ADC Awards 2015: Die Gewinner

In diesem Jahr kürten die Jurys zwei große Gewinner: »Rechts gegen Rechts« und »Lichtgrenze«. Beim Nachwuchswettbewerb wurde ein wichtiger Preis dagegen nicht vergeben …



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Der unfreiwillige Spendenlauf der Neo-Nazis in Wunsiedel, erdacht und umgesetzt von den Hamburger Agenturen GGH Lowe und Grabarz & Partner für EXIT, wird wohl eine der meist prämierten Kampagnen dieses Kreativjahres werden. Beim ADC holte sie stolze 12 Gold-Nägel und bricht damit sämtliche Rekorde – selbst Horst Schlämmer hatte weniger. Dazu kommt ein Mal Silber und zwei Mal Bronze.

Der Erfolg dieser Kampagne ist vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass ein Weg zu kreativer Exzellenz in Kooperation und Kollaboration besteht. Immerhin ist sie den Köpfen zweier Werbeagenturen entsprungen.

Umso überraschender, dass der Grand Prix an eine andere Arbeit ging: Die »Lichtgrenze« von Whitevoid für die Stadt Berlin anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls wurde in einem Wahlgang und einstimmig mit der höchsten Auszeichnung des ADC geehrt – auch dies ein absolutes Novum. Im Nägel-Ranking der erfolgreichsten Arbeiten kommt sie hinter »Rechts gegen Rechts« auf den zweiten Platz mit fünf Gold, einem Silber und einem Bronze.

Die Arbeit sei »von poetischer Größe, ikonischer Kraft und menschlicher Tiefe«, so ADC-Präsident Stephan Vogel. »Ein großartiges Statement der Marke Deutschland, das international große Beachtung fand.«

LICHTGRENZE from Fall of the Wall 25 on Vimeo.

Es ist der erste Grand Prix, der an eine Arbeit aus der Kategorie Kommunikation im Raum vergeben wird. Daneben lobte die Jury auch den integrativen Charakter der Kampagne: Jeder Luftballon war mit einer Nachricht versehen und jede Stele hatte einen Paten, der zum richtigen Zeitpunkt den Ballon steigen lassen musste. Da kann man schon mal darüber hinweg sehen, dass die Technik an einigen Stellen hakte – wie Heimat-Kreativchef und Berliner Guido Heffels anmerkte.

Insgesamt hohes Niveau

Wie für Jury-Chairmänner üblich, lobte Andreas Grabarz das hohe Niveau des aktuellen Jahrgangs. Besonders hervor hob er, dass

»die digitale Vernetzung nicht nur formal verstanden, sondern auch inhaltlich widergespiegelt wird.«

Insgesamt wurden 37 goldene Nägel vergeben (zur Erinnerung: allein 12 gingen an eine einzige Arbeit), 92 silberne, 156 bronzene sowie 248 Auszeichnungen.

Einen klaren Trend hat die Jury ebenfalls erkannt: gesellschaftliche Relevanz. Sie mache Arbeiten stärker und verleihe ihnen einen tieferen Sinn – was immer mehr Unternehmen und Agenturen verstehen, so Stephan Vogel. So hätten auch viele Kampagnen, die auf den ersten Blick rein kommerziell ausgerichtet sind, eine Relevanz, die über den Produktnutzen hinaus gehe. »Umparken im Kopf« für Opel spreche das Thema Vorurteile und Toleranz an, und »Gothic Girl« greife das Thema Vaterliebe so gekonnt auf, dass das Video international viral ging.

Hier die Top 10 der erfolgreichsten Kampagnen beim diesjährigen ADC Wettbewerb:

1. »Rechts gegen Rechts«, EXIT, GGH Lowe und Grabarz & Partner

2. »Lichtgrenze – 25 Jahre Mauerfall«, Stadt Berlin, Whitevoid

3. »Umparken im Kopf«, Opel, Scholz & Friends

4. »Mehr Zeit für Rock’n’Roll«, Rolling Stone Magazin, Oliver Voss Werbeagentur (klassische und handwerklich großartig umgesetzte Printkampagne)

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5. »Gothic Girl«, Hornbach, Heimat (aktueller Stand: rund 4,3 Mio Views auf YouTube)

6. »Das Tanzende Ampelmännchen«, smart, BBDO Berlin (die Aktion in Lissabon ging medial um die Welt)

7. »Dahinter steckt immer ein kluger Kopf«, FAZ, Scholz & Friends (ein Klassiker mit immer neuen Motiven)

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7. »Kampagne 2014 – PS Welt Blog«, Axel Springer, Oliver Voss Werbeagentur

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9. »Fanhansa Siegerflieger«, Lufthansa, Kolle Rebbe (erreichte mit einem Aufkleber und 3.500 Euro Millionen von Kontakten)

10. »Lingua 365 – Mutabor Kalenderblog«, Mutabor (ein Projekt ohne Auftraggeber)

Wer sich wundert: Jung von Matt hat in diesem Jahr wieder eine Award-Pause eingelegt.

Die Gewinner des Nachwuchswettbewerbs

Die Auszeichnung Student des Jahres geht in diesem Jahr an ein Team: Yvonne Moser, Lilli Scheuerlein und Laura Markert von der HAW Würzburg-Schweinfurt für ihre Semesterarbeit »Fluchtatlas«. Das handwerklich toll umgesetzte Buch beschäftigt sich auf empathische Weise damit, warum Menschen sich auf die Flucht begeben und was Asyl eigentlich bedeutet. Der Arbeit sei die »Liebe zum Machen« deutlich anzumerken, so Guido Heffels, Vorsitzender der Nachwuchs-Jury.

Talent des Jahres ist Michael Ullrich von der Hamburger Technische Kunstschule – Berufsfachschule für Grafikdesign, der mit seiner Abschlussarbeit »Helgoland – Tourismusdestination der Nebensaison« überzeugte. Das Tolle an dieser Arbeit ist laut Heffels vor allem, dass sie nicht im Geringsten zynisch ist.

Sehr streng war die Jury bei den Praxisarbeiten: Sie kürte keinen Junior des Jahres – »gegen die Empfehlung des ADC«, so Heffels. »Die zwei Arbeiten, die für den Titel in Frage gekommen wären, waren mit Gold in ihrer Kategorie schon spendabel gut bedient.

Für einen Hauptpreis fehlte es ihnen an Regelbruch und genereller Überraschung«,

lautet das strenge Urteil Heffels. Die Latte hing allerdings im Vergleich zu den vergangenen Jahren auch sehr hoch, wie er einräumt. ADC Junior des Jahres 2014 war Lucas Schneider von Heimat, der an der vielfach ausgezeichneten Swisscom-Promotion »All eyes on S4« mitgewirkt hatte.

Die Preise wurden im Stage Operettenhaus auf der Reeperbahn verliehen, die anschließende Party stieg wieder in der Fischauktionshalle. Alle eingereichten Arbeiten sind noch bis zum 23. Mai in der großen Ausstellung im Millerntor-Stadion zu sehen. Der Besuch lohnt sich!

Wo das ADC Festival im nächsten Jahr stattfindet, ist noch unklar. Für den Herbst kündigte der ADC bereits ein weiteres Event an: Die Design Experience, die im vergangenen Jahr im Rahmen des Festivals stattfand, wird 2015 auf den 23. und 24. September in Stuttgart ausgelagert.


Mehr zum Thema:

ADC Wettbewerb 2014: Die Gewinner




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