After-Effects-Tutorial: Fahrstuhl zum Mars

Wie man mit 2D-Vektorgrafiken animierte, räumlich wirkende Schriftlogos erzeugt, erklären wir in diesem After-Effects-Tutorial für Fortgeschrittene. Film ab für Yann Bertrand, Dozent für Motion Design an der OfG / Online-Schule für Gestaltung



Schrille Farben, kitschige Effekte: In diesem Title-Design-Tutorial wollen wir den so typischen Scifi-Style von Philip-K.-Dick-Verfilmungen wie »Blade Runner«, »Total Recall« oder »Minority Report« wiederaufleben lassen. Dicks (noch) unverfilmter, 1969 erschienener Roman »Ubik« spielt im »Zukunftsjahr« 1992: Die Menschen haben übernatürliche psychi­sche Fähigkeiten und driften immer mehr in Parallelwelten ab. Das Gegenmittel: »Ubik« – eine Arznei aus der Sprühdose.

Step-by-step animierte, räumlich wirkende Schriftlogos erzeugen

Recht schnell habe ich mich für eine minimalis­tische Typo-Animation entschieden. Der Schriftzug »Ubik« sollte aus einfachen animierten roten Linien bestehen. Erst sprüht eine unsichtbare Hand ein X auf schwarzen Grund, bis es umkippt und ein lang gezogenes U aus ihm herauswächst und sich in einen zart gestreiften Hintergrund verwandelt, auf dem der Schriftzug »Ubik« erscheint.

Hier können Sie Yann Bertrands Vektordateien herunter­laden, um das Tutorial Step für Step in After Effects nachzuvollziehen.


1 After-Effects-Projekt vorbereiten

Als Kompositionsvorgabe wähle ich »HDTV 1080 25« . Ich starte mit einigen Hex Color Codes für die Farbverläufe und importiere meine Vektorgrafiken mit dem Schriftzug und dem X. Ich wandle die .eps-Dateien via »Erstellen › Formen aus Vektorebene erstellen« in eine Form um. Meist gehe ich die Parameter der Form noch einmal durch, um Kontur und Fläche anzupassen oder Über­flüssiges zu löschen. nach oben


2 Sprüheffekt erstellen

Für die Sprühsequenz des X füge ich via »Ebe­ne › Neu › Formebene« eine weitere Form hinzu. Mit dem Zeichenstift-Werkzeug stelle ich den zackigen Pfad schnell mit einfachen Mausklicks her und wandle dann alle Punkte per Rechtsklick auf die neue Ebene via »Pfad für Masken und Formen › RotoBézier« in einen weichen Pfad um. In den Formparametern füge ich »Pfade trimmen« hinzu und setze Keyframes zum Animieren, sodass der Pfad sichtbar wird. Stelle ich diese Ebene nun über unser X, kann ich sie als bewegte Maske verwen­den. Um den Eindruck gesprühter Farbe noch zu verstärken, bearbeite ich meine Form mittels »Effekte › Stilisieren › Kanten aufrauen« nach. nach oben


3 Aufbau im Raum

Jetzt veranlasse ich, dass das X in den 3D-Raum kippt. Dafür gehe ich auf »Ebene › 3D-­Ebene« und animiere die Ausrichtung um 90 Grad . Auf diese Weise erhalte ich einen Boden, von dem aus ich meine vertikalen Balken in die Höhe wachsen lasse. nach oben


4 Farbfläche als Platzhalter verwenden

Unter »Ebene › Neu« erstelle ich eine neue Farbfläche, die ich auf die vierfache Höhe der Komposition schätze, und platziere sie so im Raum, dass sie rechtwinklig auf dem X steht. Wir können zunächst unter »Effekte › Generieren« einen Verlauf darauf anwenden und kommen etwas später auf den genauen Inhalt dieser Fläche zurück. nach oben


5 Titel platzieren

Nun wandle ich die importierte Vektorgrafik für den »Ubik«-Schriftzug via »Erstellen › Formen aus Vektorebene erstellen« in eine Formebene um. Wir platzieren den Titel ganz oben auf unserem Platzhalter. Auch hier dient das Element vorerst als Platzhalter, denn die Position hängt letzt­lich von der Kameraperspektive ab. Der räumliche Aufbau wäre aber nun soweit: Mithilfe einer Kamera, die wir unter »Ebene › Neu« unserer Kompo­sition hinzufügen, ließe sich das Ganze schon animieren, doch ich erstelle im nächsten Schritt noch ein handliches Kamera-Rig. nach oben


6 Kamera-Rig erstellen

In einer dynamischen Aufwärtsfahrt taucht unsere Kamera in die Farbfläche der empor­wachsenden Balken ein. Diese zwei Bewegungen verteile ich für eine genauere Kontrolle auf zwei separate Objekte. Dafür erzeuge ich über »Ebene › Neu« ein Nullobjekt und ordne ihm per »Übergeordnetes Auswahlwerkzeug« die Kamera zu. In der Nullobjektebene rufe ich dann mittels »P« die Positionsparameter auf und trenne per Rechtsklick auf »Dimensionen trennen« die Werte, um die y-Position zu isolieren. Dieses kleine Kamera-Rig ist sehr praktisch, da wir weiterhin alle Vorteile einer 2-Knoten-Kamera nutzen und im selben Augenblick die Dynamik unserer Bewegung nach oben separat kontrollieren können. nach oben


7 Brennweite nachstellen

Nun animiere ich das erstellte Kamera-Rig. Je nach gewählter Brennweite lassen sich Ti­ming und Platzierung der Elemente festlegen. Wie bei Farbflächen gängig, können wir mittels Strg+Shift+Y die Einstellungen bereits erstellter Kameras ändern. Ich verwende hier eine Brennweite von 35 Millimetern, die mit knappen 55 Grad Blickwinkel ungefähr dem Sichtfeld des menschlichen Auges entspricht. nach oben


8 Schriftzug animieren

Nun erstellen wir den Schriftzug. Dafür selektiere ich unsere Titelebene und wandle sie via »Ebene › Unterkomposition erstellen« um. Sobald wir uns im Kompositionsfenster in diese Unterkomposition begeben haben, passen wir sie mit Strg+K unseren Bedürfnissen an. Ich kopiere die 1920 Pixel Breite und definiere damit die Höhe, um ein Quadrat zu erstellen. Da es leichter ist, ein­fach eine neue Form zu generieren und ihre Pfade zu animieren, als die gefüllten Flächen unserer Schrift­ebene, gehe ich auch hier das Problem wie schon zu­vor beim Sprüheffekt an. Mit dem Zeichenstift-Werk­zeug zeichne ich die Schrift als neue Form nach, animiere sie mittels »Pfade trimmen« und verwende sie als bewegte Maske für den Schriftzug.

Wir können nun eine Kopie dieser Form erstellen und sie wiederverwenden: Positionieren wir die Pfade neu, haben wir eine gute Basis für die langen Linien, die von allen Seiten ins Bild gleiten und schließlich den Arzneinamen »Ubik« bilden. nach oben


9 Streifenmuster animieren

Da wir alle unsere Kompositionen so schön unterteilt haben, können wir uns nun dem Mittelteil zuwenden. Wir müssen noch zwei zusammenlaufende Streifen herstellen und diese mit feinen Streifen füllen. Dazu lege ich mittels Rechtsklick eine neue Maske an und reduziere die Breite der Fläche auf ungefähr ein Drittel. Über circa 30 Bilder hinweg animiere ich, wie der Streifen schmaler wird, bis er ganz verschwindet. Wenn wir nun den Masken­modus auf »Subtrahieren« umstellen, erhalten wir unsere zwei Streifen. Erst mit einer zweiten Maske animiere ich das Erscheinen unserer Fläche. Um sie richtig mit der ersten Maske zu kombinieren, verwende ich per Rechtsklick auf »Maske« den Masken­modus »Überschneiden«. Sind die Masken animiert und in der Hauptkomposition mit der Kamerabewegung abgestimmt, können wir uns endlich um den Streifeneffekt der Fläche kümmern. nach oben


10 Fläche in Raum umwandeln

Wir wandeln jetzt unsere maskierte Fläche per Rechtsklick und »Unterkomposition erstellen« in eine Unter­komposition um. Darin aktiviere ich für die Ebene der Farbfläche den 3D-Modus und dupliziere die Ebene gleich zweimal. Unter »Effekte › Rauschen und Korn« generiere ich via »Turbulentes Rauschen« unterschiedlich breite vertikale Streifen. Mithilfe des Störungstyps »Block« und diverser Skalierungs­wer­te erhalten wir das gewünschte Ergebnis und überlagern unsere Ebenen mittels »Füllmethode › Mul­ti­pli­zieren«. Im Raum staffeln wir die Ebenen treppenförmig, sodass unser Bild sich zunehmend verdunkelt und die Artefakte sich verfeinern. nach oben


11 Projekt einfärben

Da es sich hier um ein sehr grafisches Projekt handelt, habe ich die Hauptkom­position bisher schwarzweiß gehalten. Mit einer übergeordnete Komposition ist es nun sehr einfach, das Projekt nach Belieben einzufärben. Ich stelle unter »Komposition« eine neue Komposition her und hole mir die Hauptkomposition ins Projektfenster. Zudem stelle ich wiederum unter »Ebene › Neu« eine neue Farbfläche her, die ich unter »Effekte › Generieren › Verlauf« mit meinen ersten zwei Farben ausstatte. Im nächsten Schritt dupliziere ich die Ebene und versehe den zweiten Verlauf mit meinen letzten zwei Farben. Wir könnten auch einen Farbverlauf mit der Schwarzweißkomposition mittels »Luma Matte« als bewegte Maske mit dem eingefärbten Resultat kombinieren. Auf diese Weise wären auch farbliche Variationen oder gar Versuche mit Fotos möglich. nach oben


12 Untertitel hinzufügen

Nun erhöhe ich noch den Kitschfaktor. Für diesen letzten Schritt kam mir der Arzneimittelhinweis »Safe when taken as directed« aus dem Roman sehr gelegen. Gleichzeitig habe ich das X vom Anfang wiederverwendet, um den Schriftzug und den Untertitel mittels »Effekte › Stilisieren › Leuchten« von unten zu illuminieren. nach oben


Yann Bertrand arbeitet seit 2004 als 3D- und Motion Designer mit besonderem Interesse an Filmregie und Architektur. Seit 2012 lehrt er an der OfG und leitet dort seit September den neuen Motion-Design-Kurs. Yann Bertrand lebt und arbeitet in Rennes in der Bretagne.

Hier gibt es mehr Infos zum neuen Motion-Design Kurs an der OfG.

 

 


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