Das sagen Experten zur Apple Watch und neuem MacBook

Apple zeigte seine Neuheiten, doch was meinen die Experten aus der Branche eigentlich zur Apple Watch und dem neuem MacBook?



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© Apple

 

Wir haben ein paar Statements gesammelt. Hier kommen Entwickler, Designer und Interaction- sowie App Designer zu Wort:

 

Ivo Wessel, Entwickler, iCodeCompany, Berlin
Für mich als iOS-Entwickler waren bei der Präsentation vor allem Strategie und Marketing interessant. „Not with you but on you“, „On your wrist, not in your pocket“, „Part of your life“, „Coach on your wrist“ – eine weitere Ausrichtung hin zum „The most personal device we ever build“-Mantra, zu dem auch freie iOS-Entwickler beitragen können. Mit der Beta des Entwicklungssystems und dem  Watch-Simulator arbeite ich als Entwickler schon seit November, und die technischen Details haben sich nicht wesentlich geändert. Aber mit der seit gestern finalen Version Xcode 6.2 und iOS 8.2 ist der Startschuss für die letzten sechs Wochen bis zum Verkauf gefallen. Die Installation von iOS 8.2 beinhaltet auf dem iPhone die »Apple Watch«-App, die die Konfiguration der ab 24. April erhältlichen Watch und einige Videos enthält sowie vor allem den »speziell für die Apple Watch entwickelten App Store« annonciert. Die Sichtbarkeit vor allem für früh publizierte Watch-Apps ist also garantiert. Für Auftraggeber und Entwickler heißt es jetzt also: Carpe Diem – »The Watch is coming«.

 

Laurent Burdin, Geschäftsführer von SinnerSchrader Mobile
Es beginnt eine neue Ära: die der Widgets. Auf dem Sofa steuere ich den Apple TV, am Flughafen checke ich damit ein, im Laden überprüfe ich meinen Kontostand – und bezahle. Der Bedarf dafür ist da. Bei uns Nutzern und bei den Unternehmen. Seit der Vorstellung vor einem halben Jahr spüren wir eine starke Nachfrage. Widgets sind kein Hype, sondern das Interface der Zukunft: kleine Anwendungen, schnell zugänglich, aufs Minimum reduziert und marketingoptimiert, so dass man sie sehr häufig verwenden wird. Hochspannend für Designer, UX-Experten und Entwickler. Wir in der Mobilbranche müssen vieles neu erfinden.

 

Lasse Lüders, Geschäftsführer Appmotion GmbH, Hamburg
Seit gestern hat der Tag nur noch 18 Stunden – so lange nämlich hält der Akku der Smartwatch. Der Hard- und Softwarehersteller aus Cupertino konnte wieder einmal beweisen, dass er Design besser als jedes andere Unternehmen versteht. Noch nie wurden Metall und Erste Welt Probleme durch Produktvideos so schön in Szene gesetzt. Goldene Zeiten für Apple, nicht nur wegen der Watch-Variante aus Edelmetall. Die Apple Watch spaltet die Technologie- und Lifestyle-Welt. Und das ist auch gut so.
Mein Fazit: 42 mm Gehäuse mit Gliederarmband, 316L Edelstahl, Space Black.

 

Hermann Klöckner – Professor für Interaction Design an der HS Anhalt
Apple Watch induziert eine neue Materialität, ja Körperlichkeit. »Always On» bedeutet ab heute, dass Technik mit Millionen Menschen in permanentem Körperkontakt steht. Auch wenn sich das »Gespür« der Apple Watch bisher auf einige wohlbekannte Sensoren beschränkt: Den Herzschlag eines anderen Menschen über Kontinente hinweg zu spüren, das bewegt einen schon –  gerade weil es eben gar nicht so sensationell neu ist, sondern sehr vertraut. Das, was wir fühlen, steht für mich in engem Zusammenhang mit unseren Gefühlen, und durch das, was wir greifen, können wir vielleicht auch lernen ein bisschen besser zu »begreifen«. Das alles hat enorme Konsequenzen für Gestalter: Tangible Interactions legen Ihr Labordasein schon in den nächsten Monaten ab und avancieren zur wesentlichen Gestaltungsdimension.
Die »Taptic Engine» der Apple Watch kann da nur als ein erster, zaghafter Schritt gewertet werden.

 

Burkhard Müller, Creative Director, deepblue networks AG
Für mich persönlich stand das Apple Event ganz im Zeichen neuer Interaktions- und Eingabemöglichkeiten. Direkt nach Release des ersten WatchKit SDK haben wir bei deepblue begonnen an Watch App für die Migros zu arbeiten (siehe aktuelle Ausgabe der PAGE). Man ist sehr limitiert was die Gestaltung, Animation und Interaktion angeht. Alles ist noch sehr klobig, denn Buttons müssen auf dem kleinen Display dennoch groß genug sein, um sie mit einem Finger zu drücken. Apples eigene Apps geben einen Vorgeschmack was zukünftig möglich sein könnte. Kreisrunde Interfaces die mit der digital Crown kontrolliert werden machen Buttons unnötig und ermöglichen individuelle Interfaces mit feinerer Gestaltung. Das selbe gilt für Force Touch, quasi der Rechtsklick des Touchscreens. Durch ein tieferes eindrücken des Displays erhält man detailliertere Informationen – »deeper information«. Da Apple dem neuen MacBook auch Force Touch spendiert hat, ist jetzt schon klar, dass dieses Feature auch beim nächsten iPhone und iPad dabei sein wird. Es könnte auf lange Sicht die Interfaces auf allen Devices schlanker und eleganter machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Elemente wie das info-i und Settings-Icons unnötig macht, sollte es sich durchsetzen, dass man weiterführende Informationen erhält indem man etwas fester auf einen Text, Button, oder ein Bild drückt.
Mal davon ab, dass die Smartwatches alles andere als ein Schnäppchen sind, freue ich mich jetzt schon auf die nächste Generation an Watch OS und iOS Apps.

PS: Ist Apples Medical ResearchKit die unverhoffte Antwort auf das Versorgungsstärkungsgesetz?

 

Sebastian Zirfas, Senior Art Director. Scholz & Volkmer
Wir konnten bei unseren Kunden bereits Ideen und Interface-Ansätze für die Apple Watch vorstellen und ich freue mich darauf, mich weiter mit dem UX-Design für Smartwatches zu beschäftigen. Es zwingt noch mehr, als es bereits das Smartphone tut,  Funktionen und Design auf das Wesentliche einzudampfen. Am fruchtbarsten ist wohl die Synergie aus den verschiedenen Geräten und den damit verbundenen Nutzungssituationen: Notification am Arm, Notizen auf dem Smartphone und dann Ausarbeitung am Rechner fühlt sich für mich ganz stimmig an. Aber Leute, die auf der Straße in ihre Uhr sprechen werden bei mir wohl noch eine ganze Weile Michael Knight-Assoziationen wecken.

 

Sven Kräuter, Maker & Prozessberater, making things happen, Berlin
Apples Innovationskraft entstammte dem DIY-Spirit, der Jobs und Wozniak in den Siebzigern motivierte, disruptive neuartige Devices zu entwickeln. Dieser Spirit trieb die Firma erstaunlich lange an. Die aktuellen Produkte überzeugen mich in Sachen Innovation nicht. Ob man jetzt wie bei Apple die Screens in Uhren integriert oder wie bei Google in Brillen, beides hat mit fortschrittlicher Wearabale-Technologie oder neuen physischeren Interaktionsformen nicht viel zu tun.
Spannend war für mich vor allem das, was nicht passierte: Angela Ahrendts scheint nicht an der Apple Watch beteiligt zu sein. Bisher konnte man sich die Frage stellen, ob Sie von Burberry kam, um Apple in das Luxussegment zu führen, oder weil sie für innovationen in Sachen Brand Experience und/oder am Point of Sale steht. Wenn nun das erste Luxusprodukt aus Cupertino nicht mit Ihr verknüpft, könnte das darauf hindeuten, dass letzteres der Fall ist. Baut sie Apples Retail oder vielleicht sogar die ganze Marke um? Dann sehen wir demnächst vielleicht am Point of Sale neue spannende Interaktionsformen, aber nicht in Form eines Produkts, sondern in der Art und Weise, wie uns die Produkte verkauft werden. Im Zusammenspiel von iBeacons, Apple Pay und Co könnte dort bald eine neue Brand Experience entstehen. Die Möglichkeiten der nahtlosen Interaktion dort finde ich sehr sehr spannend.

 

Christian Bartsch, Managing Partner, ROCKNROLLADVERTISING, Hamburg
Gestalterisch sind die Möglichkeiten für die Apple Watch derzeit noch sehr beschränkt. Es gibt einen Satz UI-Komponenten wie Labels und Buttons, die sich aber nicht verändern lassen. Custom Drawing funktioniert auch nicht, außer mit einem Bitmap Workaround. Ein kritischer Punkt ist, auch dass Touch-Events nicht direkt auf der Watch verarbeitet werden, sondern immer erst via Bluetooth an das Host Phone weitergeben werden, was zu Lasten der Performance geht.
Der große Schritt für den User allerdings ist, dass durch Wearables wie die Apple Watch für ihn die Wege zum Device kürzer werden, weil er für bestimmte Funktionalitäten nicht mehr das iPhone aus seiner Tasche holen muss. Insbesondere in Verbindung mit der Technologie Near Field Communication (NFC), die zwar in der Watch, aber nicht im iPhone eingebaut ist, ergeben sich  praktische Anwendungsfälle, wenn man beispielsweise das Bahnticket durch anlegen der Uhr an den Automaten löst oder Ähnliches. Auch die Nutzung des Sprachassistenten Siri könnte sich durch die Watch stark vereinfachen.

Lesen Sie hier Einzelheiten zu den Produkt-Neuheiten in einem extra Beitrag.




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