Reportage-Illustration von Olivier Kugler

In der Veranstaltungsreihe »Freitag am Donnerstag« laden das Taschenlabel Freitag und das Magazin »Reportagen« Kreative ein, über ihre Arbeitstechniken zu sprechen. Gestern Abend erläuterte Illustrator Olivier Kugler in Hamburg die grafische Reportage.



Bild Olivier Kugler

Bild: »Shanghaied« ©Olivier Kugler

 

»Freitag am Donnerstag« nennt sich eine Event-Reihe, die das Taschenlabel Freitag zusammen mit dem Magazin »Reportagen« ins Leben rief, um einen Einblick in die journalistische Reportage zu geben. Autoren und andere Kreative beleuchten die Hintergründe ihrer Arbeit und erklären, wie sie Geschichten erzählen und recherchieren.

Gestern Abend war der Illustrator Olivier Kugler zu Gast im Hamburger Freitag-Shop, um über »Zeichnen vor Ort – die grafische Reportage« zu sprechen. Olivier Kugler, der in Suttgart geboren ist und als Illustrator in London arbeitet, hat sich darauf spezialisiert, Menschen und ihren Alltag an den verschiedensten Orten der Welt grafisch zu dokumentieren. Gestern Abend erzählte er davon, wie er in Iran vier Tage lang den Lastwagenfahrer Massih begleitete und anschließend eine 30-seitige Reportage über seine Erlebnisse zeichnete, die in XXI veröffentlicht wurde.

Da Olivier Kugler kein Fārsī spricht, musste er sich mit Massih mithilfe einem Wörterbuch oder Händen und Füßen unterhalten. Dennoch sammelte er viele Informationen über den Iraner und machte während seines gesamten Aufenthalts Tausende von Fotos, die ihm – zurück in seinem Londoner Studio – als Grundlage für seine gezeichnete Reportage dienten. 

Danach gefragt, warum er auf diese Art und Weise Geschichten erzählt, antwortet Olivier Kugler: »Es macht mir Spaß.« Außerdem bieten seine Illustrationen – obwohl die Zeichnungen sehr realistisch und nah an den Fotovorlagen sind – die Möglichkeit, Dinge zu betonen, zu filtern oder sie besonders detailliert darzustellen, durch ergänzende Textelemente, Colorationen oder Detailzeichnungen. Auch gehen die gezeichneten Bilder collagenhaft in einander über, sodass sie nicht zwingend linear gelesen werden müssen, sondern jeweils eine Doppelseite ein Gesamtbild darstellt. »Ich zeichne, was ich sehe«, sagt der Illustrator. Aber er zeigt in seinen Bildern auch, was ihn besonders interessiert. »Da ich gerne alte Lastwagen zeichne, habe ich in dieser Reportage aus Iran viele alte Lastwagen festgehalten, die ich unterwegs gesehen habe.«

Im Sommer erscheint im Verlag Edition Moderne übrigens ein Buch von Olivier Kugler, das eine Reise mit Elefantenschützern in Laos grafisch dokumentiert: »Mit dem Elefantendoktor in Laos«.

Bild Olivier Kugler
Bild Olivier Kugler

Bilder: Ausschnitte aus Olivier Kuglers Reportage aus Iran

 

 

Bild Olivier Kugler

 

Bild: Illustrator Olivier Kugler bei seinem Vortrag im Freitag-Store

Gestern Abend nutzten wir die Gelegenheit, mit Markus Freitag, einem der beiden Freitag-Gründer, über den Hintergrund der Event-Reihe »Freitag am Donnerstag« zu sprechen.

PAGE: Wie kam »Freitag am Donnerstag« zustande?

Markus Freitag: Die Veranstaltung entstand aus unserer »Reference«-Kollektion, die wir ursprünglich als Taschenserie für Reporter entworfen haben. Jede Tasche aus dieser Kollektion ist nach einem Journalisten benannt. Wir wollten zum Launch gerne eine passende Aktion veranstalten und starteten das »Experiment in Print«. Einen Monat lang haben wir in einem Ladenlokal in Zürich jeden Tag unsere eigene Zeitung entwickelt. Wir haben Bilder aus Tageszeitungen ausgeschnitten und zu einer neuen Zeitung zusammengefügt. Gemeinsam mit unserer Community, die unser Experiment über Twitter kommentieren konnte, haben wir täglich mit einer Druckerpresse aus dem Jahr 1860 Zeitungsbögen gedruckt. Ein Fahrradkurier hat unsere Zeitung, »The Daily Reference«, dann allabendlich in Zürich verteilt. Diese Aktion haben wir dann in unserem Ladenlokal mit Vorträgen von Journalisten verknüpft – anfangs in Kooperation mit »Creative Mornings« – und so war unsere Vortragsreihe geboren.

Wie kam das Magazin »Reportagen« mit ins Boot?

Als ich mit Daniel Puntas Bernet in Kontakt kam, war er noch Redakteur bei der NZZ. Wir haben uns oft darüber unterhalten, dass es in den Medien keinen Platz für ausführliche, tiefe Reportagen gibt. Im Jahr 2011 hat er dann das Magazin »Reportagen« lanciert, mit dem Ansatz, aktuelle, aber in gewisser Weise zeitlose Geschichten zu drucken. Daniel Puntas Bernet war der Ansicht, dass sich die Zielgruppen von »Reportagen« und Freitag mit ihrem Anspruch an gute Geschichten, hohe Qualität und Nachhaltigkeit decken – und fragte mich deshalb, ob wir sein Magazin nicht unterstützen wollten.

Jetzt bieten die Freitag-Shops dem Magazin »Reportagen« und seinen Autoren eine Plattform für Veranstaltungen. Immer zum Erscheinen einer neuen Ausgabe des Magazins gibt es ein »Freitag am Donnerstag«-Event. Zudem erhalten unsere Kunden zum Kauf einer Tasche die neue Ausgabe von »Reportagen« dazu.

Wie wählen Sie die Sprecher für Ihre Events aus?

Daniel hat eine lange Liste von Reportern, deren Stil und Art des Geschichten Erzählens er schätzt. Sofern diese Reporter Zeit und Lust haben, sind sie dabei. Heute hatten wir mit Olivier Kugler zum ersten Mal einen Illustrator als Vortragenden.


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