Das Ende von Fountain Type

Nach dem tragischen Tod von Peter Bruhn im letzten Jahr entschied sich seine Witwe Lotta die Foundry nicht weiterzuführen. Grund genug für Felix Braden, seine bei Fountain erschienenen Schriften zu überarbeiten.



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»Sadness und Grimoire sind während meines Studiums entstanden und mittlerweile fast 20 Jahre alt.«, sagt Felix Braden und fragte sich ob diese Schriften heute noch eine Existenzberechtigung haben. »Wenn mich Leute fragen, was mich an Type Design so begeistert, nenne ich immer auch Zeitlosigkeit. Die Garamond-Schriften aus dem 16. Jahrhundert sind heute noch die meist verbreitetsten Buchschriften. Der Gedanke, dass ein Designkonzept über 500 Jahre bestand haben kann, übt auf mich eine unglaubliche Faszination aus. Nicht, dass ich meine Schriften für derart bahnbrechende Entwürfe halte, aber im Type-Design ticken die Uhren eben anders und verglichen mit einem halben Jahrhundert sind die 20 Jährchen von Grimoire und Sadness ja nur ein Wimpernschlag

So entschloss er sich, die beiden in die Jahre gekommenen Fonts nur sehr dezent zu überarbeiten und noch einmal auf den Markt zu bringen. »Ich habe die Hoffnung, dass man damit auch heute noch zeitgemäßes Design machen kann und bin sehr gespannt auf die ersten Anwendungen,« betont Braden.

Sadness basiert auf Experimenten mit der »Blendfonts«- Funktion von Fontographer – mit der sich Zwischengrößen von Schriften errechnen lassen, um den Gestaltungsaufwand bei großen Schriftfamilien zu minimieren. Felix Braden interpolierte völlig unterschiedliche Schriften eines befreundeten Designers, was in der Regel nur funktioniert, wenn die Konturen der Schriften ähnlich aufgebaut sind. An einigen Stellen konnte das Programm neue Outlines errechnen doch die Ergebnisse waren sehr fragmentarisch. Er wählte die charakteristischsten Elemente aus und gestaltete damit eine neue Schrift.

Grimoire lebt von dem Gedanken, zwei stark kontrastierende Konstruktionsprinzipien zu verbinden: Den zeichnerisch-technischen mit dem kalligrafisch-schreiberischen Ansatz. Die Schrift basiert auf einem modularen System, simuliert aber dennoch eine Schreibschrift. Felix Braden sagt über seinen Entwurf: »Die Idee hat mich seitdem so fasziniert, dass ich viele Schriften nach diesem Konzept gestaltet habe, wie zum Beispiel die bei Volcanotype veröffentlichte Bikini. Auch meine jüngste Schrift, die mehrfach ausgezeichnete FF Scuba lebt von diesem Konzept allerdings bin ich mit zunehmenden Alter weniger experimentierfreudig und will weniger exzentrische als vielseitig einsetzbare Schriften gestalten.«

Noch bis zum 19. Mai sind Grimoire und Sadness, bei Myfonts mit einem Einführungsrabatt von 80 Prozent erhältlich.

Vielleicht nehmen andere Typedesigner diese Idee auf und schenken ihren Fountain-Schriften ein zweites Leben. So ließe sich ein Stück des Lebenswerks des viel zu früh gestorbenen Peter Bruhn bewahren.




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