Druckveredelung: Heißfolienprägung

Folien erweitern das Spektrum der Veredelungsmöglichkeiten ungemein, erlauben sie doch visuelle und hapti­sche Effekte, die sich so mit Druckfarben nicht erreichen lassen oder ungleich aufwendiger herzustellen sind.



Folien erweitern das Spektrum der Veredelungsmöglichkeiten ungemein, erlauben sie doch visuelle und hapti­sche Effekte, die sich so mit Druckfarben nicht erreichen lassen oder ungleich aufwendiger herzustellen sind. Bei der verbreitetsten Variante, der Heißfolienprägung, presst ein erhitz­ter Stempel unter hohem Druck Partikel aus einem Folienband auf den Bedruckstoff. Speziellere Varianten die­ses Verfahrens werden wir in kommenden Folgen vorstellen.

Bezeichnung
Der verbreitetste Begriff ist Heißfolien­prägung. Fast ebenso gängig ist auch die Bezeichnung Prägefoliendruck.

Varianten
Es gibt mindestens 9 technische Verfahren und 13 Folientypen für die Heißfolienprägung sowie eine enorme Anzahl geeigneter Bedruckstoffe. Ähn­liche Effekte lassen sich teilweise mit Kaltfolien oder UV-Lack erzielen. Die technischen Verfahren unterscheiden sich aber grundlegend. Technisch nah verwandt sind hingegen andere Prägeverfahren wie das Blindprägen.

Stärken
Heißfolienprägungen erlauben zum ei­nen optisch eindrucksvolle Veredelun­gen von Oberflächen. Hinzu kommen haptische Effekte durch die Folien, aber auch durch die Prägung des Bedruckstoffs. Manchmal kann Heißfolienprä­gung günstiger sein als etwa UV-Lack.

Technik
Es gibt unterschiedliche Prägeverfahren für die Heißfolienprägung. Meist läuft der Vorgang ab wie folgt:
1. Der Grafiker übermittelt dem Betrieb seinen Entwurf – am besten als (EPS-)Datei. Nach dem Prüfen der Datei fräst der Betrieb zunächst aus Messing den Prägestempel; qualitativ schlech­tere aber billigere Alternativen sind Zink oder Magnesium.
2. Der Operator fixiert den Prägestempel mit Schrauben oder Klebstoff in der Prägemaschine. Danach muss er den Stempel und den Bedruckstoffträger exakt zueinander justieren.
3. Abhängig von der verwendeten Folie und dem Bedruckstoff muss der Betrieb dann Anpressdruck, Temperatur und Haltezeit festlegen.
4. Die Maschine heizt die Platte präzise auf und presst den Prägestempel durch das Folienband auf den Bedruckstoff. Stimmen alle Parameter, geht der aktivierte Kleber der Folie eine feste Verbindung mit dem Bedruckstoff ein.

Einsetzbare Materialien
Für die Heißfolienprägung eignen sich nur hitze- oder druckbeständige Mate­rialien. Karton und Papier lassen sich direkt prägen. Gewebe werden als fertige Buchdecke geprägt.

Tipps zur Planung
Heißfolienprägung baut stark auf den Erfahrungswerten mit Folie, Bedruckstoff, Karton sowie Druck, Temperatur und Dauer auf. Daher lohnt es, sich frühzeitig mit dem Veredelungsbetrieb in Verbindung zu setzen, um zu klären, ob die geplante Kombination sich tatsächlich realisieren lässt oder welche Alternativen es gibt. Grobes Leinen, stark marmorierte oder besonders dünne Papiere und Kartons können problematisch sein. Gute Betriebe haben dafür aber Lösungen parat. Ein weiteres Problem sind Prägungen über Falzkanten oder Buchdeckenränder hinweg oder, bei Buchdecken aus Stoff, Prägungen in jene Bereiche, die nicht mit Karton hinterlegt sind. Für detailreiche Prägungen ist ein Hinterlegen mit stark verdichtetem Untergrund notwendig. Die sicherere Qualität kostet aber auch mehr.

Grenzwerte
Folienprägungen sind bei fast jedem Bogenformat möglich. Sogar Briefmar­ken lassen sich per Heißfolie veredeln.

Dienstleister (Auswahl)
• buks!, Berlin, www.buks.de
• Gräfe Druck & Veredelung, Bielefeld, www.graefe-druck.de
• Quint Druckerei + Verlag, Prons­torf, www.druckerei-quint.de

Allgemeine Informationen
Arbeitskreis Prägefolien Druck e. V., www.look-and-feel.net

Preis
Es fallen einmalige Kosten für die Herstellung des Prägestempels an sowie Stückkosten für die geprägten Objek­te. Abhängig vom Zeitaufwand und den Materialien schwanken die Preise stark.

Abbildung oben: Gefräste Messingstempel sind verschleißarm und erlauben hohen Druck und feine Details beim Prägen

Die Maschine presst den Prägestempel mit hohem Druck auf das Folienband, das dadurch in die Buchdecke gedrückt wird

Die Prägefolie nach dem Prägevorgang

Prägefolien gibt es in verschiedensten Ausführungen. Sie lassen sich allerdings nicht lange lagern


Doppelt einprägsam

Im zweiten Teil unserer Serie zur Druckweiterverarbeitung zeigen wir, wie sich Buchumschläge effektvoll mit Heißfolien veredeln lassen

Wie die Vorzugsausgabe einer Publikation am besten von der Standardedition absetzen? Diese Frage stellte sich der in Berlin lebende Schweizer Künstler Benjamin Füglister, als er für den Verlag Traversion an dem Umschlag für den Roman »Von Verschlungenen verschlungen« des kanadischen Autors Réjean Ducharme arbeitete. Auch wenn die beiden Bände wohl nur selten nebeneinander im Regal stehen wer­den, sollten sie doch eine Einheit bilden – so Füglisters Idee. Die Zeichnungen sind bei der Normalausgabe mit partiel­lem UV-Lack bedruckt. Dieser Effekt sollte bei der Vorzugsausgabe durch die Prägung verstärkt werden. Das Buch erhielt eine Decke aus dem Lederfaserstoff Peyer Cabra natur dunkel. Durch die 1,5 Millimeter dünne Pappe bleibt der Um­schlag leicht flexibel und die ungewöhnliche Prägung über die komplette Buchdecke lässt es wie aus einem Guss erschei­nen.

Für die Umsetzung wandte sich Benjamin Füglister an buks!, einen kleinen Berliner Betrieb, der sich auf Heißfo­lienprägung und Buchdeckenherstellung spezialisiert hat. Die Aufgabe war nicht ganz einfach, da in diesem Fall auch in das Falzgelenk zwischen U1 beziehungsweise U4 und dem Buchrücken geprägt werden musste. Normalerweise ist an dieser Stelle die Buchdecke nicht mit einer Pappe hinterlegt, die notwendig ist zum Prägen. In diesem Fall wurde aber der Bezugsstoff vor der Deckenfertigung geprägt. Diese wiederum war nur möglich, weil sich das Bezugsmaterial Lederfaserstoff ohne großen Druck prägen lässt.

»Um ein optimalse Prägeergebnis zu erzielen, sind die Qua­lität der Pappe und des Bezugsmaterials entscheidend. Je höher verdichtet die Pappe ist, desto mehr Druck lässt sich auf sie ausüben und desto kantenschärfere Motive lassen sich prägen«, erklärt buks!-Chef Ralf Fischer. Bei stark struk­turierten Einbandstoffen oder Papieren ist es in bestimmten Fällen unmöglich, detailreichere Motive oder feine Typografien zu prägen.

Beim »The Design Hotels Book«, das die 200 unabhängi­gen Hotels des gleichnamigen Verbunds opulent präsentiert, hatte sich Anne Prinz, die Artdirektorin des Verbunds, für einen rosa Einband aus dem Leinen Dubletta 3275 trend von Gebrüder Schabert entschieden, der mit einer blauen Folie geprägt werden sollte. Für U1, U4 und den Rücken fräs­te buks! dazu jeweils einen Prägestempel aus besonders hochwertigem, kalt gewalzten Messing, das durch lange Haltbarkeit und hohe Wärmeleitfähigkeit optimal ge­eignet ist. Als Vorlage für die Fräsmaschine diente eine EPS-Datei. Die unbearbeiteten Messingplatten haben eine Höhe von 7 Millimetern, Ralf Fischer fräste bis zu 3 Millimeter tief in das Material. Mit diesem Stempel sind sehr tiefe Prägungen in die Buchdecke möglich. Bei buks! werden die Pap­pen und Buchdecken zum Prägen per Hand angelegt, ande­re Betriebe nutzen automatische Anleger. Wichtig ist, dass sich die Druckfläche präzise auf eine Temperatur erhitzen lässt. Dann gelingen auch komplexe Folienprägungen wie für die beiden vorgestellten Bucheinbände.

Abbildung oben: Drei große Prägestempel waren für Vorder- und Rückseite plus Rückendes »The Design Hotels Book« nötig

 

Feine Prägungen mit zwei unterschiedlichen Folien kamen beim Roman »Von Verschlungenen verschlungen« zum Einsatz

 


Weitere Möglichkeiten zur Druckveredelung finden Sie in unserem Artikel «Druckveredelung: 5 hochwertige Techniken«




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