Wie ein Buch für Unendlichkeit steht – und beim Lesen kleiner wird

Ist dieses Buch wirklich noch ein Buch? Auf jeden Fall kann man es bequem lesen – und dessen Form ist dabei so spannend wie der Inhalt.



Ist Kunst wichtig für das Gemeinwohl? Das ist eine Frage, die immer wieder gestellt wird – und auf die Soziologen, Philosophen, Sozialwissenschaftler oder Politiker die unterschiedlichsten Antworten finden.

Auch der Künstler Julien Viala hat sie sich gestellt und die Antworten in einem Buch zusammengetragen, das so spannend wie dessen Fragestellung ist und zeigt, wie Kunstwerke, kunsthistorische Artefakte oder ästhetische Eingriffe im öffentlichen und halböffentlichen Räumen »auftreten«.

Gemeinsam mit Jonas Beuchert von dem Verlag Edition Taube entstand die Idee, diese Bilder in völlig zufälliger Reihenfolge als Buch zu binden. Ohne Anfang und Ende, ohne Gewichtung und Ordnung.

Und das eigentliche Buch, das der Leser erwirbt, wird als Scheibe mit zufälligen Abbildungen in zufälliger Reihenfolge vom Block heruntergeschnitten.

Einen halben Meter lang ist »Bien Commun« (»Gemeinwohl«) und auf den ersten Blick eher Skulptur als Buch, mit Seiten, die wie ein Post-it herausgetrennt werden können – und während die eigene Kenntnis steigt, wird das Buch selbst immer schmaler.

Mehr wie ein Gedankenstrom erscheint »Bien Commun«, wie eine Welle, die durch die verschiedenen Disziplinen rollt und einen mitnimmt auf eine intellektuelle Reise.

Das Buch industriell zu produzieren, war schwierig, da Buchbindemaschinen auf Ordnung und Präzision und nicht auf Zufälligkeit ausgerichtet sind, aber schließlich fanden sich die Berliner Buchbinderinnen Friederike Goll und Esther Everding, die das ungewöhnliche Buch in Handarbeit erstellten.

Zu bestellen ist »Bien Commun« für 32 Euro bei der Edition Taube. Eingewickelt ist die Publikation in ein zweiseitiges Poster mit dem Essay des Kunsthistorikers John Beeson.

 


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