Stolpernde Schneekatze

Ausriss aus der Apple-Webseite zum neuen Betriebssystem Snow Leopard 10.6

Apple-Produkte gehören qualitativ ohne Frage zur obersten Liga. Mit Mac OS X Snow Leopard hat sich Apple jedoch nicht mit Ruhm beckleckert, Anwender berichten von etlichen Problemfällen, welche die Arbeit in der täglichen Praxis erschwert haben.



Zwei Jahre hat sich Apple Zeit gelassen, um mit Snow Leopard Ende August 2009 das „weltweit fortschrittlichste Betriebssystem”, so der Hersteller, zu veröffentlichen. Angesichts des günstigen Preises von nur 29 Euro für das Update konnte man da nicht viel falsch machen. Da es ja vor allem um Feintuning eines bewährten Systems ging, und weniger um große, neue Funktionen, wurden auch viele Produktionsrechner flugs aktualisiert. Das Neueste von Apple ist schließlich gerade gut genug. Was soll schon schief gehen!?
Es ging schief, oft sogar und der bekannte Lehrsatz wurde wieder häufiger bemüht: „Never touch a running System.” Bewährte Postscript-Type-1-Schriften wollten auf einmal nicht mehr mit Quark Xpress 7 und 8 harmonieren, der Text in Textrahmen wurde zerhauen. Adobe Photoshop CS4 und Indesign CS4 sowie die ältere Microsoft Office-Version 2004 stürzten vermehrt ab, Drucker gingen in den Streik. Bilder wurden auf einmal nicht mehr geöffnet, wenn diese auf das Photoshop-Programm-Icon per Drag-and-Drop gezogen wurden. Bei Verwendung des Menlo-Fonts stürzten Photoshop und Premiere CS3 und CS4 ab. Das Aufrufen von Photoshop CS 4 aus Lightroom heraus klappte nicht. Adobe hat klar gestellt, dass es nur die Creative Suite 4 aktiv für Snow Leopard supporten will, Benutzer älterer Versionen müssen darauf hoffen, dass Apple mögliche Probleme behebt. Angesichts der im Vergleich zu Microsoft klar definierten Hardwareplattformen und einem zumindest in der Profiliga überschaubaren Softwareangebot, hat sich Apple hier wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Microsoft hätte man bei weniger Schlamperei in der Luft zerissen. Es gibt sogar eine Wiki Site, eine von den Anwendern gepflegte Kompatibilitätsliste: http://snowleopard.wikidot.com/

Warum der Schneeleopard anfänglich ins stolpern kam, ist unklar, denn die wenigen Neuerungen sind oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen, wenn überhaupt. Um die Vorteile zu preisen, wurde im Marketing auch etwas gezaubert: »50 % schnellere Installation und dazu nicht einmal die Hälfte des Speicherplatzes der Vorversion«, wurde versprochen. Hört sich toll an. Aber ist es nicht logisch, dass die Installation zügiger verläuft, wenn man nur die Hälfte der Datenmenge kopieren muss? Dass Snow Leopard auch deshalb platzsparender ist, weil die Unterstützung für PowerPC-Prozessoren weggefallen ist, wird gar nicht erst erwähnt.
Bei aller Begeisterung für die Apple-Gadgets wie iPod, iPhone und der kommende Tablet-Mac: Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Sorgfalt im Mac-Systemsoftware-Bereich stark nachgelassen hat. Die professionelle Kundschaft gerade in der Medienproduktion sollte man jedoch nicht zu sehr vor den Kopf stoßen, denn der gute Ruf speist sich nicht zuletzt aus dieser Quelle. Immerhin: Apple hat recht schnell reagiert und viele Problemzonen in Mac OS X 10.6.2 und dem kommenden 10.6.3. ausgebügelt. 


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