Druckveredelung: Lasercut

Anfang der 1990er Jahre gelangte die noch junge Lasertechnologie auch in die Druckweiterverarbeitung und bewährte sich vor allem beim Stanzen. Während die Fertigungsbetriebe zuvor ein dünnes, in eine Holzschablone eingelassenes Metallband einsetzen mussten, machte es nun der La­sercut möglich, sehr viel feinere Strukturen auszustanzen. Diese Technik hat Kreativen ganz neue Gestaltungsmöglich­keiten erschlossen.



Bezeichnung
Der verbreitetste Begriff ist Lasercut. Daneben ist allerdings auch Filigran­laser, Laserschnitt oder Laserfeinstan­zen gebräuchlich.

Varianten
Lasercut gibt es sowohl als digitales wie auch als analoges Verfahren (mehr dazu unter dem Stichpunkt »Tech­nik«). Außerdem lässt sich das Schneiden im selben Durchgang mit dem Gravieren verbinden.

Stärken
Lasercut erlaubt es, sehr feine Strukturen aus Papier oder Karton auszuschneiden. Die Ergebnisse ähneln dem Stanzen, sind aber noch einmal deutlich feiner als bei dieser Technik.

Technik
1. Beim analogen oder Permanentlaserverfahren stellt der Fertigungsbetrieb zunächst anhand des Entwurfs, der als PDF-Datei angeliefert wird, eine Schablone her, indem er Löcher in eine dünne Kupferplatte ätzt. Die Schablone wird dann auf dem Papier fixiert und beides unter den Permanentlaser geschoben, der präzise alle nicht bedeckten Flächen ausbrennt. Dabei entstehen Temperaturen von bis zu 1600 Grad.
2. Beim digitalen Verfahren ist das Anfertigen einer Schablone nicht notwendig: Die Vektoren in der Vorlagendatei legen fest, welchen Weg der Laser abfährt, entlang welcher Linien er dabei das Papier schneidet und mit welcher Intensität.

Einsetzbare Materialien
Im Hinblick auf die Materialien zeigt sich Lasercut äußerst flexibel, selbst Leder oder Metallbleche lassen sich verarbeiten. Aber Achtung: Plastikfolien und Laminierungen sowie alles, was sich bei starker Hitze unkontrolliert verformt, sind grundsätzlich ungeeignet für dieses Verfahren.

Tipps zur Planung
Die Eigenschaften des Papiers sind ent­scheidend für den Erfolg eines Lasercuts: An ungeeignetem Material bleiben hässliche Schmauchspuren zu­rück, die unter Umständen entfernt oder überdruckt werden müssen. Zudem kann bei großflächigen Ausschnit­ten die Stabilität der Seite leiden. Es lohnt sich daher, sich schon im Vorfeld beim Dienstleister kundig zu machen, wel­ches Papier sich am besten eignet. Beim Entwerfen des Ausschnitts soll­te man außerdem darauf achten, dass keine langen, losen Papierstreifen ent­stehen, die bei der weiteren Verarbeitung leicht umknicken könnten.

Für Ziffern und Buchstaben, die einen Leerraum aufweisen, zum Beispiel 0 oder A, ist es notwendig, kleine Stege vorzusehen, die den Innenraum mit dem Rest der Seite verbinden. Sie sollten bei leichterem Papier und Karton mindestens 0,3 Millimeter breit sein. Vermeiden sollte der Gestalter, die Bereiche mit dem Laserausschnitt in einem Falz zu positionieren.

Grenzwerte
Je nach eingesetzter Maschine schwan­ken die Maße der Substrate, die sich mit hochwertigem Ergebnis verarbeiten lassen. Druckbogen bis zum Format 50 mal 70 Zentimeter sind möglich. Das Papier sollte zwischen 40 und 1200 Gramm schwer sein.

Dienstleister (Auswahl)
• Druckerei Schroeder, 41469 Neuss, www.filigran-laser.de
• Kremo Laser-Papierfeinstanzungen, 65439 Flörsheim, www.laser-stanzungen.de
• Rausgebrannt, 1060 Wien, Österreich, www.rausgebrannt.at
• Indivisuell Design- und Produktionsagentur, 4410 Liestal, Schweiz, www.filigranlaser.ch

Preis
Abhängig vom Aufwand sind 50 Cent bis 1 Euro pro Visitenkarte zu veranschlagen beziehungsweise 50 bis 100 Euro pro Maschinenstunde.

Beim Lasercutverfahren brennt der Laser Punkt für Punkt in den Werkstoff (ganz oben) und arbeitet dabei mit einer sehr hohen Geschwindigkeit (unten). Mitte: Der Größenvergleich mit der 2-Euro-Münze zeigt, wie fein sich Papier per Lasercut schneiden lässt


 

Beispiel: Klangkarten

Im ersten Teil unserer neuen Serie zur Druckweiterverarbeitung zeigen wir am Beispiel der Visitenkarte für das Künstlerduo Ritornell, welche Möglichkeiten Lasercut bietet

Der Komponist und Sounddesigner Richard Eigner arbeitet unter dem Namen Ritornell mit dem Pianisten Roman Gerold zusammen. Ein wichtiges Element ihrer Live-Performances sind Spieluhren, die die Besucher zu den Konzer­ten mitbringen. Ein ganz besonderer Klang entsteht, wenn alle Anwesenden die Pappstreifen mit den eingestanzten Melodien im Takt durch ihre Spieluhren kurbeln. Genau dies griff die Wiener Designerin Katharina Hölzl auf, als sie für Ritornell Visitenkarten entwerfen sollte. Ihre Idee war, dass diese abspielbar sein sollten.

Seither hat das Duo neunmal perforierte, gefaltete Pappstreifen in der Tasche. In neun der zehn Segmente ist jeweils eine eigens komponierte Sequenz gestanzt. Auf der Vorderseite befindet sich einer der neun Buchstaben des Wortes »Ritornell«, während auf der Rückseite die Kontaktdaten eingraviert sind. Möchte einer der beiden Künstler seine Visitenkarte überreichen, reißt er einen der perforierten Abschnitte ab, spielt ihn in der Spieluhr ab und übergibt ihn dem Interessenten.

Für die Realisierung ihrer Idee wandte sich Katharina Hölzl an Rausgebrannt aus Wien. Bernhard Rameder und Wolfram Kühmayer fertigten die Visitenkarten ausschließlich per Laser, denn sowohl das Stanzen der Löcher für die Spieluhr als auch die Perforation an den Trennstellen und das Gravieren der Texte ließ sich auf diese Weise in einem Durchgang erledigen. Nicht ganz einfach war es, einen geeigneten Karton zu finden. Er musste stark genug sein, um das Abspielen zu überstehen, aber auch eine gewisse Qualität aufweisen. »Verunreinigungen und Rückstände im Papier können zu Verfärbungen und ungenauen Schnitten führen«, sagt Bernhard Rameder. Am Ende entschied man sich für einen Karton von Fedrigoni.

Zum präzisen Schneiden braucht der Laser die Linien als Vektordaten, seine Intensität steuerte Rausgebrannt über verschiedene Farben: Je tiefer der Farbton, desto mehr Ener­gie gibt der Laser an das Papier ab. Bei hoher Energie wird ein Loch ins Papier gebrannt, bei geringer verfärbt sich das Papier nur. Lasercut ist ein aufwendiges Verfahren. Für höchs­te Qualität muss jeder Papierbogen einzeln bearbeitet werden. Zwar lassen sich, wie Bernhard Rameder erklärt, auch, »bis zu zehn Blatt übereinandergelegt schneiden, doch dann ist das oberste verkohlt und das unterste meist nicht richtig geschnitten.« Die Grenze für eine wirtschaftliche Produktion mit Lasercut liegt daher bei etwa 500 bis 1000 Stück, danach ist es meist günstiger, eine oder mehrere Stanzformen anzufertigen – die jedoch weniger filigrane Details erlauben. Für Ritornell war das Verfahren allerdings die beste Lösung, hätte man doch sonst auf eine Kombination aus Stanzen, Prägen und Drucken zurückgreifen müssen.
 


Die Visitenkarte für Ritornell entstand nach dem Entwurf von Katharina Hölzl bei den Wiener Lasergravur-Spezialisten Rausgebrannt. Die allein per Lasertechnik hergestellten Karten lassen sich einzeln abreißen und in der Spieluhr abspielen

Weitere Möglichkeiten zur Druckveredelung finden Sie in unserem Artikel «Druckveredelung: 5 hochwertige Techniken«




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