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Feministische Typo

Wieviel Feminismus und Typografie miteinander zu tun haben können zeigten 17 Stu­dent:innen der Bauhaus-Universität Weimar in ihren Semesterarbeiten.

Bauhaus-Universität Weimar. Wie können Schrift­gestaltung und Typografie feministische Anliegen und Konzepte transportieren? Diese Frage stellte Professorin Stefanie Schwarz ihren 17 Stu­dent:innen im Studiengang Visuelle Kommunika­tion. Anfängliche Zweifel, ob Feminismus nicht bereits zu oft thematisiert wurde, verflogen schnell. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse an der HGB Leipzig – Professor Ludovic Balland wur­de aufgrund von Me-too-Vorwürfen fristlos entlassen – scheint das Thema aktueller denn je.

Beim Font Pornogrethic sorgen Schleifen und Knoten für Lebendigkeit und Bewegung beim Schreiben

In der Recherchephase beschäftigten sich die Stu­dierenden mit einem breiten Spektrum femi­nistischer Fragestellungen, beispielsweise mit Ge­schlech­terrollen und Körperbildern, mit Selbst­be­stimmung und Empowerment sowie feministischer Porno­grafie, gendergerechter Sprache oder Cyberfeminismus. Basierend darauf entwickelten sie dann Schriftentwürfe und Plakate. Yun Kuo etwa spielte mit den Gefühlen Unbehaglichkeit und Provoka­tion. Inspiriert von der in den 1970er Jahren entstan­denen radikal-feministischen Gruppe W.I.T.C.H., gestaltete sie die Witchbitch mit umgekehrtem, starkem Strichkontrast. Pornogrethic nannte Emily Grawitter ihre Displayschrift, mit der sie eine Diskussion über feministische, faire und inkludie­ren­de Pornografie anregen möchte. Die Type basiert auf Pornowerbung der 1980er Jahre, der Hochzeit der Sex­industrie.

Die kalligrafisch angehauchten Striche der Witchbitch und ihre strenge Form erzeugen Spannung. Die Type steht für starke Frauen, die für eine Welt mit gleichen Rechten für alle kämpfen

Die 17 angehenden Gestalter:innen nahmen auch typografische Details wie das Gendersternchen und Zeichen mit ähnlichen Funktionen unter die Lupe und entwarfen für sie Alternativen, unter anderem eine Schleife oder einen vergrößerten Asterisk. Abschließend gestaltete jede/r eine Printbroschüre, die das individuelle Thema und den daraus abgeleiteten Font vorstellt. Wir können hier leider nur zwei Entwürfe zeigen, sehenswert sind auch die anderen 15. Deswegen freuen wir uns, dass demnächst eine Publikation mit allen Arbeiten erscheint (siehe auch @bauhaus.type.action). 

Schleife, Asterisk oder Ligatur: Die Studierenden entwickelten auch Alternativen zu Gendersternchen, Doppelpunkt oder Binnen-I

Emily Grawitters (links) Fokus liegt auf Typografie und Buchgestaltung. Dabei setzt sie sich haupt­sächlich mit Themen der Gleichberechtigung auseinander. Nebenbei kreiert sie kleine Zines. Neben Feminismus, starken Frauen oder der Gestaltung von Schriften interessiert sich Yun Kuo für UI und UX Design.

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