Druckveredelung: Partieller UV-Lack

UV-Lack ist ein verbreitetes Ver­edelungsverfahren. Da er sehr schnell trocknet, wird er häufig vollflächig ein­gesetzt, um Drucksachen direkt weiterzuverarbeiten, ohne dass man erst auf ein Austrocknen der Offsetfarben warten muss. UV-Lack lässt gerade dunkle Farben intensiver wirken.



 

Bei der partiellen UV-Lackierung erzielt die Druckerei haptische und visuelle Effekte durch den Kontrast zwischen lackierten und unlackierten Stellen des Druckbogens. Der Umgang mit UV-Lack ist allerdings recht anspruchsvoll und erfordert eine spezielle Maschinenausstattung und eine gute Ausbildung der Mitarbeiter, zumal mit seinem Einsatz Gesundheitsrisiken verbunden sind. Aus diesem Grund bietet längst nicht jede Druckerei das Verfahren an.

Bezeichnung
Der gebräuchlichste Begriff ist partiel­ler UV-Lack. Sehr gängig ist aber auch die Bezeichnung UV-Spotlack.

Varianten
Neben UV-härtenden Lacken gibt es die klassischen Öldrucklacke. Zudem lassen sich auch mit Dispersions­lack­en ähnliche Effekte erzielen. Für Hochglanzeffekte kommt als Alternative auch die Folienprägung infrage (siehe PAGE 08.12, Seite 92 f.). Die Kombina­tion von UV-Lack und -Farben ermöglicht zusätzliche Effekte.

Stärken
Unter allen Lacken eignen sich UV-Lacke am besten, um Hochglanzeffek­te zu erzeugen. Ein zusätzlicher Vorteil ist der gute Schutz gegen Abrieb und Verunreinigungen. Da das UV-Licht kalt ist, lassen sich UV-Lack­ie­rungen auch im Zusammenspiel mit hitzeemp­findlichen Bedruckstof­fen ein­setzen.

Technik
UV-Lacke sind spezielle Druckfarben, in denen sogenannte Fotoinitiatoren eine Kettenreaktion in dem beigemischten Bindemittel anstoßen, sobald sie in der UV-Trocknereinheit der Druckmaschine mit intensivem UV-Licht bestrahlt werden. Dies führt zum augenblicklichen Aushärten des UV-Lacks. Seine Verarbeitung er­fodert ein besonderes Druckwerk (meist das letz­te der Druckmaschine). UV-Lack lässt sich sowohl im Bogen- und Rollen­­off­set- als auch im Siebdruck verwenden.

Einsetzbare Materialien
UV-Lack ist sehr flexibel verwendbar. Allerdings müssen alle weiteren eingesetzten Druckfarben sprit- und nitroecht sein. Wegen des in vielen UV-Lacken enthaltenen, gesundheits­schäd­lichen Benzophenons sind diese für Lebensmittelverpackungen ungeeignet. Allerdings gibt es inzwischen auch benzophenonfreie UV-Lacke.

Tipps zur Planung
Da der UV-Lack ähnlich wie jede an­dere Schmuckfarbe behandelt wird, ist es wichtig, dem Druckdienstleister mitzuteilen, dass man ihn einsetzen möchte. Beim Einrichten der Druckdatei in InDesign oder XPress legt
man den partiellen UV-Lack zunächst als eigene Volltonfarbe an – egal, was für eine, gut sind aber ungewöhnliche, grelle Farben, sie reduzieren die Verwechslungsgefahr – und vergibt für diese Farbe eine aussagekräftige Bezeichnung. Wichtig ist zudem, dass sie transparent angelegt ist und bei der Druckreihenfolge der Farben an letzter Stelle kommt. Nun kann man das Objekt, das man lackieren möchte, auswählen, sofern es sich um eine Vektorgrafik handelt, ver­doppeln und das Duplikat mit der UV-Lackfarbe füllen.

Grenzwerte
Es sind keine besonderen Grenzwerte zu beachten.

Dienstleister (Auswahl)
• M&E Druckhaus, Belm, www.me-druckhaus.de
• G. Peschke Druckerei, München, www.peschkedruck.de
• Wolf-Print, Ingelheim, www.wolf-ingelheim.de

Preis
Im Vergleich zu anderen Lackierungsverfahren ist UV-Lack relativ teuer. Das liegt an dem aufwendig herzustellenden Lack selbst, aber auch an der nicht ganz ungefährlichen Technologie. Bei einer beliebig ausgewählten Online-Druckerei kosten zum Beispiel 1000 Visitenkarten im Bilderdruck gut 30 Euro und mit UV-Lack 43 Euro.

Abbildung oben: Mit UV-Lack bedruckte Bogen können sofort weiterverarbeitet werden und müssen nicht ersttrocknen. Hier bei Wolf-Print in Ingelheim


Die UV-Trockner-Einheit – hier in einer Maschine von Heidelberg – lässt sich problemlos inline hinter den Druckwerken integrieren

UV-Licht hat den Vorteil, kaum Wärme abzugeben, sodass sich auch temperaturempfindliche Bedruckstoffe problemlos verarbeiten lassen. Diese UV-Trockner-Einheit stammt von Hönle


 Luxus für den Luxus

Partielle UV-Lackierung kann den hochwertigen Look von Publikationen auf vielfältige Weise unterstützen

Kompromisslose Qualität ist der Anspruch des Badezimmerausstatters Alape. Dies müssen auch die Kommu­ni­ka­tions­medien widerspiegeln – insbesondere die Kataloge, die die Designobjekte der Goslarer Manufaktur präsentieren. Seit 2010 ist die Münchner Agentur Martin et Karczinski für den Alape-Auftritt verantwortlich. In den aktuellen Katalogen arbeiten die Designer viel mit Ton-in-Ton-Optiken wie weiß und hellgrau oder dunkelgrau und schwarz. Dies sorgt für eine edle Anmutung, birgt aber die Gefahr, dass die Kontraste untergehen. Johan­nes Kemnitzer, Designer bei Martin et Karczinski, entschied sich daher für UV-Lack. »Der partielle Einsatz von UV-Lack erlaubt uns nicht nur, bei Ton-in-Ton-Farben zu differenzieren, sondern schafft auch eine besondere Haptik und ermöglicht außerdem Kontraste zwischen matt und glänzend.« Ein weiterer Vorteil ist, dass der Lack das Schwarz noch dunkler und kräftiger wirken lässt. Das Cover des schwar­zen Hauptkatalogs zeigt das ganze Angebot von Alape-Badelementen als Schattenrisse mit UV-Lack gedruckt. Auf der Front der in Weiß gehaltenen Auszugskataloge sind nur die je­weils enthalte­nen Produkte auf diese Weise hervorgehoben.

Um eine bessere Wirkung zu erzielen, ließ Johannes Kemnitzer die lackierten Stellen zunächst im normalen Offsetdruck mit einem Standartraster drucken: die weißen Um­schlä­ge mit einem leichten Grau (rund 3 Prozent Schwarzanteil) an den zu veredelnden Stellen; die schwarzen Umschläge mit einem 4c-Schwarz zum Unterlegen des UV-Lacks und Reinschwarz in den anderen Bereichen. Anschließend wurde der Bogen zellophaniert, um die Kanten des Umschlags vor ei­nem Aufbrechen zu schützen und die Oberfläche zu mattieren. Den UV-Lack trug die Drucke­­rei, M&E Druckhaus aus Belm bei Osnabrück, im Siebdruck auf. Kemnitzer reiste zum Andruck extra dorthin, um Bogen für Bogen abzunehmen, und auf Passgenauigkeit und Lackauftrag zu prüfen. Zusätzlich war bei jedem Weiter­ver­arbeitungs­schritt auf Wunsch von Alape hin ein Martin-et-Karczinski-Mitarbeiter vor Ort.

Abbildung oben: Die mit UV-Lack gedruckten Schattenrisse der Produkte auf dem Alape-Hauptkatalog ließ Martin et Karczinski mit reinem Schwarz unterlegen, um sie vom Rest des Covers abzuheben.

 


 

 

Auch im Innern der Publikationen kam UV-Lack zum Einsatz

 

Weitere Möglichkeiten zur Druckveredelung finden Sie in unserem Artikel «Druckveredelung: 5 hochwertige Techniken«




Kommentieren

Einfach mit dem PAGE Account anmelden oder Formular ausfüllen

Name *

Email *

*Pflichtfeld

Ihr Kommentar *

 
 

Das könnte Sie auch interessieren