Mac Pro, iPad Air und OS X Mavericks: Experten-Meinung zu den Apple-News

Gabor Wraight, Director Technology bei der Design- und Innovationsagentur Designit, denkt, dass Apple mehr Innovation wagen muss.



 

Auf einem »Special Event« am 22. Oktober präsentierte Apple neue Produkte – unter anderem das iPad Air, das am 1. November in den Handel kommt, das iPad Mini mit Retina-Display, und das Betriebssystem OS X 10.9 mit Namen Mavericks, das ab jetzt kostenlos erhältlich ist. Mit Gabor Wraight, Director Technology bei der Design- und Innovationsagentur Designit, sprachen wir über die Neuerungen.

PAGE: Was halten Sie von den Neuigkeiten, die Apple am 22. Oktober präsentiert hat?

Gabor Wraight: Der Tag war etwas traurig, denke ich. Es gab keine wirklichen Innovationen. Der Mac Pro war nichts Neues, das iPad Mini mit Retina-Display war zu erwarten, ein günstigeres MacBook Pro ist schön und gut. OS X Mavericks ist die einzige richtige Überraschung – toll, dass es das jetzt umsonst gibt. Das iPad Air ist so eine Sache. Einen A7 Chip, den gleichen wie im iPhone 5S, einzusetzen und sich dann zu brüsten, dass das Gerät kleiner wird, sehe ich nicht als großen Schritt. Ich habe in den vergangenen Tagen häufiger im Internet gelesen, dass man einen Teebeutel nicht zu oft aufwärmen sollte – und das macht Apple im Moment. Die Innovation fehlt komplett.

Sie sehen die Innovation wenn überhaupt also auf der Software-Seite?

Ja, auf der Software-Seite auf jeden Fall. Die Hardware-Innovation ist interessant im Hinblick auf den neuen Chip und das 64-Bit-Betriebssystem. Allerdings werden die meisten Endkunden diese Veränderungen nicht verstehen. Sie werden es nicht als Mehrwert und Anlass sehen, ein neues Gerät zu kaufen.

Wie beeinflussen die Neuigkeiten die Arbeit von Designern und Entwicklern?

Sehr. Man hat ja gesehen, dass es, ein paar Tage nachdem iOS 7 herausgekommen ist, eine neue Facebook-App gab, die an das Design von iOS 7 angelehnt war. Das Design vieler Apps geht auch in diese Richtung. Es gibt einen großen Einfluss.

Welche Trends erkennen Sie?

Es geht in Richtung Interfaces ohne Buttons, die textbasiert sind. Microsoft hat ja damit angefangen. Das wird auch aus neuen Apps und Webseiten ersichtlich. Sie basieren auf Scrollen kombiniert mit Rechts-Links-Navigation. Auch die neue Apple-Webseite sieht so aus. Ich finde diesen Designtrend sehr ästhetisch.

Wie denken Sie, hat sich Apple seit Tim Cooks Zeiten entwickelt?

Ein Stück Freiheit ist verloren gegangen. Steve Jobs war es immer sehr wichtig, dass der Nutzer alle Freiheiten hat und seine Entscheidungen selbst treffen kann. Das hat sich geändert. Tim Cook wurde bereits verklagt, weil ein iPhone-Nutzer das Update auf iOS 7 gemacht hat, die Installationsdateien nun nicht löschen kann und dadurch Speicherplatz verliert. Ich finde es falsch, dem Nutzer Dinge zu diktieren. Ich bin ein großer Fan der Open-Source-Bewegung – weshalb ich auch begeistert bin, dass Mavericks jetzt umsonst ist. Jetzt, da sich die meisten iOS-Apps automatisch aktualisieren, ist es für den Nutzer zum Beispiel schwierig, zu alten Versionen zurückzukehren, wenn er das möchte.

Wie schätzen Sie die Rolle von Apple und iOS auf dem Markt ein? Wird Apple trotz allem die wertvollste Marke der Welt bleiben?

Definitiv. Nach der Keynote haben sich Apples Aktien ja auch wieder positiv entwickelt. Die Konkurrenz von Apple ist zurzeit einfach zu schwach, um den Status von Apple grundlegend zu schädigen. Dennoch muss Apple wieder Innovation wagen. Ich bin enttäuscht, dass Apple auf seiner Keynote zum Beispiel keine Smartwatch oder, mehr noch, ein ganz neues Produkt, mit dem niemand gerechnet hat, präsentiert hat. Apple kann das – aber das ist in letzter Zeit etwas eingeschlafen.

 




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