Wie Typedesigner Anthony Burrill die großartigen, aktuellen The Jam Plakate entwarf

In London sorgen die typografischen Plakate, die der Anthony Burrill für eine Ausstellung über die legendäre Band The Jam entwarf, für Furore – und Sammelwut.



The Jam: About the Young Idea

Keiner hat es so wie die Briten raus, Underground und Hochherrschaftlichkeit zu verbinden, Rotzigkeit mit Königlichkeit – und das auf beste Weise. Vivianne Westwood ist dafür in der Mode das beste Beispiel, The Jam in der Musik – und auch die Ausstellung About the Young Idea über die Kultband um Paul Weller selbst, die jetzt im altehrwürdigen Londoner Somerset House gefeiert wird.

Den anarchistischen Geist, den das alles umweht, nahm der Grafikdesigner und Typograf Anthony Burrill in den Plakaten für die Ausstellung auf.

Berühmt für typografische Serien wie Work hard & be nice to people und den Postern Oil & Water. Do not Mix, die zur Ölkatastrophe 2010 im Golf von Mexiko entstanden, gesiebdruckt mit Öl-verseuchtem Sand von den dortigen Stränden, über ziehen seine genialen The Jam Poster jetzt ganz London – und sind bereits zum Sammlerobjekt geworden.

Es ist natürlich klar, dass sich gleich eine Reihe von Gestaltern und rasenden The Jam Fans beim Kuratorenteam des Somerset House meldeten, kaum dass sich die Nachricht der geplanten Schau wie ein Lauffeuer verbreitete.

Anthony Burrill gehörte nicht dazu. Er wurde vielmehr angerufen. Und gefragt, ob er The Jam Fan sein. Doch Paul Weller & Co. waren eher der Lieblinge seiner Schwester, er selbst stand mehr auf Kraftwerk. Als er aber die unglaublichen Materialmengen sah, die Paul Wellers Schwester Nicky, Co-Kuratorin der Schau, zusammengetragen hatte, Flyer, Poster, Gitarren, früher Zeichnungen von Weller, die er in Schulbücher gekritzelt hatte, Notizen, gescribbelte Motorroller und frühe Versionen des späteren, berühmten Jam-Logos, war es um Burrill geschehen.

Er wollte den Auftrag unbedingt – und präsentiert die Band auf neue Weise. Er stellt nicht so sehr ihr Mod-Image in den Mittelpunkt, sondern vielmehr ihre Wurzeln im Punk und ihre unglaubliche Jugend und damit verbundene Energie. Als The Jam sich 1982 nach acht Jahren auflösten, war Paul Weller gerade mal 24 Jahre alt.

Dass Siebdruck und Holzbuchstaben genau das richtige sind, um die Identity mit einer rauen, schlichten und vibrierenden Ästhetik zu versehen, war von Anfang an klar. Perfekt passt sie zu dem zahlreichen, selbstgebasteltem Material der Band aus den 70- und 80ern, das einen sehr analogen Touch hat und von einer rohen Energie umgeben ist, die die Plakate aufnehmen.

Um der Ausstellung ihre ganz eigene Identität zu geben, entschied sich Burrill bewusst dafür, auf das berühmte Jam-Logo zu verzichten. Eine unabhängige, eigene Handschrift soll die Identity durchziehen und gleichzeitig das Wesen von The Jam erfassen.

Deshalb konzentrierte Burrill sich ganz auf Zeilen aus ihren Texten, sortierte die bekannteren heraus und wählte diejenigen aus, die für ihn die meiste Kraft versprühten. »Shake it up. Break it up« gehört ebenso dazu wie »This is the new World!« oder »And what you give is what you get«.

Im Design selbst hingegen legte er den Fokus auf den Kontrast zwischen den groben Holzbuchstaben und den leuchtenden, fluoreszierenden Hintergründen, auf die Boldness der Buchstaben und die Energie, die diese Plakate ausstrahlen.

Es war das erste Mal, dass ich auf diese Art und Weise gearbeitet habe, erst die einzelnen Wörter gedruckt habe, sie dann gescannt und neu zusammengesetzt habe und schließlich an den einzelnen Vorlagen für den Siebdruck gearbeitet habe

sagt Burrill. Und das Ergebnis ist großartig. Wir würden selbst am liebsten sofort nach London fahren, um eines der punkigen Prachtstücke zu ergattern.

 

 

 

 

 

 

 

 




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