Best-of Grafikdesign und Typografie: Die Gewinner des TDC 2017 – Teil 2

Glitzerndes von Sagmeister & Walsh, letzte Worte Wittgensteins und Streetwear mit Botschaft: Wir zeigen exklusiv die Gewinner des Type Directors Club 2017 aus New York.



Die knapp 400 Gewinnerarbeiten des Type Directors Club 2017 decken ein wirklich breites Spektrum von Arbeiten ab, Diversität ist hier ein Problem.

Besonders auffällig ist die Streetwear des Fashionlabels Just Another Unicorn, das sich auf seiner Website so geheimnisvoll wie exklusiv gibt. Einzelstücke sind die Hoodies tatsächlich, die auf Bestellung per Mail von der in New York lebenden kolumbianischen Kalligrafin Mariana Castellanos beschriftet werden. Von dem schnell hingesprühten Graffiti-Tag verwandeln sie sich zu in sorgsamer Handarbeit angefertigten Kunststücken in Schwarzweiß, Braungold oder Grausilber – und sind dabei mit Botschaften wie »This is better than life« versehen, die sich rhythmisch über die Hoodies ziehen.

Ebenfalls beeindruckend sind die Arbeiten des New Yorker Designteams McCandliss and Campell, spezialisiert auf Art Direction und Typografie. Für das Earnshaw Magazine verbinden sie in der Modestrecke »Model Behavior« High-Fashion mit Art-Deco-Typografie und bringen in »An American in Paris« gleich mehrere Schriften zusammen.

Für »Book Smart« in dem Footwear Plus Magazine  hingegen stellten sie dem jungen Model einem Stapel alter Bücher zur Seite, deren Schnitte sie mit handgeschriebener Typografie überzogen haben und gingen für die Schuh-Strecke »Industrial Revolution« auf den Schrottplatz, um dort gefundene Metallteile zu Buchstaben zu verbinden.

»Sprache ist Teil unseres Organismus und nicht weniger kompliziert als dieser«, heißt es in der Arbeit »Wittgenstein last words« des preisgekrönten Artdirectors Brian La Rossa und seiner Frau, der Papierkünstlerin Allie Rex aus Brooklyn. Und diese letzten Worte fallen – in einem Stück ausgeschnitten – aus einem Rahmen mit Polyesterfolie. Ihre bronze- und rosafarbenen Farben stehen für die Innen- und Außenseite des Menschen, für die Haut und das Fleisch. Es ist die erste Arbeit, die Brian LaRossa und Allie Rex gemeinsam realisieren – und dass, obwohl sie seit 19 Jahren nicht nur verheiratet sind, sondern immer auch nebeneinander an ihren eigenen Projekten arbeiten.

Mit ihrem Plakat »Blood, sweat and trophies«, das natürlich an »Blood, sweat and tears« anspielt, ehrt Adobe die Gewinner des Lion Festivals in Cannes. Gestaltet hat es Joan Ramon Pastor vom kleinen Designstudio Wete in Barcelona und verbindet dabei Tränen mit den Farben der Trophäen in Bronze, Silber, Gold und des Grand Prize und noch mal hellerem Gold.

Gleich mehrere preisgekrönte Arbeiten stammen auch 2017 von Sagmeister & Walsh. Darunter das Branding des Restaurants Otium, das ganz prominent neben dem Board Museum in Downtown L.A. liegt und dessen lateinischer Name soviel wie Muße, Freizeit und Privatleben bedeutet. Ausgerichtet auf die Verschmelzung von Innen und Außen, mit einer offenen Küche und fließenden Übergängen zur Terrasse, bezieht sich auch das Corporate Design darauf. Haben die Druckmaterialien Oberflächen, die an Sand, Marmor, Holz und Vegetation anspielen, erinnern die Buchstaben an Büsche und Pflanzen.

Im Gegensatz dazu funkelt das Plakat, das Sagmeister & Walsh aus kostenloses Handout für das – sehr teure – Modemagazin Visionaire auf der Art Basel verteilen ließen, ganz kühl und exklusiv.

Mehrfach wurde auch der türkische Grafikdesigner Geray Gencer (hier im ausführlichen PAGE Porträt) ausgezeichnet. Allem voran für sein Gestaltungskonzept für den Roman »Die zehn Kinder, die Frau Ming nie hatte« von Eric-Emmanuel Schmitt. Die Titelgebende Chinesin bildet sich ein, zehn Kinder zu haben und so verbindet er auf dem Cover der türkischen Ausgabe Elemente von Kinderzeichnung, die die Verwirrtheit im Blick des fotografierten Porträts einer älteren Frau spielerisch und kunterbunt unterstreichen.

Am folgenden Donnerstag erscheint der dritte Teil der TDC Gewinner.


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