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Buchprojekt: (Un)Ordnung, bitte!

Humorvoll und auch ein wenig selbstkritisch zeigt die MultiMediaArt Studentin Nicole Köhler auf, wie typografische Fehler innere Unruhe erzeugen können – und wann das sogar die Gestaltung besser macht.

Nachwuchs PAGE 02.2024, FH Salzburg, Booklet »Imprisoned Patterns« von Nicole Köhler
Nicole Köhler sieht im Alltag und in der Typografie ganz genau hin. Ihre Semesterarbeit »Imprisoned Patterns« visualisiert die Wirkung grafischer Feinheiten und erläutert Gestaltungsprinzipien, mit denen sich unser inneres Ordnungsbedürfnis ganz bewusst bedienen oder irritieren lässt

FH Salzburg. Ein nicht ganz rechter Winkel, ein falsch einsortiertes Buch oder die ungerade Zahl am Lautstärkeregler – wenn wir solche kleinen Ungenauigkeiten im Alltag entdecken, lassen sie uns nicht mehr los. Mit bloßem Perfektionismus hat das aber nicht viel zu tun, meint die MultiMediaArt-Studentin Nicole Köhler.

Vielmehr sprechen diese visuel­len Störer ein tief verwurzeltes Bedürfnis nach Ordnung an. So machen unvollständige Muster in den Gehwegfugen Köhler wahnsinnig, faszinieren sie al­lerdings auch und lenken ihre Aufmerksamkeit auf leicht zu übersehende Details in ihrer Umgebung. Im Multimediaprojekt-Kurs von Professorin Viktoria Kir­juchina im zweiten Semester erforschte sie deshalb, wie Kreative diesen Ordnungssinn durch Gestaltung gezielt ansprechen können.

Innerer Perfektionismus und aufregende Typografie

Zu Beginn setzte sich Nicole Köhler mit den psy­chologi­schen Hintergründen dieses Phänomens aus­einander. In ihrer Recherche befragte sie außerdem Freun­d:innen und Bekannte, um ihren Fundus an kurio­sen Angewohnheiten zu erweitern, und testete verschiedene Darstellungsmöglichkeiten.

Schließ­lich entschied sie sich, die Wirkung der Detailgenau­igkeit auf typografische Weise zu visualisieren. Denn schon kleinste Fehler können die Lesbarkeit erheblich beeinträchtigen. Besonders Designstudierende wollte Nicole Köhler für die Bedeutung visueller Feinheiten sensibilisieren und vermitteln, wie man gestalterisch ganz bewusst Harmonie schaffen – oder eben auch Unruhe auslösen kann.

Ein Buch voll falscher Patterns

Dazu entwickelte sie das Booklet »Imprisoned Patterns«, in dem sie die wahrnehmungspsychologischen Grundsätze hinter dem Bedürfnis nach visu­eller Harmonie erklärt und anhand von vereinfach­ten Beispielen visualisiert. Die einzelnen Kapitel sind immer in drei Teile gegliedert: Informative Doppelseiten verdeutlichen mit Texten und Grafiken ein visuelles Prinzip oder einen typografischen Parameter – etwa Abstand, Symmetrie, Durchschuss oder Kerning. Illustrierte Praxisbeispiele und Patterns beschreiben an­schließend die Auswirkung auf den Alltag von Nut­zer:innen.

Zum Schluss gibt es in jedem Kapitel Doppelseiten, auf denen die Lesenden sich selbst testen kön­nen, indem sie zwei Muster betrachten: Eines soll durch die harmonische Gestaltung Ruhe erzeugen, das andere mit bewusst gesetzten Ungenauigkeiten für inneren Aufruhr sorgen.

Nachwuchs PAGE 02.2024, FH Salzburg, Booklet »Imprisoned Patterns« von Nicole Köhler

Nachwuchs PAGE 02.2024, FH Salzburg, Portrait Nicole Köhler

Nicole Köhler hat keinen Zehnjahresplan, weil sie findet, dass man heute in der Designbranche flexibel sein muss. Nach ihrem Bachelorabschluss will sie vielleicht im Ausland bei einer Kreativagentur anfangen und berufsbe­gleitend den Master machen – immer dort, wo sich neue Chancen auftun

 

 

 

 

Produkt: PAGE 07.2020
PAGE 07.2020
Remote: Workshops und Design Sprint ++ Flexibilität visualisieren ++ Know-how für Packaging-Projekte ++ Bildung und Kultur im Netz ++ Beyond Crisis: Kris Krois im Interview ++ Ratgeber: Kreativ-Notebooks ++ Rethink: Agenturen im Umbruch ++ Restart: Neue Chancen für Designer ++ Corona und Designstudium ++ Inspiration: Muster im Design

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