Let’s talk about money! Teil 8: Agenturchef und Papa

Was verdienen Kreative wie Designer, Agenturinhaber oder Illustratoren? Im achten Teil unserer Gehaltsserie erzählt ein Agenturinhaber und Familienvater, 34, aus Baden-Württemberg, warum er in die Selbstständigkeit ging, was er einnimmt und mit welchen Fixkosten er kalkuliert.



Agenturinhaber, 34, aus 
Baden-Württemberg spricht über Honorare und Kosten.
Gehaltsreport: N.N., Agenturinhaber, 34, aus 
Baden-Württemberg über Honorare und Kosten.

Nach Abschluss meiner Mediengestalterausbildung habe ich ein fachgebundenes Studium absolviert. Danach arbeitete ich einige Jahre in der Marketingabteilung eines Versandhändlers als Mediengestalter und stieg nach einiger Zeit zum Art Director auf. Das war vor über zehn Jahren – damals war ich glücklich über ein Monatsgehalt von 2100 brutto. Ich habe noch bei meinen Eltern gewohnt, mein Geld konnte ich also abends beim Feiern verschleudern oder in mein Auto stecken. In meiner Altersklasse gehörte ich damit sogar zu den Besserverdienenden. Dann kam die Wirtschaftskrise, und an eine Gehaltserhöhung war erst mal nicht zu denken.

Selbstständigkeit durch Familienwunsch

Ich habe 2011 noch mal das Unternehmen gewechselt. Im Alter von 25 Jahren verdiente ich 2600 Euro brutto. Für mich war es unvorstellbar, mit so einem Gehalt in die Familienplanung zu gehen. Unter anderem deswegen entschied ich mich nach ein paar Jahren für die Selbstständigkeit. Im ersten Jahr verdiente ich bereits 28 000 Euro, von denen nur noch die Einkommensteuer abging. Im nächsten Jahr lag mein Einkommen dann schon zwischen 55 000 und 60 000 Euro (wieder minus Einkommensteuer von circa 14 Prozent). 2018 hatte ich ungefähr 120 000 Euro zu versteuern – ein Level, das ich in der Zukunft sehr gern halten würde. Mittlerweile habe ich drei Mitarbeiter.

Monatliche Ausgaben als Agenturinhaber

Meine beruflichen monatlichen Ausgaben: Meine Angestellten arbeiten in Teilzeit, sie verdienen jeweils 2500 Euro brutto. Die Büromiete kostet mich 450 Euro (für 140 Quadratmeter), was hier in der Gegend ein üblicher Preis ist. Hinzu kommen etwa 500 Euro für Adobe-Lizenzen, Getränke, Literatur und Abos. Außerdem Stromkosten von 78 Euro. Mit meinem Steuerberater bin ich gut befreundet, sodass ich ihn meist nicht bezahlen muss. Ich bin freiwillig gesetzlich versichert und zahle monatlich etwa 800 Euro. Außerdem habe ich eine Lebensversicherung, die mich 18 Euro im Monat kostet.

»Im Alter von 25 Jahren verdiente ich 2600 Euro 
brutto. Für mich war 
es unvorstellbar, mit 
so einem Gehalt in 
die Familienplanung zu gehen«

Meine privaten monatlichen Fixkosten: Ich wohne mit meiner Frau und unserem Kind in einem Haus, das unserer Familie gehört und für das wir nur die Nebenkosten von etwa 550 Euro tragen. Ich zahle mir von den Einnahmen den Betrag aus, den ich ungefähr zum Leben brauche – also um Essen und ab und an neue Klamotten zu kaufen. Meistens sind es zwischen 1800 und 2000 Euro, die ich dann auch komplett ausgebe. Meine Frau ist mit unserem Kind derzeit zuhause, sodass ich die Kosten für Einkäufe und Ähnliches allein trage.

Basisstundensatz: So kalkuliert der Agenturinhaber

Ich arbeite unter der Woche meist von 6 oder 6:30 Uhr bis 17 Uhr. Die letzten zwei Jahre hatte ich kaum Urlaub, außer mal ein paar Tage. Ich würde trotzdem nie wieder zurückwollen in eine Festanstellung – ich liebe das, was ich tue, und wollte, seit ich denken kann, Chef sein. Ich verdiene viel besser als früher und merke die Arbeitszeit weniger als vorher.

Wir sind als Agentur immer gut ausgelastet. Ich kalkuliere Projekte anhand eines Stunden- oder Tagessatzes plus Gewinnmarge und nenne den Auftraggebern einen Festpreis. Als Basisstundensatz nutze ich für die interne Kalkulation 95 Euro. Unsere Preise bekommen wir in den meisten Fällen gut durchgesetzt – ich würde sagen, zu 80 Prozent. Die 20 Prozent, die uns zu teuer finden, schicken wir weiter. Mir ist wichtig, dass unsere Arbeit fair bezahlt wird! Ansonsten bin ich der Meinung, dass man immer wissen sollte, wie viel man auf dem Konto hat und über welchen Betrag man davon frei verfügen kann. Wer das nicht weiß, ist kein guter Unternehmer – das habe ich schon früh von meinen Eltern gelernt und bis heute beibehalten.

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