Zwei Neue bei Lazydogs

Gleich zwei neue Schriften erschienen jetzt bei Lazydogs, der Typefoundry von Kai Büschl und Oliver Linke. PAGE-Leser bekommen auf alle Fonts einen Rabatt von 10 Prozent.



Die Serifenlose LD Alena des Schweizer Designers Roland Stieger gibt es in acht Stärken von Thin bis Black plus Italics. Ihr Ausgangspunkt waren Holzschnitte von Jost Hochuli aus dem Jahr 1980. Diese zeigten Versalien, die auf den Proportionen römischer Inschriften aus dem ersten und zweiten Jahrhundert nach Christi basieren. Die Kleinbuchstaben der LD Alena gehen auf eine späte Form der humanistischen Minuskel zurück. Die Schriftfamilie verfügt über zahlreiche OpenType-Features sowie ein Set mit Symbolen und Pfeilen. Außerdem gibt es eine Office Variante in den Schnitten Regular und Bold mit Italics.

Die 16 Schnitte der LD Alena kosten bis zum 1. September 192 statt 240 Euro. Die LD Alena Office 72 statt 90 Euro. Mit dem Gutschein-Code 170788 bekommen PAGE-Leser zusätzlich 10 Prozent auf die gesamte Lazydogs Bibliothek.

 

 

Die klassizistische Antiqua LD Moderne von Kai Büschl verfügt über 12 Schnitte: Display und Subhead vor allem für den Einsatz in Überschriften, Regular, Medium, Bold und Heavy für Fließtexte – alle Fonts haben passende Kursive. Zusätzlich gibt es noch die für große Größen konzipierte Variante LD Moderne Fat in den aufrechten Schnitten Regular, Medium und Bold. Die Pan-Europäisch ausgebaute Schriftfamilie bietet Small Caps, verschiedene Ziffernsätze, Ligaturen und ein Versal-ß. Kai Büschl beschreibt den Entwurfsprozess wie folgt:

Die klassizistischen Schriften beschäftigten mich im Grunde genommen seit ­meinem Studium an der (Fach-) Hochschule Augsburg. In meinen ­letzten Studienjahren habe ich mich ausschließlich mit typografischen Aufgabenstellungen und dem Entwurf von Schrift auseinandergesetzt. So entstand in einem meiner letzten Studienprojekte der Entwurf zu einer klassizistischen Antiqua. Meine spätere Tätigkeiten als Teilhaber der Lazydogs Typefoundry und als Lehrer für Schrift und Typografie veranlassten mich, das damalige Projekt viele Jahre später wieder aufzunehmen.

Bei meinen Recherchen zur Schriftgeschichte stieß ich unter anderem auch auf Quellen, die in meinen Augen den Schluss zulassen, dass der ursprüngliche Verwendungszweck Serifenbetonter Satzschriften über den bloßen werblichen Einsatz zur Zeit der Industrialisierung hinausging. In einigen Büchern und Schriftmustern aus dieser Zeit wird explizit darauf hingewiesen, dass es sich bei serifenbetonten Schriften nicht nur um eine eigenständige Schriftform, sondern ebenso um Auszeichnungsmöglichkeiten zu den weit verbreiteten klassizistischen Antiquaformen handelt. So sprechen der Amerikaner Theodore Low DeVinne und auch Robert Basley (einer der Schöpfer der Clarendon) dieser Schriftform eine weitreichende Einsatzmöglichkeit als Displayschrift, aber eben auch als Auszeichnungsschrift zu den vorhandenen (neo-klassizistischen und klassizistischen) Antiquaformen zu. Die Schriftsetzer der damaligen Zeit gaben ihnen recht, die Clarendon wurde fast über Nacht ein enormer wirtschaftlicher Erfolg.

Während meiner Recherchen zu diesem Thema fiel mir auf, dass es sich bei der Clarendon auf formaler Ebene nicht um eine vollständig neue Entwicklung handeln kann. Vielmehr hat sie eine stärkere Verwandschaft zu den Antiquaformen des Modern Style als man anfänglich vermuten sollte.

Daraus ergab sich mein Plan, dies anhand des von mir entwickelten Schriftenwurfs aus meiner Studienzeit zu überprüfen und dem klassizistischen Schriftentwurf keine herkömmliche fette Auszeichnungsvariante zur Seite zu stellen, die vor allem die fetten Stämme verdickt. Vielmehr habe ich dem vollkommen überarbeiteten Design eine Serifenbetonte vom Typus der »ionischen« Form gegenübergestellt. Eine »Modernisierung« der beiden Schriftformen verbot sich aus meiner Sicht wegen des konzeptionell stark schriftgeschichtlich geprägten Ansatzes. Die ersten Interpolationstests mit den beiden Schriftformen zeigten in den Geradestehenden sofort, dass die Theorie auch in der Praxis bestens funktioniert. Die Zwischenstufen genügen zudem gleichzeitig auch den Anforderungen an optische Größen und erweitern so die Einsatzmöglichkeit der LD Moderne enorm.

Gerade bei klassizistischen Schriftformen, deren Reiz ja vor allem im starken Fett-/Feinkontrast zu finden ist, ist es wichtig, diese ästhetische Qualität in größenabhängigen Designs zu bewahren. So stellt die LD Moderne als Schriftfamilie eine Zusammenstellung aus Displayformen, Textgrößen und Auszeichnungsschnitten dar. Während sich die Schnitte Display und Subhead hauptsächlich im Überschriftenbereich und für Zwischenstufen zu den Lesegrößen eignen, ist der Regular Schnitt der Moderne für Lesegrößen gedacht. Die Medium hat ihren Einsatzbereich in kleineren Schriftgraden, die Bold und Heavy Variante dienen zur Auszeichnung im Text, sie entfalten aber auch in größeren Schriftgraden eine brauchbare flächige Wirkung. Auf diese Weise kann über die unterschiedlichen Größenabstufungen ein homogener Grauwert von Texten erzielt werden ohne die oben beschriebene ästhetische Wirkung der klassizistischen Form ganz aufzugeben.

Komplett wird die Schriftfamilie durch die kursiven Formen der LD Moderne. Sie leiten sich schriftgeschichtlich-folgerichtig in den leichteren Schnitten aus den Formen der englischen Schreibschrift ab, ohne jedoch verbunden zu sein. In den fetteren Varianten weicht diese Formqualität jedoch einer etwas moderneren Form der Kursiven. Bei der Gestaltung der zugehörigen Auszeichnungsschnitte wurde klar, warum es für die ionische Form der serifenbetonten Antiqua keine wirkliche befriedigende Lösung einer Kursive geben kann. Die strikte Umsetzung der englischen Schreibschrift in eine verfettete Variante beraubt diese ihrer vorherrschenden Formqualitäten und erfordert schlichtweg zu viele Kompromisse in ihrer Gestaltung, vor allem in fetten Formvarianten. Dies erklärt die Form der vorliegenden fetten, kursiven Serifenbetonten. Diese Lösung erlaubt es jedoch, die Italic-Schnitte der LD Moderne der gleichen Systematik im Schnittausbau folgen zu lassen, wie sie in den Geradestehenden vorliegt.

Eine Sonderform der klassizistischen Schriften stellen ohne Zweifel die etwas übertriebenen Formen der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts dar. Diese haben Ihre Berechtigung vor allem durch Ihre enorme ästhetische Wirkung im Bereich des Titelsatzes, also in großen Größen. Währen der Interpolationstests zur Textfamilie der LD Moderne entstand so eine kleinere Schriftfamilie mit übertrieben fetten Formen. Die LD Moderne Fat. Sie liegt in drei geradestehenden Schnitten vor, ist vor allem für den zuletzt genannten Einsatzbereich konzipiert und erweitert damit die ästhetischen Möglichkeiten der LD Moderne im Bereich des Akzidenzsatzes.


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