Herbstwetter ganz ohne Schirm: »Rain Room« in London

In London ist man an Dauernieseln gewöhnt. Im »Rain Room« der Kreativagentur rAndom international sollen Besucher nun mutig in einen wahren Wolkenbruch treten. Trocken bleiben sie trotzdem.



Die eindrucksvolle interaktive Installation erlaubt den Besuchern, sich ein bisschen zu fühlen wie Moses vor dem Roten Meer. In der Curve-Galerie des Barbican nimmt man zunächst das vertraute Regengeräusch und die erhöhte Luftfeuchtigkeit wahr. Wer die einhundert Quadratmeter große, dramatisch beleuchtete Regenzone im Inneren dann betritt, wird dennoch nicht nass. Vielmehr werden die Wassertropfen verdrängt, als sei man durch eine Art unsichtbare, trockene Blase geschützt. Geht man tiefer in den Raum, schließt sich der Schauer kreisförmig um den Betrachter.

Der scheinbar simple Trick ist das Ergebnis dreijähriger Forschungsarbeit. Der »Rain Room« wird gesteuert durch eine Reihe 3D-Kameras, welche die Ausstellungsfläche vermessen und die Körper des Publikums auf dem Boden lokalisieren. Diese Standortinformation wird sogleich per Feed an die Deckeninstallation verschickt. Hier wurde mit Panels von je 25 mal 25 Zentimetern und je neun Düsen eine Art Pixelmatrix geschaffen, die insgesamt 2.500 Liter Wasser bei einer Rate von etwa 1.000 Litern pro Minute ausgibt. 

Weil die Installation volle fünf Monate lang laufen soll, wird das Wasser außerdem gefiltert, aufbereitet und wiederverwertet. Aber Vorsicht: Wer zu schnell durch den Regen bewegt, bekommt unter Umständen doch den ein oder anderen Tropfen ab. Denn während die Sensoren Bewegungen in Echtzeit auslesen, wird die Reaktionszeit der Installation durch die Schwerkraft beeinflusst, wenn das Wasser von der Decke fällt.

Das ist von den Designern durchaus beabsichtigt. Sie experimentierten bereits mit vorangegangenen Projekten mit sozialen Aspekten wie Gruppendynamik oder Intuition und hoffen, den Besuchern des »Rain Rooms« ein Gefühl der »spielerischen Macht über das Wetter« zu vermitteln. Die Arbeit soll zudem einladen, die Rolle der Wissenschaft, der Technologie und des menschlichen Einfallsreichtums bei der Erhaltung unserer Umwelt zu überdenken, indem sie die Anpassung menschlicher Gewohnheiten probt.

Die 2005 von Stuart Wood, Florian Ortkrass und Hannes Koch gegründete Agentur rAndom international ist bekannt für ihren digital-interaktiven Ansatz, der Kunst, Wissenschaft und Technologie zusammen bringt. Ihre experimentellen Installationen spielen mit der Interaktion mit dem Publikum. Ein Überblick über rAndoms bisheriges Schaffen unter dem Titel »Before the Rain« ist bis zum 21. Dezember in der Carpenters Workshop Galerie in Paris zu sehen. 

»Rain Room« ist noch bis 3. März 2013 in der Curve-Galerie des Barbican Centre in London für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei, jedoch sollte man mit Wartezeiten von z.Z. bis zu zwei Stunden rechnen.


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