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Ideen & Entwürfe präsentieren: Die besten Tipps aus der Praxis!

Die Möglichkeiten, Kund:innen Entwürfe zu präsentieren, sind vielfältig. Aber wie gelingt es, Kunden eine Designlösung überzeugend nahezubringen? Wir zeigen, wie man Konzepte für Motion, Packaging, Brand und Experience Design am besten vermittelt.

Konzeptpräsentationen, Illustrationen zum Thema »kritische Präsentationsmomente« vom niederländischen Designer Wytze Hoogslag
Der niederländische Designer Wytze Hoogslag hat kritische Präsentationsmomente eigens für uns illustriert. Ganz wichtig: mit Humor nehmen!

Der Auftrag ist erteilt, das Briefing geschärft und eine strategische Richtung festgelegt. Jetzt geht es in die Ausarbeitung und Präsentation der Entwürfe – und eine Phase der Ungewissheit. Wie weit muss man in Vorleistung gehen, um ein Gestaltungskonzept vor­ stellen zu können? Welche Präsentationsform bringt das Produkt, die Idee, Entwürfe oder den gewählten Stil am besten zur Geltung? Visualisiert man mit einer Skizze, mit Moodboards, Prototypen oder mithilfe von Künstlicher Intelligenz?

Egal, wie präsentiert wird: Eine didaktische Struk­tur erleichtert es Kreativen, ihre gestalterischen Ent­scheidungen zu begründen. Klassischerweise spricht man dabei über das Problem, die Herangehensweise und die Lösungsansätze. Die Begeisterung für ein Konzept oder eine Idee entsteht aber auf emotiona­ler Ebene, durch Storytelling und clever inszenierte Entwürfe, die Kund:innen bereits einen Vorgeschmack auf das finale Produkt geben. »Als Designer:in muss man ein gewisses Maß an Show­-Qualität entwickeln«, sagt Leigh Sachwitz, Gründerin von florafaunavisions, Berlin. »Der Rest ist Leidenschaft und das Vertrauen in das eigene Konzept«

Präsentation: Show Your Process!

Wie genau diese Show aussieht, ist genauso indivi­duell und unterschiedlich, wie Kreative es sind. Die zu entwickelnden Formate und Medien geben aller­dings schon erste Leitplanken vor, ebenso die Art der Zusammenarbeit mit den Kund:innen. Der Grafik­ und Brand Designer Chihan Tamti beispielsweise ist nicht nur wegen seines individuellen, typografischen Stils gefragt, sondern auch bekannt für seinen kol­laborativen Prozess. Er fokussiert sich in Präsenta­tionen deshalb vor allem darauf, den Weg abzubilden, den seine Ideen hinter sich haben, um so Vertrauen in die Entwürfe zu schaffen.

Während seiner Arbeit an den Designs läuft stets ein Screenrecorder mit, dessen Aufnahmen Tamti anschließend als Zeitraffer vor Kund:innen präsen­tiert, um seine Ansätze und Ideen zu erklären. Bei besonders engen Kollaborationen tauscht er sich so­gar über Screenshots live mit seinen Kund:innen aus, während er an ihrem Design arbeitet. Sobald auf die­se Art das Keyvisual entstanden ist, fügt er die Re­cordings in eine Keynote­-Präsentation ein, und in­szeniert den Entwurf in ersten Grafiken, die zeigen, wie das finale Design aussehen könnte. Die Aufnah­men nutzt er nach Projektabschluss außerdem als Social­-Media­-Content oder stellt sie als Reels gegen einen Aufpreis Kund:innen zur Verfügung.

So eine ungewöhnliche Präsentationsform kann nicht nur für Kund:innen erleuchtend sein, sondern auch andere Kreative inspirieren. Im Folgenden ge­ben Designstudios Einblick, welche Vorgehensweisen sich bei ihnen bewährt haben und wie sie ihre Kon­zepte für unterschiedlichste Medien präsentieren.

Konzeptpräsentationen, Screenrecording aus dem Gestaltungsprozess von Designer Cihan Tamti
Seine typografischen Identities und individualisierten Visuals lassen sich kaum auf klassische Weise präsentieren. Deshalb zeigt Cihan Tamti Kund:innen meist ein Screenrecording aus seinem Prozess, an dem er seine Idee und die Ausarbeitung erklären kann. Die kurzen Zeitrafferaufnahmen dienen außerdem als Social-Media-Content

1. Immersive Präsentation

  • Was? Vorstellung einer interaktiven Live-Experience
  • Ziel? Verdeutlichung des Storytellings und Freigabe der Gestaltung
  • Wie? 3D-Modell, erlebbar über ein mobiles VR-Headset
  • Wann? kurz vor der Umsetzung des Projekts im Raum
  • Wer? florafaunavisions, Berlin ↗ www.florafaunavisions.de

Das Berliner Studio florafaunavisions hat für die Prä­sentationen seiner interaktiven Rauminstallationen eine clevere Form gefunden, die es ihm erlaubt, das Storytelling und Schlüsselmomente zu visualisieren, ohne dabei zu sehr in Vorleistung zu gehen. »Für uns ist es wichtig, mit techno­logischen Entwicklungen Schritt zu halten«, erklärt Grün­derin Leigh Sachwitz. »Deshalb haben wir schon sehr früh damit begonnen, unsere Projekte als VR­-Versionen einzu­richten – nicht nur extern für Kunden, sondern auch intern zur Qualitätskontrolle.«

Im Büro nutzen die Kreativen dazu ein festes VR­-Setup für die Konzeption und Verfeinerung der Experiences. Da­bei bauen sie den zu bespielenden Raum in 3D nach – ein Modell, das sie ohnehin brauchen, um Größenverhältnisse und Abläufe zu testen – und setzen erste Entwürfe direkt ein. Zu Kundenterminen bringen die Kreativen das optimierte Modell auf einem leistungsstarken Laptop mit, mit dem sich ein portables VR­-Headset verbinden lässt. »Damit ermögli­chen wir es unseren Kund:innen und Partnern, immersiv in die von uns geschaffenen Erlebnisse einzutauchen – auch wenn sie bisher nur digital existieren. Das bringt eine ganz neue Energie in die Planung und Präsentation, weil man sich das Endprodukt so viel besser vorstellen kann«, so Sachwitz.

Konzeptpräsentationen, Edutainment-Installation »Utopian Garden« von florafaunavisions-Gründerin Leigh Sachwitz
Leigh Sachwitz, die Gründerin von florafaunavisions, führt Kund:innen höchstpersönlich durch eine VR-Replik der Edutainment-Installation »Utopian Garden«, um das Konzept und die Bildwelten zu erklären

Dabei führt sie die Kund:innen höchstpersönlich durch das VR­-Modell, während alles, was sie in VR sehen gleich­zeitig auf dem Laptop gespiegelt wird. So »verläuft« man sich nicht, und Leigh Sachwitz kann einzelne Stationen der Experience erklären. Je nach Projekt gestaltet das Team für die Präsentation verschiedene Schlüsselmomente der Ex­perience aus, anhand derer Kund:innen das Design ken­nenlernen sollen. Die Dauer einer solchen Präsentation hängt von der Komplexität des Projekts ab. »Es ist wich­tiger, dass alles verstanden wird, als schnell fertig zu sein«, erklärt Sachwitz. Trotzdem steht das visuelle Erlebnis an erster Stelle, und sobald Kund:innen das VR­-Headset auf­ setzen, werden sie erst einmal von einer bildgewaltigen Szene überrascht. Denn: »Großartige Arbeit ist das, was die Menschen begeistert.«

2. Google-Slides-Präsentation im Videocall

  • Was? visuelle Konzepte für gebrandete Animationen
  • Ziel? Entscheidung für einen Animationsstil
  • Wie? Google-Slides-Präsentation im Videocall
  • Wann? nach Freigabe des Storyboards
  • Wer? illo.tv, Turin ↗ https://illo.tv

Das Turiner Motion-Design-Studio illo beginnt jedes Projekt damit, zwei verschiedene Google-Slides-Präsentationen anzulegen. Eine dient der internen Kollaboration unter den Kreativen. Dort fügen sie Scribbles, Moodbilder oder Zwischenstände ein. Sobald ein Projektschritt abgeschlossen ist, werden die betreffenden Folien aufgeräumt und in eine zweite Präsentation eingepasst. Diese wird durchgehend mit den Kund:innen geteilt, um sie über den aktuellen Stand zu informieren, und ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst Kommentare, Moodbilder oder Anmerkungen einzufügen.

Konzeptpräsentationen, Google-Slides-Präsentation im Videocall von illo.tv

Über kleinere Updates in der geteilten Präsentation informiert illo die Auftraggebenden per Mail. Größere Milestones wie die Vorstellung möglicher Animationsstile werden in einem Google-Meets-Call live vorgestellt. Dabei verbleiben alle Folien aus vorherigen Projektphasen in der Präsentation, werden aber nicht mehr ausführlich besprochen, sondern bei Rückfragen schnell wieder zu Rate gezogen. Um dennoch direkt zu Beginn des Calls das Ziel und die zu besprechenden Elemente deutlich zu machen, duplizieren die Kreativen ein bis zwei der aktuellen Slides und setzen sie an den Anfang der Präsentation. »So kontrollieren wir die Erwartungshaltung der Kundinnen und Kunden für die Präsentation und stellen sicher, dass Scribbles nicht schon wie finale Illustrationen bewertet werden«, so Brand Strategist Giovanna Crise.

Nach Abnahme des Storyboards zeigt illo in einer weiteren Präsentation immer zwei bis drei Stilrichtungen mit Moodboards und den wichtigsten Styleframes. Minimalistische, grafische Mockups – etwa ein Screen aus Instagram oder Facebook – vermitteln einen ersten Eindruck davon, wie die Animation auf den Kanälen des Kunden wirkt. »Zu komplexe Visualisierungen lenken vom Design ab«, erklärt Giovanna Crise. »Es geht zunächst darum, den Auftraggeber:innen die nötigen Informationen mitzugeben, um sich anhand weniger Bilder eine ganze Animation vorstellen zu können.«

Konzeptpräsentationen, das Turiner Designstudio illo verwendet für all seine Projekte jeweils zwei Google-Slides-Präsentationen
Das Turiner Designstudio illo verwendet für all seine Projekte jeweils zwei Google-Slides-Präsentationen: eine interne und eine mit Kund:innen geteilte. Ein übergreifendes Template hilft dabei, Slides aus beiden Dokumenten zusammenzuführen

3. PowerPoint-Präsentation vor Ort

  • Was? Vorstellung verschiedener Medien und Formate für die Markenkommunikation inklusive Produktionsmöglichkeiten
  • Ziel? Freigabe eines Konzepts für die Ausarbeitung
  • Wie? PowerPoint-Präsentation vor Ort beim Kunden
  • Wann? möglichst kurz nach dem Briefing und der strategischen Ausarbeitung
  • Wer? Morphoria, Düsseldorf ↗ https://morphoria.com/de

Morphoria aus Düsseldorf bezeichnet sich selbst als »Schweizer-Taschenmesser« – vielseitig einsetzbar, exakt und zeitlos. Das Angebot der Designagentur rangiert von hochdigitalen Brandings bis hin zu liebevoll veredelten Printprodukten, Büchern und Geschäftsberichten. Klar, dass da nicht eine Art der Präsentation alles abdecken kann. »Wir visualisieren immer so, wie es für die Idee am effizientesten ist«, erklärt Alexandros Michalakopoulos, Co-Founder von Morphoria. Das kann eine Kombination aus technischer Skizze und Moodbildern sein, ein selbst gebautes Modell oder KI-Visualisierungen. In den meisten Fällen versucht das Team aber, Kund:innen vor allem die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen, die eine Idee eröffnet.

 Moodbilder für Veredelungen und erste Designs von Geschäftsberichten für eine Ideenpräsentation

Um diese darzustellen, setzen die Kreativen auf eine selbst aufgebaute Datenbank mit einer Fülle an Moodbildern von eigenen Projekten, Produkten, Texturen und Veredelungsmöglichkeiten. Bis zu hundert Folien kann eine Präsentation dann schon einmal haben, wenn gleich mehrere Konzepte präsentiert werden. Die Anzahl der vorgestellten Entwürfe variiert aber: »Wir zeigen nur das, woran wir absolut glauben«, so Michalakopoulos. »So klingt die Leidenschaft durch, die am Ende auch Kund:innen mitreißen kann.« Präsentiert werden diese Entwürfe deshalb auch von dem Teammitglied, das am meisten daran gearbeitet hat – egal ob nun die Praktikantin oder der Senior.

 Moodbilder für Veredelungen und erste Designs von Geschäftsberichten für eine Ideenpräsentation
Für das Deutsche Sport Marketing entwarf Morphoria einen individualisierten Geschäftsbericht zu den Olympischen Spielen 2021. Die besondere Zusammen- setzung mit einem festen und einem wandelbaren Teil skizzierten sie mit einfachen Strichen an. Veredelungen und erste Designs zeigen sie in zahlreichen Moodbildern

Die Kreativen leiten dabei über eine kurze Wiederholung der Problemstellung über eine Erläuterung des Prozesses hin zur Lösung. Auf Text verzichten sie dabei fast ganz und setzen eher auf die gewählte Visualisierungsart. Gestaltet werden die Präsentationen im Morphoria-Design-Template mit InDesign. Anschließend exportieren die Kreativen ihre Slides als JPEGs und fügen sie zusammen mit etwaigem Motion-Content in PowerPoint ein. So können sie nach der Präsentation die Datei ganz einfach übergeben, die Kund:innen können sie in einem vertrauten Tool noch einmal durchgehen und in aller Ruhe in das vorgestellte Design eintauchen.

4. Prototypen zum Anfassen

  • Was? Vorstellung verschiedener visueller Richtungen für ein Packaging Design
  • Ziel? Freigabe eines übergeordneten Packagingkonzepts für mehrere Produkte
  • Wie? Keynote-Präsentation und physische Prototypen vor Ort in der Agentur
  • Wann? nach Freigabe einer Strategie
  • Wer? Ansichtssache, München ↗ www.ansichtssache.de

»Im Packaging Design sind frühe Prototypen es­senziell«, sagt Florian Scharinger, einer der Grün­ der der Münchner Agentur Ansichtssache, die sich auf Brand, Editorial und Packaging Design speziali­ siert hat. Zu ihren Kunden gehören vor allem Mar­ken aus der Foodbranche. Für sie gestalte Ansichts­sache oft Produktreihen, für die umfassende Kon­zepte ausgearbeitet werden müssen, die Raum für künftige Erweiterungen bieten. Die Agentur startet immer mit einer ausformulierten Analyse der Auf­gabenstellung und etwaiger Wettbewerber. Konzept­präsentationen können da auch schon mal eine Stun­de lang dauern, aber den Kreativen ist es wichtig, Kund:innen mit in die strategischen Überlegungen zu nehmen, die hinter ihrem Design stecken.

Für die Vegan-Saucery-Produkte entwarf die Agentur Ansichtssache eine übergreifende Packaging-Systematik. Die Prototypen in vielfältigen Varianten sind handgemacht und liebevoll ausgeschnitten

Wenn die Strategie besprochen ist, zeigen die Kre­ ativen unterschiedliche Moodboards für Illustration, Typografie und Anmutung. So können sie gemein­sam mit Kund:innen eine visuelle Richtung festlegen. Je nach Komplexität des Projekts zeigt Ansichtssache dabei – oder bei einem weiteren Präsentationster­min – außerdem zwei bis drei Entwürfe in Form von selbst gebauten Prototypen. Nach einer kurzen Ein­führung, in der gestalterische Elemente erklärt wer­den, kommen die Modelle auf den Tisch, und die Kund:innen haben Zeit, sie in Ruhe in die Hand zu nehmen. Das können elaborierte Papiermodelle für neue Packaging­-Ideen sein oder ganz schlicht aus­gedruckte und zugeschnittene Labels auf bestehen­ den Flaschen und Gläsern.

So erleichtert Ansichtssache den Auftraggeben­ den, sich das finale Produkt vorzustellen. Gleich­zeitig erlaubt der haptische Prototyp den Kreativen, im Detail die Anforderungen an das Design zu ver­deutlichen, Schriftgrößen, Farbkontraste oder das Verhalten verschiedener Papiere greifbar zu machen. Die Präsentation findet dann fast immer vor Ort im Münchner Studio von Ansichtssache statt, da die Kreativen dann die Möglichkeit haben, etwaige Än­derungswünsche oder Kombinationen aus verschie­denen Entwürfen – beispielsweise Farben, Schriften, Illustrationen – digital anzuskizzieren und auszu­drucken. So werden Unklarheiten direkt beseitigt, und Kund:innen und Kreative wissen genau, wo das Projekt hinsteuert.

Für die Vegan-Saucery-Produkte entwarf die Agentur Ansichtssache eine übergreifende Packaging-Systematik. Die Prototypen in vielfältigen Varianten sind handgemacht und liebevoll ausgeschnitten
Für die Vegan-Saucery-Produkte entwarf die Agentur Ansichtssache eine übergreifende Packaging-Systematik. Die Prototypen in vielfältigen Varianten sind handgemacht und liebevoll ausgeschnitten

Für die Vegan-Saucery-Produkte entwarf die Agentur Ansichtssache eine übergreifende Packaging-Systematik. Die Prototypen in vielfältigen Varianten sind handgemacht und liebevoll ausgeschnitten

Die wichtigsten Präsentationstipps für Einsteiger:innen

Bei Präsentationen vor Kund:innen sind alle mal nervös – wie ihr trotzdem einen klaren Kopf behaltet und überzeugend eure Ideen vorstellt, erklären Freelance Designer Wytze Hoogslag und Design Dozent Tim Koenecke.

Dieser Beitrag ist erstmals in PAGE 10.2023 erschienen:

PAGE 10.2023

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