OpenType-Features: Schnickschnack oder nützliche Werkzeuge? Teil 3

In der PAGE 11.2015, die ab sofort am Kiosk und im Shop zu haben ist, stellen wir die Schrift Goodlife vor, die über jede Menge OpenType-Features verfügt. Wir fragten die Community, was sie von diesen Features hält.



»Ein breites Angebot von Sprachen oder auch Sonderzeichen ist für mich ebenso wichtig wie OpenType-Features«

Nina Stössinger, Typedesignerin, Den Haag

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Foto: Marina Chaccur

Zumindest für Brotschriften finde ich insbesondere Kapitälchen und «echte» hoch- und tiefgestellte Ziffern wichtig, je nach Design auch Ligaturen und – für deutschen Satz – ein kontextbedingtes kurzes / nicht kollidierendes f. Als Typografin erkunde ich durchaus auch erweiterte OpenType-Features wie etwa Stylistic Sets (sofern diese bewusst eingesetzt sind und nicht den Eindruck erwecken, der oder die Schriftgestalterin habe sich nicht entscheiden können und einfach alle möglichen Varianten dort hineingeworfen). Allerdings habe ich als Schriftgestalterin inzwischen lernen müssen, dass viele Features nicht bewusst aktiviert werden. Das ist teilweise sicher eine Vermittlungsfrage, aber es besteht auch softwareseitig Handlungsbedarf; werden etwa Stylistic Sets als nummerierte Liste im dritten Untermenü angeboten wie in InDesign, ist es natürlich wenig attraktiv, sie zu erkunden.

Grundsätzlich freue ich mich über Fonts mit viel gutem «Inhalt» – allerdings sind für mich Dinge wie ein breites Angebot von Sprachen oder auch Sonderzeichen (Pfeile!) gerade so wichtig wie Features, aber das kommt auch drauf an, mit was für Fonts man arbeitet und wozu; viele Schreibschriften oder auch nichtlateinische Schriftsysteme etwa sind ohne Ligaturen, Alternativbuchstaben und so weiter gar nicht denkbar.

 

 

»Warum finde ich die Ligaturen in Indesign nicht bei den OpenType-Funktionen?«

Georg Herold-Wildfellner, Schriftgestalter und Grafikdesigner, Wien

OTF9

OT-Features erweitern, erleichtern und verbessern jede Art von typografischer Arbeit. Für mich sind sie unverzichtbar, sowohl als Schriftgestalter als auch als Grafikdesigner. Gerne arbeite ich mit Schwungschrift-Alternativen und Positionalformen. Unterschiedliche Zahlenformate sind im Schriftsatz sehr von Vorteil und mein Liebling ist die Null mit Schrägstrich. Die Formatsätze sind leider sehr versteckt, bieten aber die Möglichkeit, viele „kleinere“ Funktionen anzubieten.

Adobe macht einem die Anwendung nicht leicht, die Features sind unübersichtlich, ziemlich versteckt und von Programm zu Programm unterschiedlich strukturiert. Warum finde ich die Ligaturen in Indesign nicht bei den OpenType-Funktionen? Warum ist das Feature Positionalform (gerade bei Skriptfonts eine wunderbare Sache) für Anwender so unverständlich?

Mein Tipp: OT-Features immer über Absatz- und Zeichenformate ansteuern, da ist der Weg etwas kürzer und die Darstellung besser.

 

»Es kann nicht genug OpenType-Features geben«

Ekke Wolf, Typedesigner und Buchgestalter, Wien

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Ich finde, es kann gar nicht genug OpenType-Features geben: Stilvarianten, Finalformen und andere mehr werten die typografische Arbeit potenziell auf. Ob sie genutzt werden, hängt vom jeweiligen Einsatzbereich ab. Wenn es ganz schnell gehen muss, fehlt oft die Zeit, in der Glyphen-Palette nach alternativen Zeichenformen zu suchen.

Für einen vielseitigen, professionellen Mengensatz nutze ich gut ausgestattete OpenType-Schriften und achte dabei in erster Linie darauf, dass Features wie unterschiedliche Ziffernsätze, Fremdsprachen-Support oder Kapitälchen abgedeckt sind.

 

Mehr zum Thema »OpenType-Features« finden Sie in PAGE 11.2015 im PAGE-Shop!




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