Passion: TYPO Berlin 2010 eröffnet

Volle Ränge, launige Thesen – und das Thema Leidenschaft: Heute begann die TYPO Berlin 2010. Eigentlich mit einem Vortrag des Bremer Internet-Philosophen Prof. Dr. Peter Kruse. Doch da er erkrankt war, sprang Erik Spiekermann kurzerhand ein.




Volle Ränge, launige Thesen – und das Thema Leidenschaft: Heute begann die TYPO Berlin 2010. Eigentlich mit einem Vortrag des Bremer Internet-Philosophen Prof. Dr. Peter Kruse. Doch da er erkrankt war, sprang Erik Spiekermann kurzerhand ein.

»Wie gut, dass wir den Erik haben«, sagt eine Besucherin in dem eng gedrängten Pulk, der vor dem Auditorium wartet. »Und wie gut, dass er so gerne und großartig spricht«. Und genau das hat er dann getan. Ein gelungener Auftakt der TYPO Berlin. Nicht zu ernst. Aber auch nicht hohl. Ein Heimspiel für den »Godfather of Typo«, wie Spiekermann unter begeistertem Applaus angekündigt wurde.

Den Text zu seinem Vortag »Das kann ich überhaupt nicht ab & das macht mich richtig glücklich! Von der Leidenschaft in Arbeit und Leben« hat er nicht fertig, denn eigentlich war er ja erst Stunden später dran. Doch kein Problem für Spiekermann. Er beginnt mit dem Bonmot von Martin Luther »Aus einem trockenen Arsch kann kein fröhlicher Furz kommen«, verspricht »extra schmal zu quatschen, wenn die Zeit nicht reicht« – und legt los. Locker, lustig und ohne jede Anstrengung. Ein Heimspiel, bei dem er immer mal wieder jemanden im Publikum anspricht.  

Worauf er steht führt er auf: Und dazu gehören Marzipan, Basilikum, Fahrräder und der Frühling in Berlin ebenso wie die Reklameschrift Block und das kleine a. Er leide eben an »Typomanie, nicht tödlich, aber unheilbar«, sagt er – und, dass er Arial und die Farbe Lila ebenso hasst wie Kaffee in Pappbechern und Volksmusik-Klatschen auf den ersten Takt. Wie schön Musik sein kann führt er statt dessen vor: Mit einem vierminütigen Clip des Songs »Stand by me« zu dem sich bei Playing for change Musiker weltweit zusammenfinden. »Mach mal ordentlich laut« ruft Spiekermann dem Tontechniker zu und man würde nicht verwundert sein, finge er neben seinem Rednerpult an, zu tanzen. Tut er aber nicht, sondern holt zu einem Rundumschlag gegen Arial an Häuserwänden wir dem Bundesministerium der Finanzen an der Leipziger Straße aus, leitet zu dem Meta-Font, mit dem er nach der Wende die Berliner U-Bahnhöfe neu gestaltete und den die Berliner Verkehrsbetriebe langsam »versiffen« lassen über, schimpft auf Verdana, schwärmt von dem ß auf Berliner Straßenschildern und von den aufblühenden Kastanien an denen er jeden Morgen vorbei radelt und von denen er zehn Tage lang jeweils ein Foto gemacht hat. Schließlich sei er ganz schön romantisch und möchte noch mindestens noch 70 Frühlinge erleben.

Am Anfang zappte Spiekermann zügig durch Fotos seiner Familie, »da sie natürlich das seien, was er am meisten mag«, aber schließlich »solle es ja nicht zu persönlich werden, denn das hier sei ja die Typo«. Am Ende war es dann doch sehr persönlich. Und eine gelungene Personality-Show.

Godfather of Typo: Erik Spiekermann


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