PAGE Special: Die Cannes Lions 2011// Tag 10

Auf PAGE Online teilt Jens Schmidt täglich Erfahrungen, Trends und Anekdoten vom Kreativfestival in Cannes. Tag 10: Goldgewinner und deutsche Arbeiten.



Bild Cannes Lions Special 2011


Auf PAGE Online teilt Jens Schmidt täglich Erfahrungen, Trends und Anekdoten vom Kreativfestival in Cannes. Tag 10: Goldgewinner und deutsche Arbeiten.

Die Grand Prix Arbeiten sind für die Außenkommunikation die relevantesten Arbeiten und stehen jedes Jahr am meisten im Fokus. Natürlich sind es auch die Arbeiten, die von fast allen Juroren am besten gefunden werden. Oft fragt sich die Jury aber auch, welche Grand Prix Arbeit die beste Signalwirkung für die Industrie hat. Für uns als Jury ist die Diskussion: Was wollen wir als beispielhaft kommunizieren und wozu wollen wir Kreative und Kunden anregen? Es sind aber neben dem Grand Prix unter den Goldgewinnern noch viele weitere großartige Arbeiten auf die ich jetzt den Fokus lenken und bei denen ich die Kommentare der Jury festhalten möchte.

Bild Uniqlo

Zum Beispiel die Arbeit »Lucky Line« für die japanische Modemarke Uniqlo, die schon in der Vergangenheit mit der Arbeit »Uniqclock« von http://www.projector.jp/ in Cannes 2008 punkten konnten. »Lucky Line« entstand unter der Leitung von Creative Director Yasuharu Sasaki von Dentsu. Die reale Warteschlange wurde so als kurzweiliger Event in die digitale Welt verlängert. Der Benutzer konnte mit seiner Platznummer in der Schlange seine Gewinnchance ertwittern. Jeder 26. User in der virtuellen Warteschlange konnte ¥1000 als Coupon gewinnen. 2,2 Millionen Menschen warteten in der digitalen Schlange. Die Aktion nutzte Twitter als ein innovatives Marketingtool und hat auf dem Gipfel des Erfolges einen Tagesverkaufsrekord von mehr als von ¥10 Millionen erbracht. Das Thema #uniqloluckyline schaffte es in die Topthemenliste bei Twitter. Das Prinzip, wie die Luckyline funktioniert, ist in Penn Olsons Blog beschrieben.

Die Jury zeichnete die konzeptionellen Idee und die innovativen Nutzung von Social Media mit Gold aus. Ausschlaggebend war natürlich auch das wunderbar illustrierte Pixel Artwork von Eboy aus Berlin.

Ein weiteres Projekt, das die Jury mit Gold auszeichnete, war ein weniger fröhliches Thema: die Straßensicherheit. Der in der Kategorie Viral Video ausgezeichnete Film ‪»Insoutenable – sécurité routière«‬ zeigt mit einem packenden Realismus, welche Folgen unbedachter Alkoholkonsum im Straßenverkehr haben kann. Auftraggeber war DSCR Road Safety und die Realisierung übernahm Lowe Strateus, Paris.

Ein Viralfilm, der auf Youtube 2.618.116 mal angesehen wurde – was auch mit in die Juryentscheidung eingeflossen ist. Wir waren von der Art, wie die Geschichte inszeniert war, eingenommen und betroffen. Man kann nur hoffen, dass es etwas in den Köpfen bewirkt. Immerhin gibt es zu dem Film auf Youtube  aktuell 2064 Kommentare.

Ein Juryliebling war definitiv die im Bereich Websites & Microsites ausgezeichnete Arbeit »Lullabies«
für IKEA von Forsman & Bodenfors aus Schweden. Die poetische Reise zum Thema Matratze dessen schön gestaltete Html 5 Seite ich leider nirgendwo mehr finden konnte. Jede Episode hat ihre eigens dafür komponierte Musik ganz unterschiedlicher Tonalität.

Der deutsche Top-Gewinner im digitalen Bereich war die »Wall of Fame«. Die Seite war von den deutschen Arbeiten auch mein Favorit. Die brilliant von Kemper und Trautmann und demodern realisierte multiuser Zeichenerfahrung erlaubt acht Zeichnern an einer virtuellen Riesenwand mit unterschiedlichen Eddingmarkern simultan zu zeichen.

Ich musste nicht viel dazu sagen. Die Jury war sich bei dieser Arbeit sehr einig – zumal auch der Casefilm sehr gut gemacht ist.

Dass der Grand Prix Gewinner »Save as WWF« von Jung von Matt in der Kategorie Viral Marketing nur Bronze gewonnen hat, liegt daran, dass vielen Mitgliedern die Idee sehr gefiel, aber die Frage nach der Relevanz dieses Softwaretools im Raum stand. Niemand hatte je ein Dokument mit dieser Endung bekommen. Der Zeifel, ob sich das Format durchsetzt, bleibt, auch wenn es auf http://www.saveaswwf.com/de/ 13.703 Personen auf Facebook gibt, denen das Konzept gefällt. Eine sehr intelligente Idee, da sind sich alle einig. Ob die Idee abhebt wie es bei Pay with a tweet der Fall ist, wird sich zeigen. Save as WWF ist ein tool, das die selbstauferlegte Beschneidung der digitalen Möglichkeiten im Kern trägt. Pay with tweet belohnt den sozialen Kommunikator mit ebooks oder Liedern und hat den essentiellen Kern des Internets verstanden.

Die Juryarbeit war eine der spannendsten, die ich je erlebt habe. Cannes zeigt sich in den folgenden Tagen von seiner besten Seite. Ich kann endlich mal die Zeit nutzen, intensiv Freunde und Bekannte zu treffen und Cannes’ Zauber in Ruhe auf mich wirken zu lassen.


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