Chad Coombs – Expired

20110303 - 20110603

München
Ausstellung
www.candela-project.com

 
In seiner aktuellen Polaroidserie entwirft der kanadische Fotograf Chad Coombs (geb. 1982) Fotocollagen, die die analoge Sofortbildfotografie mit den Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung kombinieren.



In seiner aktuellen Polaroidserie entwirft der kanadische Fotograf Chad Coombs (geb. 1982) Fotocollagen, die die analoge Sofortbildfotografie mit den Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung kombinieren.

Als Grundlage dient Coombs Bildmaterial, das er zum Teil selbst aufnimmt oder im Internet und Magazinen findet. Nach der Collagierung werden die Bilder mit einer Polaroidkamera abfotografiert. Die dann analogen Fotografien bearbeitet der Künstler abschließend mit Griffel oder Pinsel. Die Übermalungen und Kratzungen erscheinen auf den meist dunklen Hintergründen der Polaroids in einer weißen Ornamentik – und erinnern darin an den internationalen Jugendstil um 1900. Coombs Bearbeitungstechnik bezieht sich überdies auf eine weitere Stilentwicklung der Jahrhundertwende: Greifen seine Manipulationen doch die Herangehensweise der damaligen Kunstfotografen auf, die mit mechanischen und chemischen Verfahren Negative und Positive überarbeiteten.

Ohne Titel, 2009, aus der Serie Polaroid, © Chad Coombs

Ihr vorrangiges Ziel war es, graphischen und malerischen Bildern möglichst nahe zu kommen. Bei Coombs führen die Kratzungen und Übermalungen allerdings nicht zu einer gemeinhin als schön empfundenen, piktorialen Gesamtästhetik. Seine Methode akzentuiert stattdessen einzelne neuralgische Gesichtspartien: meist sind es der Mund oder die Augen, die Coombs in seinen Frauen-Polaroids lasziv-erotisch auflädt. Die Manipulationen verfremden die Gesichter und verzerren sie teilweise bis zur Unkenntlichkeit. Coombs überschreibt die Polaroids bisweilen zudem mit umgedichteten Songtexten: das bekannte Lied »Sweet dreams are made of these« setzt sich bei ihm beispielsweise in der markigen Zeile »all yours are full of desease, lies and untruth« fort. Die surrealistische Handschrift dieser Liedverfremdungen ergänzt und unterstreicht in einer Wechselwirkung die Aussage der verzerrten Bildmotive. In einem Spektrum, das von überhöhter Makellosigkeit bis hin zu entstellender Deformierung reicht, kontrastiert der Künstler Chad Coombs die Illusion vollendeter Schönheit mit der verformten Fratze – und löst diesen Gegensatz letztlich in einer verwirrenden, traumhaft anmutenden Ästhetik auf.

(Bild oben: Ohne Titel, 2010, aus der Serie Polaroid, © Chad Coombs)


Schlagworte:




Kommentieren

Einfach mit dem PAGE Account anmelden oder Formular ausfüllen

Name *

Email *

*Pflichtfeld

Ihr Kommentar *