Eisblumen-ABC

Studierende der Akademie Mode & Design in Düsseldorf nutzten die tollsten Dinge aus ihrem analogen Umfeld, um daraus Schriften zu entwickeln.



AMD Düsseldorf

Beim Schriften entwerfen ist es immer eine gute Idee, sich einer Problemstellung zunächst analog zu nähern. Egal ob mit Skizzen oder ganz handfest mit dreidimensionalen Bastelarbeiten. Und so gab Ralf Lobeck, Professor für Visuelle Kommunikation an der AMD Düsseldorf seinen Studierenden im zweiten Semester folgende Aufgabe: »Finden Sie ein Schema, ein System, ein Raster, ein Grundprinzip in Ihrem analogen Umfeld und nutzen es, um damit ein Alphabet zu gestalten. Dabei soll jeder Buchstabe lesbar sein und die Schrift in sich zusammengehörig wirken.«

Die Studierenden zeigten sich überaus kreativ. Iryna Turtaieva etwa ließ sich von Blumen im Frühjahr inspirieren und gestaltete Buchstaben als Eisskulpturen, die die Schönheit von Tulpen festhalten. Ihre Schrift Abloom baut auf dem Schriftklassiker Kabel von Rudolf Koch auf. Jule Dissmann grillt gerne und entschied sich für eine typografische Visualisierung des Barbecue-Trends. Die Buchstaben aus Fleisch, Fisch, Gemüse oder Obst bereitete sie auf einem Holzkohlegrill zu und fotografiert sie auf einer Schieferplatte.

Überhaupt stand das Thema Essen in der Gruppe hoch im Kurs. Leonie Gallach kreierte aus 30 verschiedenen Gemüsesorten, die gerade in einen Topf fallen die Veggie Type. Und Hannah Böttger wollte die klassizistische Didot aus dem Fashionumfeld befreien und siedelte sie in die Patisserie um. Aus Didot wurde Didough und die Buchstaben zu leckeren Naschereien.

Um die Ambivalenz von Wasser als existenziellem Element einerseits und der Macht durch beschränkten Zugang zu Trinkwasser andererseits ging es Arne Jansen. Zu seiner Schrift Worldfont entwickelte er ein Video, im Clip vermitteln die gefrorenen Buchstaben, die an die 1965 von Geoffrey Lee gestaltete Impact angelehnt sind, eine positive Assoziation zu Kristall. Gleichzeitig enthalten sie durch die Invertierung eine tumorartige Struktur.

Lightpainting und Langzeitbelichtung – Diana Krappen schrieb die Buchstaben mit Wunderkerzen in einem Zug. Ihre Armbewegung bestimmte die Form der Linien und der Rundungen. Die sprühenden Funken gaben der Displayschrift Sparkline ihren Namen. Dabei entwickelte sie ein konsequentes, ästhetisches Gestaltungsprinzip. Das dazugehörige Plakat promotete ein fiktives Font-Event, bei dem jeder Besucher seine eigene Form der Sparkline probieren sollte – eine Idee, die die AMD Düsseldorf bei ihrem nächsten Open House umsetzen möchte.

Neben ihrem Studium steht Franziska als Zauberkünstlerin auf der Bühne. Das Scheinwerferlicht ist ihr also vertraut. Ihre Schrift Spotlight Gothic setzt sich dementsprechend konsequent aus Lichtstrahlen zusammen: Let your letters shine!

Schön zu sehen, dass auch die Digital Natives noch analog denken und arbeiten können.

Arne Jansen:

 

Franziska Pütz:

 

Moril Gnoyke:


Dieses Thema stammt aus der PAGE 10.2017, die im PAGE-Shop erhältlich ist.

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