»Type-Design kann einsam machen« 

Ein Gespräch mit dem Schriftentwerfer Hendrik Weber, dem neuen Type-Direktor bei Monotype.



Monotype verstärkt seine Schriftentwickler-Team in Berlin mit einem international erfahrenen Type-Direktor, der bisher in der Typo-Szene kaum in Erscheinung getreten ist. Hendrik Weber lernte sein Handwerk in Leipzig bei Fred Smeijers, arbeitete als Freelancer für renommierte Brand-Agenturen und setzt sich gerne wissenschaftlich mit der Schriftgestaltung auseinander. Wir haben ihn in Berlin getroffen und nach seiner beruflichen Zukunft befragt.

Weber

Foto: Rene Paritschkow

PAGE: Sie statten seit Jahren internationale Marken mit Exklusivschriften aus: Bentley, ING-DiBa, Canyon oder JINS. Bei OurType erschienen Ihre Großfamilien OTF Lirico und Edward Pro, ein Bestseller … Warum sind wir uns noch nie auf einer Design-Konferenz oder einem Typografen-Treff begegnet?

Hendrik Weber: Vielleicht, weil ich zu viel zu tun habe … (lächelt). Nein … tatsächlich hatte ich das Glück – oder Pech –, gleich nach meinem Studium in Agenturen wie wirDesign oder später KMS-Team an internationalen CI-Projekten mitarbeiten zu dürfen, in denen die Entwicklung passender Hausschriften stets ein essenzielles Thema war. Also entwickelte ich im Laufe der Zeit, in enger Abstimmung mit den Kreativdirektoren der jeweiligen Agentur, gleich mehrere Exklusivschriften, darunter richtig große Familien. Das war sehr zeitintensiv. Sehr gerne hätte ich mich damals mit Berufskollegen über Type-Design-Trends und -Standards ausgetauscht, aber mehr als ein oder zwei Typo-Stammtisch-Besuche waren nicht drin. Hinzu kam, dass ich in dieser Phase eine Distanz zur Type-Community als durchaus hilfreich empfand, weil ich mich ganz unbefangen dem Zusammenspiel von Markendesign und Schrift widmen wollte.

Junge erfolgreiche Schriftentwerfer lernen ihr Handwerk üblicherweise in den Type-Design-Schmieden von Den Haag und Reading. Sie haben in Leipzig studiert. Was zeichnet die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst aus der Sicht eines Schriftliebhabers aus?

»Die Entwicklung von Exklusivschriften ist sehr zeitintensiv. Mehr als ein oder zwei Typo-Stammtisch-Besuche waren da für mich nicht drin.«

Da ist zum einen die Tradition, die sich in den beeindruckenden Werkstätten der Hochschule widerspiegelt. Andererseits die Hochschullehrer, vor allem der weltweit angesehene Typedesigner Fred Smeijers. Er hat nicht nur so populäre Schriften wie Arnhem, Fresco oder die FF Quadraat entworfen, sondern auch vielen Marken durch Logos oder Hausschriften eine Identität gegeben, zum Beispiel Philips, Canon-Europe und TomTom. Bei ihm habe ich unter anderem genau dieses Handwerk gelernt. Was macht die Persönlichkeit einer Marke aus? Wie gebe ich der geschriebenen Kommunikation eine individuelle Stimme? Was braucht eine Exklusivschrift, um hier eine tragende Rolle zu übernehmen? Alles Fragen, bei deren Beantwortung mir Freds Wissen und Erfahrung weitergeholfen haben.

 Dann halten wir fest: Die eine Hälfte ihrer Type-Design-Gene kommen, dank Fred Smeijers, aus den Niederlanden … auf der anderen Seite sehen Ihre Schrift ganz und gar nicht holländisch, sondern eher britisch aus. Wo kommt denn dieser Einfluss her.

Ich war seid längerem ein großer Fan britischer Sans-Serifs in der Tradition von Edward Johnston und Eric Gill. Die Klarheit ihrer Schriften, die auf raffinierte Weise sachliche Neutralität und Persönlichkeit verbinden, fasziniert mich bis heute. Es ist toll, dass diese Klassiker auch im digitalen Zeitalter beliebt sind. Leider entsprach ihr Ausbau jahrzehntelang nicht den modernen Herausforderungen: zu wenige Strichstärken, fehlende Zeichen. Auch deshalb habe ich 2012 die Edward Pro entwickelt, wie der Name verrät, eine Hommage an den englischen Kalligrafen, mit 8 Gewichten, diversen Ziffernarten und vielen Sonderzeichen.

Eric Gill, Edward Johnston … da war doch was in diesem Jahr? Die beliebtesten Schriften dieser beiden Designer wurden gerade von Monotype auf den neuesten Stand gebracht. War das die Einladung für Sie, beim Herausgeber dieser Schriften anzuklopfen und nach einem Job zu fragen?

Klingt plausibel, so war es aber nicht. Ich habe mich schlicht und einfach Anfang des Jahres auf eine Stellenanzeige gemeldet: Type-Director für den Standort Berlin gesucht. Die Anzeige kam genau zum richtigen Moment. Ich lebe jetzt in Berlin und freue mich auf eine neue Herausforderung. Jahrelanges Type-Design kann einsam machen, und deshalb freue ich mich um so mehr auf eine Weiterentwicklung im Team.

Raus aus der Einsamkeit … heißt das, wir sehen sie selbst und ihr Schaffen bald häufiger in der Öffentlichkeit?

Ich gehe fest davon aus. Die Berliner Typo-Szene ist groß und sehr aktiv. Ein Schlaraffenland für mich.




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