Das macht ein Producer immersiver Medien bei Markenfilm SPACE

»Kein Projekt gleicht dem anderen, und man bringt jedes Mal neue Erfahrungswerte mit ein«, sagt Henry Hilge, Creative Producer bei Markenfilm SPACE. Was man sonst noch über das spannende Berufsbild wissen sollte …



Creative Producer Henry Hilge (links) im Gespräch mit Christopher Schultz, Geschäftsleiter Markenfilm SPACE

Creative Producer für immersive Medien ist kein offizieller Ausbildungsberuf – und die Berufsbezeichnung wirft erst einmal Fragen auf. Das je nach Kunde und Projekt variierende Tätigkeitsfeld umfasst Kreativdisziplinen von Kommunikationsdesign über Motion Design bis hin zu Szenografie und Ausstellungsdesign. Wir sprachen mit Henry Hilge, der zusammen mit Markenfilm SPACE an immersiven Projekten arbeitet, über die wichtigsten Fähigkeiten, die man für den Job braucht.

Welche Art von Projekten macht 
ein Producer für immersive Medien – 
und für wen?
Henry Hilge: Die Auftraggeber sind ebenso vielfältig und verschieden wie die Projekte, die man betreut. Mal arbeitet man für eine Agentur für Kommunikation im Raum an einer Museumsausstellung, mal für eine Werbeagentur, die einen Multimedia-Spezialisten für eine interaktive Installation braucht. Kein Projekt gleicht dem anderen, und man bringt jedes Mal neue Erfahrungswerte mit ein.

Wie gewinnt man die nötigen 
Kenntnisse für ein so breit 
gefächertes Tätigkeitsfeld?
Einen klassischen Ausbildungsweg gibt es nicht. Ich bin gelernter Mediengestalter mit Schwerpunkt Digitale Medien und habe zunächst als Webdesigner gearbeitet. So konnte ich Erfahrungen mit Programmierung und Benutzerführung sammeln. Später habe ich Kommunikationsdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert, wo ich sehr interdisziplinär arbeiten konnte. Das war eine gute Grundlage. Parallel zum Studium habe ich als Motion Designer gejobbt und klassische Visual-Effects-Produktion gemacht. In meiner Abschlussarbeit bezog ich mithilfe von Projection Mapping den Raum mit ein – wobei es den Begriff damals noch gar nicht gab. Ich fand es spannend, den nonlinearen, beweglichen Raum mit der Linearität des Films zu verbinden.

Was hast du nach deinem Diplom gemacht?
Zunächst habe ich Projektionen für Bühnenbilder im Saarländischen Staatstheater gestaltet, wobei ich Erfahrungen in Regie und Dramaturgie sammeln konnte. Das hat mir später bei der Nutzerführung für Kommunikation im Raum sehr geholfen. Danach fing ich bei Atelier Markgraph in Frankfurt als Produktionsleiter für interaktive Exponate an und lernte die Welt der Markeninszenierungen kennen. Besonders spannend fand ich die großen Shows auf den Automessen – mit den Budgets der Autokonzerne hat man wesentlich mehr Möglichkeiten als am Theater. Dann wechselte ich zu Moment Factory in Montreal, wo ich als Multimedia Director Medien im Raum mit Szenografie und Interaktion verknüpfte, wie unter anderem für Broadway-Shows in New York und für diverse Projekte in Asien. Seit Herbst 2017 lebe ich als freier Creative Producer für immersive Medien in Frankfurt am Main und arbeite unter anderem für Markenfilm SPACE.

Wer diesen Job machen will,
muss also viel Reisezeit einplanen und Interesse und Verständnis für andere Kulturen mitbringen

Das klingt, als sei man als Creative Producer viel unterwegs?
Ja. Die Projekte sind nahezu nie an dem Ort, wo du selbst wohnst. Weil man immer einen persönlichen Eindruck von den Räumen braucht, muss man viel reisen – das funktioniert einfach nicht aus der Entfernung. Wer diesen Job machen will, muss also viel Reisezeit einplanen und Interesse und Verständnis für andere Kulturen mitbringen.

Wann kommst du zu einem Projekt dazu, und wie geht es dann weiter?
Als Creative Producer habe ich meist nicht den ersten Kundenkontakt – dieser liegt bei Markenfilm SPACE, die wiederum mich beauftragt. Ich bin dafür verantwortlich, dass die generelle Idee des Kunden Realität wird. Die erste und wichtigste Phase ist die Konzeption. In ihr evaluiere ich, was in dem vorgesehenen Rahmen möglich ist, und entwickle erste Ideen. Dabei arbeite ich meist für mich allein. Sobald das Grundgerüst steht, stelle ich das passende Team für das jeweilige Projekt und für meine Vision zusammen.

Ich achte immer darauf, dass das
Team persönlich und vom Stil her zusammenpasst. Hierfür braucht es einen guten Überblick über Gewerke, Anbieter und Technologien

Welche Disziplinen gehören 
zu so einem Team?
Klassischerweise gibt es drei Kernpositionen: Neben mir als Creative Producer sind das der Technical Director, der für Material und Support zuständig ist, und der klassische Producer, der sich ums Projektmanagement und um das Budget kümmert. Dazu suche ich mir je nach Projekt Motion Designer, Soundspezialisten, Interaction Designer, Filmemacher, Szenografen et cetera. Dabei achte ich immer darauf, dass das Team persönlich und vom Stil her zusammenpasst. Hierfür braucht es einen guten Überblick über Gewerke, Anbieter und Technologien.
Gemeinsam entwickeln wir das Konzept im kreativen Pingpong weiter und bringen uns gegenseitig auf neue Ideen. Wie bei einem Puzzle entsteht so Stück für Stück eine konkrete Vorstellung vom finalen Produkt. In dieser Phase spiele ich als Creative Producer eine Schlüsselrolle, um die Vision zu schärfen, sie bei jedem Teammitglied zu verankern und möglichst konkrete Aufgaben für die Umsetzung zu verteilen. Ich muss dafür sorgen, dass alle am Ball bleiben und möglichst viel Spaß an der Arbeit haben. Das hat sehr viel mit Mentoring und Support zu tun und erfordert ein gutes Gespür dafür, was jemand in einem bestimmten Moment von einem braucht.

Bei Design und Produktion bist du dann weniger involviert?
Genau. Sobald das Konzept steht, setzt jede Disziplin ihren Teil eigenständig um und wir kommen in regelmäßigen Abständen zusammen, um uns abzugleichen. Ich halte mich dabei ganz bewusst zurück und verlasse mich auf die Leute, die ich ja selbst als Lead für das jeweilige Thema ausgewählt habe, sonst endet man sehr schnell im Mikromanagement. Das tut einem selbst nicht gut und den anderen auch nicht. In der Produktionsphase wird das Team zumeist größer und das Projektmanagement straffer. Dann geht es für mich hauptsächlich um die Steuerung des Prozesses und um die Vorbereitung von Präsentationen.

Bei Markenfilm SPACE machen wir keine Projekte von der Stange. Meist handelt es sich um Arbeiten und Anwendungen, die vor uns noch niemand realisiert hat

Bei der Integration geht es dann 
ans Eingemachte.
Diese Phase ist besonders intensiv, weil man vor Ort alles zusammenbringt und die Idee das erste Mal reale Formen annimmt. Genau jetzt sieht man, ob alles so klappt, wie geplant, oder ob man umdisponieren muss. Da arbeitet man schon mal drei bis sechs Wochen durch, bis alles perfekt ist. Bei Markenfilm SPACE machen wir keine Projekte von der Stange. Meist handelt es sich um Arbeiten und Anwendungen, die vor uns noch niemand realisiert hat. Da zittert man doch ab und zu, ob alles so wird, wie man sich das vorgestellt hat. Wenn am Ende alles passt, ist das ein unglaublich gutes Gefühl.

Bevor eine Installation Wirklichkeit wird, ist sie oft nur schwer 
vorstellbar. Wie visualisierst 
du Ideen für den Kunden?
Ich verwende viel Zeit darauf, in Keynote oder PowerPoint Präsentationen zu gestalten, die unsere Ideen für den Kunden greifbar machen. Storytelling ist hierbei ungemein wichtig. Anfangs hat dieser Teil des Jobs mich abgeschreckt, aber mittlerweile macht es mir großen Spaß, unsere Visionen in Geschichten zu verpacken und damit den Kunden abzuholen und zu begeistern. Hier arbeite ich unter anderem mit digitalen Renderings der Räume und mit Animatics, also gefilmten Storyboards. Dabei muss man aber deutlich kommunizieren, dass es sich um ein Konzept handelt und dass das Ergebnis eventuell anders aussehen kann – etwa wenn sich im Projektverlauf Einschränkungen bei zeitlichen, finanziellen oder technischen Res sourcen ergeben.

Später gibt es zudem noch ausgefeiltere Visualisierungen wie digitale 3D-Modelle des Raums, die man mittels VR-Brillen betreten kann. Auch haptische Mockups sind sehr hilfreich, um etwa einen räumlichen Eindruck von der Größe eines Screens zu bekommen. Das können auch ganz einfache Paper Prototypes sein. Ab einem bestimmten Punkt muss man dann einen Probeaufbau machen, um die Proportionen und die Raumwirkung zu testen. Markenfilm hat hier den entscheidenden Vorteil, dass sie als Produktionsfirma drei große Studios vor den Toren Hamburgs hat, in denen wir uns austoben können.

Welche Tools und Programme 
muss man als Creative Producer beherrschen?
Das ist schwer zu sagen. Ich persönlich bin recht breit aufgestellt, aber das ist keine zwingende Voraussetzung. Sketchen zu können, um Ideen schnell zu Papier zu bringen, ist ein großer Vorteil. Generell ist es hilfreich, die Tools der anderen zu kennen und zu verstehen – sei es Cinema 4D fürs Motion Design, Photoshop fürs Visual Design oder auch mal ein Soundprogramm oder Processing. Grundkenntnisse genügen in der Regel.

Neugier und
Offenheit für viele unterschiedliche Bereiche sind ein absolutes Muss in meinem Job

Woher holst du deine Inspiration?
Überallher! Neugier und Offenheit für viele unterschiedliche Bereiche sind ein absolutes Muss in meinem Job. Ich besuche Ausstellungen, Konferenzen, Theateraufführungen, Kinos, Festivals et cetera – auch Freizeitparks sind super! Kurz: alles, bei dem es um Entertainment und Erlebnisse geht – auch und besonders Interkulturelles. Ich bin wie ein Schwamm, der permanent und in allen Lebenslagen Eindrücke aufsaugt. Zusätzlich braucht es die Fähigkeit zum Transfer: Man muss in der Lage sein, Elemente aus der einen Disziplin auf eine andere zu übertragen – etwa Motive aus dem Tanz auf eine Autoshow. Diese Verknüpfung ist extrem wichtig.

In Sachen Technologie sind Innovations-Labs wie das von Markenfilm SPACE viel wert, weil man in ihnen unabhängig von Kundenaufträgen neue Hard- und Software ausprobieren kann – zum Beispiel neue VR-Brillen oder Gehirnscanner. Das bringt einen auf neue Ideen für zukünftige Projekte, und man bekommt ein Gefühl dafür, wie man neue Technik einsetzen oder auch zweckentfremden kann. Auf diese Weise hechelt man nicht dem neuesten Hype hinterher, sondern wird selbst zum Vorreiter. Dabei sollte man aber immer im Hinterkopf behalten: Technologie darf nie Selbstzweck sein, sondern nur ein Vehikel, um Erlebnisse zu erzeugen!

Technologie darf nie Selbstzweck sein, sondern nur ein Vehikel, um
Erlebnisse zu erzeugen!

Im Moment reden alle von Virtual Reality. Was hältst du davon?
Ich habe das Gefühl, dass die Begeisterung so langsam nachlässt. Letztlich fehlt es VR-Räumen einfach an Echtheit. Gerade den Millennials ist es wichtig, an Erlebnissen teilzuhaben und diese teilen zu können. Das ist mein Ziel: Momen
te zu schaffen, die Menschen überraschen und begeistern, die das Leben bereichern und die man unbedingt mit anderen teilen möchte. Das erreicht man am besten, indem man Illusionen schafft, bei denen die Technik in den Hintergrund rückt. Den Erfolg einer Installation oder einer Veranstaltung berechne ich nicht an der Anzahl der Tweets dazu, sondern an der Warteschlange vorm Eingang.

Welche Tipps hast du noch 
für angehende Producer für 
immersive Medien?
Geht unbedingt ins Ausland! Zum Beispiel hat man in Asien eine völlig andere Herangehensweise an Ausstellungen und Events: Spaß und Erlebnisqualität haben dort eine viel größere Bedeutung als in Deutschland, wo vor allem die Wissensvermittlung im Vordergrund steht. Im Ausland zu arbeiten, erweitert den Horizont enorm – und man kann die gewonnenen Erkenntnisse dann bei Projekten hierzulande einbringen.


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