Im Gespräch: Die Typonauten

Im Gespräch erzählen Ingo Krepinsky und Stefan Krömer von den Bremer Typonauten nicht nur von der Jubiläumsparty der Agentur



Im Gespräch erzählen Ingo Krepinsky und Stefan Krömer von den Bremer Typonauten nicht nur von der Jubiläumsparty der Agentur

Im Jahr 2000 gründeten Stefan Krömer (links) und Ingo Krepinsky in Bremen die Agentur Die Typonauten. Seitdem sind dort nicht nur viele Corporate Design- und andere Kommunikations-Projekte entstanden, sondern auch eine ganze Reihe Schriften. Das zehnjährige Jubiläum feierten die Bremer am 4. September mit einem rauschenden Fest auf dem Schiff „Treue“. Wir sprachen mit den beiden Firmengründern über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

www.typonauten.de

Euren Agenturnamen interpretiert ihr maritim. Aber denkt man bei Typonauten nicht eigentlich eher an Astronauten?

Ehrlich gesagt verändert sich die Sichtweise bei uns immer mal wieder. Ursprünglich hatten wir eine Illustration des Kosmonauten Gagarin als Visual. Folglich setzten wir in den ersten Jahren eher auf »Unterwegs zu den Sternen im Typo-Universum« als auf »Die Suche nach dem goldenen Vlies« – schon allein um uns von einer anderen, ähnlich klingenden Agentur abzugrenzen. Inzwischen sehen wir das nicht mehr ganz so eng. Bremen als Standort bringt das Maritime natürlich mit sich. Für unseren Jubiläumsauftritt mit dem Typo-Neptun sorgte natürlich auch die Location – ein Schiff namens »Treue« an einem Schlachteanleger in Bremen. Wir hatten bei der Suche nach einer geeigneten Location erst das Universum Science Center (Optik eines gelandeten Ufos) im Fokus, dann wäre wieder die astronautische Interpretation in den Vordergrund gerückt.

Mit wie vielen Leuten seid ihr vor zehn Jahren gestartet und wie viele seid ihr jetzt?

Angefangen haben wir zu zweit. Heute leiten wir beide die Firma, dazu haben wir drei festangestellte Mit

arbeiterinnen. Zusätzlich arbeiten wir mit einem Netzwerk an freien Mitarbeitern zusammen, die projektbezogen hinzukommen. Wichtig war uns immer, nachhaltig zu wachsen und uns nicht zu verheben – ganz in hanseatischer Geschäftstradition.

Was würdet ihr rückblickend gesehen anders machen, was genauso?

Das ist immer schwer zu sagen. Einerseits würden wir vielleicht nicht mehr alles ganz so ernst und wichtig nehmen, andererseits hat uns das ja gerade nach vorne gebracht – jede Chance ergreifen, auch wenn sich einige Entscheidungen im Nachhinein als Fehler erwiesen haben. Dass wir Bremen als Standort gewählt haben war eine absolut richtige Entscheidung, die wir immer wieder machen würden. Die Stadt ist einfach sehr lebenswert, die kurzen Wege, die beschauliche Innenstadt, die unangestrengte Atmosphäre…

Was war in den zehn Jahren euer schlimmstes Erlebnis, welches der großartigste Moment?

Fangen wir mit dem großartigsten Moment an. Nicht nur weil die Eindrücke noch so frisch sind, war unser Jubiläum der großartigste Moment. Wir hatten rund 160 Gäste und anfangs die Befürchtung, dass wir selbst nicht so richtig zum Feiern kommen würden – aber das Gegenteil war der Fall! Es war einfach super, so viel positives Feedback zu bekommen und in den Gesprächen den Grundtenor zu hören, dass unser Qualitätsanspruch, den wir in Details legen, auch wirklich wahrgenommen wird. Der schlimmste Moment waren eigentlich zwei: Dass wir bei einem Pitch für eine große Versicherungsgruppe ausgespielt wurden und dass sich dieser Fall in ähnlicher Form wiederholt hat, obwohl wir uns vorgenommen hatten, vorsichtiger zu sein und weniger Arbeit in Pitches zu investieren. Gut, so etwas passiert halt jeder Agentur mal. Zumal sich der erste Missgriff als Türöffner für ein anderes großes Projekt entpuppt hat.

Was hat sich in zehn Jahren im Kommunikationsdesign und im Bereich Typografie verändert und wie wirkt sich das auf eure Arbeit aus?

Mal abgesehen von den schnelllebigen Trends in der Gestaltung und der Entwicklung der neuen Medien kann man über die letzten 10 Jahre festhalten, dass sich Typografie und Schriftgestaltung von einem Nischendasein zu einem ernst genommenen Gebiet des Kommunikationsdesigns entwickelt haben. Beobachten lässt sich das gut an den Hochschulen. Während Typografiekurse im Jahr 2000 noch eher aus reiner Pflicht belegt wurden, müssen inzwischen zusätzliche Angebote gemacht werden, um die Nachfrage zu bedienen. Die Weiterentwicklung der neuen Medien bedeutet für uns, dass wir uns nicht mehr primär als Print- oder Web-Designer begreifen, sondern einfach als Oberflächen-Designer.

Was bedeutet Typedesign für euch? Nebenbeschäftigung, Spaß oder gar Haupterwerb?

Da wir voll aufs Multi-Lizenz-Geschäft setzen natürlich Haupterwerb. Nein, im Ernst: Da sehr viel Arbeit und Zeit in der Entwicklung von Schriften stecken, was sich betriebswirtschaftlich nicht wirklich rechnet, ist es in erster Linie eine Nebenbeschäftigung. Antrieb dafür ist, dass man die Elemente der Gestaltung quasi selbst erstellt. Das ist auch der Grund, warum wir Themen-Schriftfamilien entwickeln, die dem Benutzer neben einem Zeichensatz in einem bestimmten Stil gleich noch stilistisch passende Symbole oder Illustrationen anbieten. Jede Schrift schafft eine kleine Erlebniswelt, einen Genre-Baukasten, aus dem man sich frei bedienen kann. Es macht Spaß und natürlich auch stolz, wenn man die Schriften im Einsatz sieht und was die Gestalter daraus machen.

Was habt ihr euch für die nächsten zehn Jahre vorgenommen?

Wir wollen im Oktober für einige Tage wegfahren, um uns Gedanken zu machen, wohin die Reise weitergeht. Prinzipiell haben wir ein paar Projekte in der Schublade, die wir leider aus Zeitmangel bisher auf die lange Bank schieben mussten. Das sind natürlich zum einen neue Schriften, aber wir möchten zum anderen auch ganz andere neue Projekte ins Leben rufen – was, wird noch nicht verraten.

Auf dem Schiff »Treue« fand die Jubiläumsfeier der Typonauten statt

Alles stand im Zeichen Neptuns, auch Bier und Musik

Die Fotos der Feier schoss Katrin Kieffer


Viele Gäste hatten Grußkarten mitgebracht, mit denen die Wände des Schiffes verziert wurden

Auf der Website der Typonauten lässt sich ein PDF herunterladen, dass alle Schriften der Bremer Agentur präsentiert


Kaufen kann man die Typonauten-Fonts allesamt über www.myfonts.com




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