Nachhaltiger Noise: Pictoplasma 2013

Was es an Character braucht, um aus dem »White Noise«, aus der digitalen Bilderflut die uns umgibt, hervorzustechen: Auch am zweiten Tag der Pictoplasma 2013 gab es großartige Beispiele dafür.



 

Der Kinosaal des Berliner Babylon war auch am zweiten Tag der Pictoplasma voll, an dem es erneut um spannende Arbeiten ging, die sich in der permanenten Bilderflut behaupten. Gezeichnet, gemalt, animiert, digitalisiert oder von Hand genäht, sind es unique Positionen – und erneut konnte man sich nicht statt sehen.

Ob an Mama Lucchetti, der eigensinnigen Hausfrau vom Studio Pepper Melon, die im argentinischen Fernsehen für Furore sorgt und dessen Entstehung Fernando Sarmiento mit südamerikanischem Temperament dokumentierte. Wie nach verschiedensten Experimenten ihr eiförmiger Körper entstand, ihr Schlips tragender Ehemann, die Küche, in der sie herumwirbelt – und gleichzeitig zeigte, wie fantastisch es funktioniert mit seltsamen Charakteren ganz menschliche Geschichten zu erzählen. Mit ordentlich Witz natürlich, der jeden Spot zu einem Riesenspaß macht. 

Genauso augenzwinkernd und unique sind die Figuren von Felt Mistress aka Louise Evans, die sie von Hand näht – samt Unterwäsche für die Damen, falls in der Galerie mal jemand ihren Rock lüftet, wie es des öfteren geschieht. Zottelige Tour-Roadies in schicker kleiner Jeansweste, Heavy Metal Stars, Grumpy Old Men mit Hörnern oder melancholische Teenager entstehen so, die sie gemeinsam mit ihrem Partner Jonathan Edwards entwickelt.

Die Kunst des Vortrags an sich hingegen zelebrierte der enthusiastische Salat-Liebhaber Jon Burgerman, der zeigte, wie er Pizza Gesichter verpasst, mit seinem Bruder Videospiele daddelt, welche Häufchen Hunde auf seinen Bodenarbeiten hinterlassen und vielen anderen lustigen Quatsch – und führte dabei ganz nebenbei durch sein gefeiertes und vielfach ausgezeichnetes Werk (mehr hier) das von kunterbunten, prägnanten Charakteren nur so wimmelt, ob auf Bürgersteigen, an Galerie- oder Hauswänden und allen anderen Orten, an denen man sie hinterlassen kann – wie auch auf dem Rednerpult im Babylon, auf das er schnell ein Gesicht malte.

Eine wahre Tour de Force, der Will Sweeney anschließend seine hochkomplexen Illustrationen entgegensetzte. Und war man dann schon etwas erschöpft von der Bilderflut, wurde man von Olimpia Zagnoli und Ted Parker sofort wieder aus jeglicher Ermattung gerissen. 

Die Mailänderin mit Wohnsitz New York zeigte, warum »es einfach fantastisch ist, ein Illustrator zu sein« und wie sie dabei in ihren farbenfrohen Arbeiten die Welt in einer wunderbar reduzierten Formensprache zeigt, während Ted Parker, was keinesfalls sein wirklicher Name ist, aber der seines Protagonisten, einem glatzköpfigen Herren mit obskurem Smileyface, den Parker allabendlich und nach seinem Job als Barista, in großartig pointierten Szenen tanzen, skateboarden, seinen Hund herzen oder nackt baden lässt.  

Hoffentlich bald mehr von den beiden an dieser Stelle. Doch hier erstmal ein Best-of des morgendlichen Screenings bei dem zwei der Regisseure stilecht als Charaktere aus ihrem Film auftauchten (Abb. oben) – und dann einen Blick auf einige Arbeiten der Lecturer.  

Olympic Vermin von Leo Bridle

Poussière von Poussière LeFilm

Thoughtlessness 2012 von mdsd

The Real Bears von Lucas Zanotto

(Notes on) Biology von ornana films


Schlagworte: , , , , , , , ,




Kommentieren

Einfach mit dem PAGE Account anmelden oder Formular ausfüllen

Name *

Email *

*Pflichtfeld

Ihr Kommentar *

 
 

Das könnte Sie auch interessieren