Typotipps für Print & Web

Ausstellung

Ab sofort im Handel: PAGE 01.2015



Editorial: Sauerstoff

»Gute Typographie bemerkt man so wenig wie gu­te Luft zum Atmen. Schlechte merkt man erst, wenn es einem stinkt« – mit diesen Worten traf Kurt Weide­mann wie immer den Nagel auf den Kopf: Wie oft wohl haben wir uns schon geweigert, ein typografisch unzulänglich gestaltetes Buch zu lesen. Und das nicht etwa nur, weil wir vom Fach sind. Auch die Typo-Laien unter uns legen ein Werk flugs wieder beiseite, wenn mit dem Satzbild etwas nicht stimmt. Unbewusst, aber zu Recht.

Und bei Sachbüchern passiert uns das noch viel häufiger. Denn leider sehen sich viele Fachautoren gemüßigt, ihren Wurf höchstpersönlich zu designen. Da kann man sich nur wünschen, dass ihnen das Büchlein »Ursache & Wirkung: ein typografischer Roman« von Erik Spiekermann in die Finger gerät. In diesem Fall hat sich nämlich zum Glück der Autor, ein leidenschaftlicher Typograf, auch gestalterisch betätigt (der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Ge­setzt hat es die Layout-Setzerei Stulle auf einer Bert­hold ADS 3000, den Mac gab es damals noch nicht). Ich habe es während meines Studiums geradezu ver­schlungen. Wie unterhaltsam und anschaulich man doch die Grundsätze guter Typografie vermitteln kann – ich zehre noch heute davon.

Als ich meine Diplomarbeit »DESKTOP DES!?N« schrieb und sogleich auf einem Mac gestaltete – es war Ende der 1980er –, nahm ich mir denn auch Eriks typografischen Roman zum Vorbild. Und siehe da, mein Buch wurde verlegt, es ebnete mir den Weg ins Berufsleben. Aber dann, Jahre später, als ein Exemplar davon wieder auf meinem Schreibtisch landete, blieb mir vor Schreck der Atem weg: Es war übersät von blauen Korrekturzeichen. Warum nur war mein Buch nicht schon vor Drucklegung von einem Profi Korrektur gelesen worden. Da tröstete auch kaum der Umstand, dass typo im Englischen Druck- bezie­hungsweise Tippfehler heißt.

Und heute? Heute finden unsere Machwerke noch unmittelbarer den Weg in die Öffentlichkeit. Ein Tas­tendruck genügt und die Website ist online. Aber viel­leicht holen ja auch Sie erst noch einmal tief Luft: die Grundregeln guter Typografie in Print- und Bild­schirmmedien, siehe Seite 16 ff. Und wenn auch Sie sich der Lektüre und Lektorierung meiner Publikation annehmen wollen, nur zu. Sie ist zwar genauso wie Eriks Buch längst vergriffen, aber fünf Exempla­re habe ich noch. E-Mail an info (at) page-online.de genügt (Einsendeschluss ist der 7. Januar 2015. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.) – Auf dass sich all die Satzfehler in Luft auflösen!

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher

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