Freefont des Monats: Poly

Die »Poly« ist ein Entwurf des argentinischen Gestalters José Nicolás Silva Schwarzenberg und war sein Abschlußprojekt in Typeface Design an der University of Buenos Aires.



Die ursprüngliche Intention war, eine Schrift zur Darstellung agglutinierender Sprachen zu entwickeln. Wikipedia erklärt den agglutinierenden Sprachbau so: In agglutinierenden Sprachen – lat. agglutinare »ankleben«– wird die grammatische Funktion, beispielsweise Person, Zeit, Kasus, durch das Anfügen von Affixen kenntlich gemacht (Agglutination). Der agglutinierende Sprachbau ist in der Sprachtypologie Wilhelm von Humboldts und August Wilhelm Schlegels eine Unterart des synthetischen Sprachbaus. Schwarzenberg wollte speziell für eine in Südamerika verbreitete Sprache (Wayuunaiki) eine Schrift entwickeln und richtete seine besondere Aufmerksamkeit dabei auf die diakritischen Zeichen (also Buchstaben mit Akzenten).

Die »Poly« ist eine Serifenschrift mit einem mittleren Kontrast. Kurze Unter- und Oberlängen und eine große x-Höhe sorgen für eine gute Lesbarkeit auch in kleinen Geraden. Aufgrund der sorgfältigen Balance zwischen x-Höhe und der Buchstabenbreite ist die Poly nach Schwarzenbergs Ansicht besser Lesbar als Standard Webfonts. Die agglutinierenden Sprachen enthalten teilweise sehr lange Wörter, eine Besonderheit, die die Gestaltung der »Poly« Rechnung berücksichtigt.

Als Unicode Schrift unterstützt die »Poly« Open Type Features und Sprachen die das lateinische Alphabet und seine Varianten verwenden. Die gutausgebaute Schrift enthält neben zahlreichen diakritischen Zeichen auch echte Kapitälchen und verschiedene Ziffernvarianten.

»Poly« war ausgewählt für die II. Ibero-amerikanische Design Biennale.

Lizenz
Die Schrift wird unter der SIL Open Font Lizenz 1.1 zum Download angeboten, damit ist die Verwendung für kommerzielle Zwecke, das Einbetten in PDFs, die Anwendung auf Internetseiten und sogar die Modifizierung des Fonts gestattet.


Florian Zietz ist Grafik-Designer, Schriftgestalter und Illustrator. Seit 1997 betreibt er in Hamburg mit seiner Frau Agnes von Beöczy das Grafik-Büro Librito.de. 2012 veröffentlichte er die App »FreeFonts 1.0«, eine magazinartige ܜbersicht kostenlos verfügbarer Schriften.

 

 

Bild: Florian Zietz

 

 


 

 

Hier finden Sie weitere Freefonts.





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