Atelier Markgraph in Shanghai

In Shanghai eröffnen die Frankfurter Spezialisten für Kommunikation im Raum ihre erste Auslands-Dependance.




In Shanghai eröffnen die Frankfurter Spezialisten für Kommunikation im Raum ihre erste Auslands-Dependance.

Atelier Markgraph vergrößert sich und eröffnet das erste Auslandsbüro in seiner 25-jährigen Geschichte. Bisher arbeiteten die Gestalter von Frankfurt aus für Unternehmen wie Mercedes-Benz, Deutsche Telekom und die Expo und realisierten international angelegte Projekte. Nun haben sich die Geschäftsführer Lars Uwe Bleher, Meinhard Hutschenreuther, Roland Lambrette und Stefan Weil entschlossen, in China zu investieren, um dort neue Kunden zu gewinnen. Was auf das chinesische Markgraph-Team zukommt und welche Erfahrungen die Designer in den vergangenen Jahren in Asien gesammelt haben, darüber spricht Martin Pesch, der bei Atelier Markgraph das China-Engagement leitet.

Shanghai ist die erste Officegründung von Atelier Markgraph im Ausland. Warum jetzt, warum China?


Martin Pesch: Die Entwicklung des chinesischen Marktes ist natürlich insgesamt spannend, das war aber nicht der entscheidene Faktor für uns. Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren verschiedene Projekte in China realisiert und in der Zeit sehr viele Erfahrungen gesammelt. Wir haben in dieser Zeit Kontakte zu möglichen Partnern und Kunden aufgebaut. Und chinesische Firmen haben begonnen, Interesse an unserer Arbeit zu haben, obwohl sie die Disziplin Kommunikation im Raum bisher kaum kennen. Ein Markt für unsere Dienstleistung entsteht hier erst. Aber dadurch können wir uns von Anfang an als Kompetenz in dieser Designrichtung etablieren. Das geht nur vor Ort und nur mit chinesischen Mitarbeitern. Auf beides legen chinesische Kunden Wert.

 

Das bedeutet auch, dass Sie noch Aufklärungsarbeit leisten müssen.

 

Sicherlich müssen wir unseren Auftraggebern erst einmal erläutern, was wir leisten. Kommunikation im Raum ist selbst in Deutschland noch recht jung. In China existiert sie als Disziplin im Grunde nicht. Chinesische Kunden sehen immer das Gesamtpaket, alles kommt für sie aus einer Hand. Egal ob Museum oder Messestand. Dass es Spezialisten gibt, die sich um Integration von Medientechnik in Architektur kümmern, Experten für kommunikative Architektur und für Grafik im Raum sowie Profis für Rauminszenierung – diese Vorstellung ist kaum ausgeprägt. Kommunikation im Raum wird aber langsam zu einem relevanten Thema. Sie schlägt sich selbst im Studienangebot der chinesischen Hochschulen nieder. Diese haben mittlerweile Studiengänge wie »Spatial Design« in ihr Angebot aufgenommen.

 

 

 


Wie ist Ihr Büro dort aufgestellt?

 

Unsere Strategie in China ist die Politik der kleinen Schritte. Wir teilen uns das Büro mit einer befreundeten Beratungsfirma, die uns auch geholfen hat, in China Fuß zu fassen und Kontakte zu chinesischen Kunden aufzubauen. Insgesamt besteht das Stammteam aus vier Mitarbeitern,  zwei Projektmanagern, einem Innenarchitekten und einem Grafikdesigner – drei Chinesen und einen Deutschen. Wir greifen seit 2009 auf ein gutes Netzwerk von Gestaltern und Architekten zurück und führen diese für Projekte zu Teams zusammen.

 

Hat das Team bereits Aufträge, an denen es ab sofort arbeitet?

 

Es gibt diverse Anfragen. Chinesische Auftraggeber suchen derzeit internationale Partner, die frischen Input in die Unternehmenskommunikation bringen. So etwas wie konsequente Markenbildung wird in einem so dynamischen Markt relevant. Das ist unser Gebiet. Aber auch der Neubau und die Facelifts von Museen sehen wir als Chance. So arbeiten wir gerade am Ausstellungskonzept für das Segelmuseum in Qingdao, dem Ort, wo die olympischen Segelwettbewerbe stattgefunden haben. Ein Unternehmen aus Südchina ist ebenfalls auf uns zugekommen. Es hat unseren Showroom für T-Mobile in Darmstadt in einer Designzeitschrift gesehen und intereressiert sich für unsere Arbeit.

 

Ticken chinesische Kunden anders?

 

Unsere Erfahrung bestätigt die vieler anderer ausländischer Unternehmen in China. Der Kontakt zu potentiellen chinesischen Kunden ist direkter, persönlicher, kommunikativ intensiver. Man ist mehr oder weniger permanent mit den Entscheidungsträgern oder der Assistenten-Ebene in Kontakt. Im Chinesischen gibt es den Begriff »guanxi«: Vertrauen aufbauen, das gemeinsame Gefühl eines Gebens und Nehmens entwickeln, kommunikative Harmonie herbeiführen. Das ist anders als bei uns, wo es sehr viel strukturierter, klarer, vertragsmäßiger zugeht. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es für uns jetzt unabdingbar in China mit chinesischen Mitarbeitern präsent zu sein

 

Sehen Sie auch Unterschiede in der Gestaltung und Rauminszenierung?

 

Gesamtgestalterisch dominiert Üppigkeit. Was wir in Deutschland als tolles Design betrachten, also im Sinne von reduziert und klar, schick, cool, wird in China oft als nicht fertig betrachtet. Das betrifft eigentlich alle Gestaltungsdisziplinen. Insgesamt interessieren sich viele Firmen aber stark für einen internationalen Stil. Insofern ist eine zentrale Frage der kommenden Monate sicherlich, welche Formen der Kommunikation in China funktionieren und welche nicht.

 

Die Innenräume mit Ausblick auf die Shanghai City Center:

 


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