsführer von zipcon consulting in Essen

Was Apple mit der iCloud bietet ist, sind wir ehrlich, nichts Neues. Google bietet alle diese Sync-Funktionen schon viel länger und deutlich ausgereifter. Man ist bei Google auch nicht an bestimmte Devices gebunden, es gibt sogar Apps für iOS. Auch Microsoft ist schon lange im Cloud-Geschäft tätig, bietet sogar mit Office 365 ein Cloud-Office. Wer Daten synchron halten oder freigeben will, hat bisher Dienste wie »Dropbox« oder »Wuala« genutzt. Fotos teilt man mit »Flickr«. Einzig bei der Musik-Synchronisation muss man Apple gratulieren, dort haben sie dank iTunes bereits einen deutlichen Vorsprung vor der Konkurrenz.

Ein Blick in die Datenschutzerklärung des neuen Dienstes iCloud von Apple dürfte zum Start im Herbst zwingend notwendig sein. Die Apple-Server stehen allesamt in den USA und unterliegen damit nicht den strengen Vorschriften der Europäischen Union. Natürlich sind Cloud-Dienste auch ein attraktives Ziel für Hacker. Sony musste dies mit seinem Playstation Network kürzlich am eigenen Leib erfahren. Auch Amazon hat mit seinem Cloud-Diensten  zu kämpfen. Und selbst wenn keine Hacker angreifen, können technische Pannen dennoch zu einem Datenverlust führen oder der Anbieter geht schlicht Pleite und man verliert den Zugriff auf die Daten. Bei Apple, Google und Microsoft ist diese Gefahr vermutlich gering.

Auf der anderen Seite stehen viele Vorteile: Man hat seine Daten immer zur Verfügung, egal wo man sich gerade aufhält. Es werden Backups gemacht. Man kann seine Daten auf Wunsch an Freunde freigeben. Teilweise ist sogar eine Versionierung möglich. Der größte Vorteil aber, gerade wenn man mehrere Geräte sein eigen nennt wie einen Desktop-PC, einen Laptop, ein Smartphone, ein Tablet und eventuell in Zukunft auch noch ein Fernsehgerät mit Internet-Anschluss und Cloud-Anbindung: Alle Geräte haben den gleichen Datenbestand. Apps, Kontakte, Daten, Kalendereinträge, Fotos.

Bleibt nur die Frage: Vertraut man den Jungs im Apple-Management noch? Man erinnere sich daran, dass der sympathische Konzern aus Kalifornien auch gern mal ehemalige Zielgruppen nicht mehr so wichtig nimmt (oder wie seht Ihr das, liebe DTPler?) oder dass es anscheinend echt wurscht ist, wo und wie man unter welchen Arbeitsumständen seine Geräte herstellen lässt … ich jedenfalls bin mit meinen Apple-Alternativprodukten mittlerweile auch glücklich.


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