Interview: Neue Kinderzeitschrift ZEIT LEO

Heute erscheint das neue Kindermagazin der ZEIT. Wir sprachen exklusiv mit Chefredakteurin Katrin Hörnlein, Mirja Winkelmann und Malin Schulz über das Editorial Design und Herausforderungen bei der Gestaltung für Kinder.



Bild ZEIT LEO

Heute erscheint das neue Kindermagazin der ZEIT. Wir sprachen exklusiv mit Chefredakteurin Katrin Hörnlein, Mirja Winkelmann und Malin Schulz über das Editorial Design und Herausforderungen bei der Gestaltung für Kinder.

Am 6. September 2011 ist das neue Kindermagazin des ZEIT Verlags erschienen: ZEIT LEO löst das bisherige Kinderheft der ZEIT ab und ist jetzt alle zwei Monate am Kiosk und im Abo erhältlich. Für die Gestaltung wurde Malin Schulz ins Boot geholt, die auch das Magazin ZEIT Campus als Artdirektorin erfolgreich gestaltet und nun Redaktionsleiterin ad Interim ist. Sie beriet ZEIT LEO in der Konzeptphase, bevor Mirja Winkelmann als grafische Leitung das Ruder übernahm.
Wir sprachen mit Chefredakteurin Katrin Hörnlein, Mirja Winkelmann, und Malin Schulz darüber, wie sie das Editorial Design des Hefts entwickelten und was gute Gestaltung für Kinder ausmacht.


PAGE: Hat sich ZEIT LEO aus den anderen Kinderprodukten des ZEIT Verlags entwickelt?

Katrin Hörnlein: Das ZEIT Kinderheft und die Kinderseiten in der ZEIT sind die Keimzelle, wie die vielen anderen Aktivitäten, mit denen wir seit über 25 Jahren Kinder und Jugendliche ansprechen. Die Kinderseiten waren immer dafür gedacht, in der Familie gemeinsam genutzt zu werden – ZEIT LEO richtet sich direkt an Kinder ab 8 Jahren, als ein eigenes Angebot für sie.

Was ist der gestalterische Ansatz von ZEIT LEO?

Malin Schulz: Die Herausforderung lag darin, die Marke ZEIT in eine Zeitschrift zu überführen und unseren inhaltlichen Anspruch auf die Optik kindgerecht zu übertragen. Wir haben dem Heft einen Titel gegeben, der direkt mit der Marke zusammenhängt, die ja einen Löwen im Wappen trägt. Daraus haben wir die illustrierte Figur Leo geschaffen, die durch das Heft wandert und die Inhalte grafisch kommentiert. Auch die Banderole aus dem ZEIT-Logo greifen wir immer wieder in verschiedenen Formen auf, als spielerisches Zitat der Muttermarke.
Beim Logo haben wir uns für eine kraftvolle, schwarze Typo entschieden, die den Schwung einer Handschrift mitbringt. Rund und weich, aber selbstbewusst. Das haben wir mit dem klassischen ZEIT Logo kombiniert – aber wir haben es eingefärbt.

Hörnlein: Das zeigt auch das Selbstbewusstsein der Marke ZEIT und wie zeitlos sie ist.

Schulz: Die Marke traut sich, von ihrem Sockel herunterzukommen, ohne ihren Anspruch zu verlieren.


Was ist das Besondere an ZEIT LEO – im Vergleich zu Konkurrenzprodukten?

Hörnlein: Das wesentliche Merkmal ist: Das ganze Themenspektrum der ZEIT steckt in ZEIT LEO. Dabei haben wir die Ressorts nicht beibehalten, sondern einen neuen Dreiklang entwickelt, der bislang einzigartig auf dem deutschen Markt ist. Er lautet: »Erleben«, »Verstehen«, »Was tun!«. Was uns besonders von der Konkurrenz unterscheidet, ist das »Was tun!« Ressort, in dem es darum geht, die Welt mitzugestalten.

Wie setzen Sie das optisch um? Wie sieht das Gestaltungskonzept dazu aus?

Schulz: Offenbar lautet das Gestaltungsklischee für Kinder: Farbe. Viele Konkurrenzblätter stecken optisch noch in den 90ern, das Layout ist kreischend bunt und überladen. Uns war von Anfang an klar, dass wir es anders machen wollten. Die ZEIT steht für Weißraum, gute Typografie und ausgewählte Bilder. Das haben wir für ZEIT LEO optisch übersetzt.

Mirja Winkelmann: Reduktion war uns sehr wichtig. Die Typo, Crank 8 für die Headline und ZEIT Garamond für den Fließtext, ist jeweils auf einen Schriftschnitt reduziert. Aber wir kritzeln ab und zu handschriftlich rein und kommentieren, um den Ernst zu nehmen.

Schulz: Wir möchten Kinder ja auch zum Lachen bringen.

Winkelmann: Ganz wichtig für die Gestaltung ist auch, dass alle Bilder eigens für das Magazin produziert werden – nur so erreichen wir unsere eigene Bildsprache. Ein bisschen dreckiger, näher dran und lustiger als eingekauftes Material. In ZEIT LEO gibt es keine inszenierten Kinder. Wir wollen das Kind nicht als Konsumobjekt darstellen, wie das beispielsweise in Modeheften oft der Fall ist. Sie sollen aktiv sein, dürfen auch mal dreckig sein und Grimassen schneiden, die eben nicht süß sind. Alle Kinder, die abgebildet sind, haben einen Namen und eine Geschichte, die sie auch erzählen.

Wie integrieren Sie denn Ihre Leser, die Kinder, in das Magazin und dessen Gestaltung?

Hörnlein: Es gibt viele Möglichkeiten, mitzumachen. Unsere Leser können uns Briefe schreiben,  Ideen vorstellen und das Heft mitgestalten. Schon in der Konzeptphase haben wir regelmäßig Gespräche mit Kindergruppen geführt, ihnen die Layout-Entwürfe gezeigt und sie nach ihren Meinungen gefragt.

Was haben Sie dabei für Ihre Arbeit gelernt?

Schulz: Kinder sind die besten Blattmacher. Sie haben ein sehr gutes Gefühl für Qualität. Man sollte Kinder genauso ernst nehmen wie Erwachsene und sollte sie nicht optisch ghettoisieren. Deshalb machen wir auch kein spezielles »Design für Kinder«, sondern einfach gutes, modernes Design, das Spaß macht. Wir haben einfach etwas gemacht, das wir auch selber gerne lesen würden.


Weitere Projekte für junge Leser, Zuschauer und User stellen wir in unserer Serie »Gestaltung für Kinder« vor.


Schlagworte: , , , , ,




Kommentieren

Einfach mit dem PAGE Account anmelden oder Formular ausfüllen

Name *

Email *

*Pflichtfeld

Ihr Kommentar *

 
 

Das könnte Sie auch interessieren