Kreativer Osten: ADC eröffnet neue Sektion Dresden

Neue Mitglieder aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen gründen ADC-Sektion Dresden – wir gratulieren ganz herzlich!



Am 26. September 2019 stimmte der ADC auf seiner Hauptversammlung über eine Satzungsänderung ab. Antrag 8 der Tagesordnung lautete:

Die JHV möge beschließen Ziffer 7.1 wie folgt zu ändern (Änderungen sind rot markiert):

7.1 Der Verein hat sechs sieben Sektionen…

f) die Sektion Berlin in den neuen Bundesländern Mecklenburg Vorpommern, Brandenburg und Berlin

g) die Sektion Dresden in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen.

Was wie eine kleine Änderung aussieht, war ein lang vorbereiteter Schritt des Kreativnetzwerkes, durch den es sich 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung nun zurecht »DAS gesamtdeutsche Netzwerk von exzellenten Kreativen« nennen kann – so wie es die vier Antragsteller als Wunsch in ihrer Begründung formuliert hatten.

Zu ihnen gehört neben Anja Steinig, Andreas Schanzenbach und Heinrich Paravicini die Hamburger Kommunikationsdesignerin Sabine Cole. Sie hatte die Idee dazu bereits vor gut einem Jahr, als Der Spiegel nach rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz »Sachsen« titelte – in Fraktur, die sich mit brauner Farbe füllt. »Jeden Sachsen generell als Nazi zu verdächtigen fand ich nicht nur billig, sondern vor allem wahnsinnig selbstgerecht. Ich fragte mich, wie in den Medien diese eindimensionale Sichtweise zustande kommen kann« so Cole.

Cover DER SPIEGEL 36/2018
Fun fact: Laut Wikipedia erreicht der Schriftzug auf dem Cover nicht die für einen urheberrechtlichen Schutz nötige Schöpfungshöhe. Außerdem zur Erinnerung: die Frakturschrift wurde 1941 als »Schwabacher Judenlettern« von den Nazis verboten und erfreut sich inzwischen großer Beliebtheit bei linken Rappern wie Zugeogen Maskulin oder Caspar.

Eine Antwort fand sie bei genauerem Hinsehen recht schnell: »Sehr viele Leute aus dem Westen kennen den Osten gar nicht. Weder fahren sie in den Osten, noch kennen sie jemanden aus dem Osten. Sie können die Perspektive gar nicht einnehmen. Und das führt zu dieser zynischen Überheblichkeit«, fährt sie fort. Dann schaute sie in ihrem Club: »Kennen wir Kreativen uns eigentlich? Die Antwort lautete: Nein. Die tollen Büros aus Leipzig, aus Dresden, die Illustratoren, Typografen, Digital Start-ups, Filmer, sind alle nicht im ADC.« So ging sie gemeinsam mit Agenturgründer Andreas Schanzenbach aus Dresden solange in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen auf die Suche, bis man genug Kreative gefunden, vorgeschlagen und aufgenommen hatte, um die Sektion Dresden zu gründen.

Sektion Dresden: Für Vernetzung und besseren Austausch

Für den ADC ist die neue Sektion eine sinnvolle Bereicherung, nicht nur dass er unmittelbar wachsen wird, sondern auch auf kreativer Ebene: »Der Austausch zwischen den Sektionen und Fachbereichen wird bereits mit der Gründung zum gelebten Alltag – das bedeutet auch mehr Sichtbarkeit für die Kreativen aus Mitteldeutschland.« so Schanzenbach, der mit Kampagnen seiner Kreativagentur Cromatics auch schon einmal politische Themen anspricht.

Sabine Cole verweist auf das Manifest des ADC: »Ohne Kommunikation würden wir einander nicht erreichen und nicht verstehen.« Sie empfindet die Sektionsgründung als logischen und fast überfälligen Schritt, und Vernetzung mit anderen Kreativen immer als klug. Die Kreativ-Szene in Ostdeutschland beschreibt sie dabei als durchaus anders als die im Westen: »Kleinteiliger, oft weniger kommerziell, teils viel innovativer, jünger, mehr Indie.« Neben dem deutschlandweiten Austausch von Experten-Wissen tun das neue Selbstbewusstsein, Unangepasstheit und regionale Eigenheiten der frischen Mitglieder dem ehrwürdigen ADC Deutschland auf jeden Fall gut.

#ADCSafari in Dresden

Am Samstag nach der Gründung gingen die neuen Mitgleider in Dresden auf die erste #ADCSafari und Andreas Schanzenbach arbeitet mit der Geschäftsstelle bereits an weiteren Seminarformaten: »Wir wollen die vielen Talente des ADC nutzen um neue Formate auf die Beine zu stellen, aus denen im Idealfall gemeinsame Projekte entstehen.« Die ersten Co-Creation Projekte haben Cole und Schanzenbach auch schon am laufen und so ist es hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis das ADC-Festival endlich nach Mitteldeutschland kommt. Und tatsächlich verrät Sabin Cole zum Schluss: »Unser Jury Präsident für 2019, Mirko Borsche, hat gesagt: Eigentlich müsste das ADC Festival in Leipzig stattfinden. Da sind die neuen Kreativen.« Wir werden sehen…bis dahin wünschen wir der neuen Sektion einen guten Start und gutes Gelingen!

Ein ausführliches Interview mit Andreas Schanzenbach a.k.a. Schanzboy zur Sektionsgründung lesen Sie in PAGE 01.2020, die Anfang Dezember erscheint.


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Eine Antwort zu “Kreativer Osten: ADC eröffnet neue Sektion Dresden”

  1. Micha Weiss sagt:

    Horizonte erweitern ist sehr bereichernd!!! Ich freue mich sehr mehr über Design aus Ost Deutschland zu hören!

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