Unbedingt lesenswert: Eine Geschichte des Grafikdesigns – hier mal mit Blick auf weibliche Gestalterinnen.
»HerStories in Graphic Design«. Eine bunte Sammlung von (Lebens-)Geschichten ist dies hier nicht – so etwas hat Gerda Breuer bereits 2012 mit Julia Meer geschrieben (»Women in Graphic Design«). In ihrer neuen, ebenfalls zweisprachigen Publikation widmet sie sich übergreifenden Strömungen und verfolgt, wie die verschiedenen Wellen des Feminismus sich im Design niederschlugen.
Besonders weit vorn waren zunächst die USA und England, wo Pionierinnen schon im 19. Jahrhunderten Ausbildungsstätten und Netzwerke gründeten, die Frauen erstmals ein autonomes Leben als Gebrauchsgrafikerinnen ermöglichten. Über die Wiener Werkstätten und die Gestalterinnen der frühen Sowjetunion geht es in die Sixties und Seventies, als linksfeministische Druckwerkstätten, Frauenbuchläden und Magazine boomten – in Deutschland etwa »Courage«, »Die schwarze Botin« oder »Emma« (alle Ausgaben seit 1977 übrigens zu lesen unter https://www.emma.de/lesesaal).
Und so weiter bis in die Gegenwart der sogenannten vierten Welle und Webplattformen wie futuress.org mit dem Motto »Where feminism, design and politics meet«. Kurz, es gibt endlich ein erstes Grundlagenwerk über Grafikdesign als emanzipative Praxis – eine gute Basis für weitere Entdeckungsreisen.
Außerdem ist der von Katja Lis von der Frankfurter Agentur dbf.design gestaltete Band einfach ein wunderschönes Buchobjekt – raffiniert in dicken grauen Karton gebunden und mit neonfarbener Schrift versehen.
Gerda Breuer: HerStories in Graphic Design. Dialoge, Kontinuitäten, Selbstermächtigungen. Grafikdesignerinnen 1880 bis heute. Jovis Verlag, Berlin 2023 352 Seiten Deutsch, Englisch 56 Euro ISBN 978-3-86859-773-8