Neuer royaler Auftritt für König Bansah

Der Auftritt von Kommunikationsdesign-Student Julian Zimmermann und dem ghanaischen König Bansah war ein umjubeltes Highlight der TYPO Berlin 2010. Jetzt ist die Website, die sie dort gemeinsam vorstellten, online gegangen.



Der Auftritt von Kommunikationsdesign-Student Julian Zimmermann und dem ghanaischen König Bansah war ein umjubeltes Highlight der TYPO Berlin 2010. Jetzt ist die Website, die sie dort gemeinsam vorstellten, online gegangen.

König Bansah ist ein ungewöhnlicher Herrscher. Die meiste Zeit regiert er sein Volk von Ludwigshafen aus, wo er eine Autowerkstatt betreibt. Und er ist ein wohltätiger Monarch. Denn er unterstützt sein Volk, wo er nur kann, lässt Schulen und Brücken bauen, spendet Wasserpumpen und Fahrzeuge. Um das Geld dafür zu besorgen, sitzt er bei Jörg Pilawa auf dem Ratestuhl, berichtete bei Margarethe Schreinemakers aus seinem Leben und trällert auf Volksfesten Schlager. Damit sein royales Antlitz dabei keine Trivialitäts-Kratzer bekommt, entwickelte der Kommunikationsdesign-Student Julian Zimmermann in seiner Bachelor-Arbeit eine neue Corporate Identity für den König der Ewe. 

Am Anfang stand ein Diagramm: Für das Erscheinungsbild seiner Majestät sollten Royalität und Exotik in passendem Maß kombiniert werden. Etwas Queen Elizabeth, etwas »König der Löwen« und auf keinen Fall auch nur der leiseste Hauch von Roberto Blanco oder des Mallorca-Königs Jürgen Drews. Dann schon eher die kaiserliche Ausstrahlung eines Franz Beckenbauer, der zu den vielen Promis gehört, mit denen König Bansah bereits posierte.

Für das »Logo« des Königs orientierte Zimmermann sich an dessen vorhergegangenen Wappen, das die Aufgaben des Königs, die Realität seines Landes und Mentalität des Stammes bildlich zusammenfasst: ein Voodoo-Stein ist darin zu sehen, der die Menschen vor den Krokodilen schützt, die in Ghana eine lebensbedrohliches Problem sind und ein Baum, an dem der König einen Untertan beim Heraufklettern stützt, so dass dieser an die Früchte kommen kann, um sich zu ernähren.

Zimmermann interpretierte es zu einem Wappen ohne Wappenform um, stilisierte den König mit einer dreizackigen Krone, integrierte den Baum, die überlieferte Geschichte und die anderen Symbole und ließ sie im royalem Gold drucken. Für die Visitenkarte des Königs Gold auf Schwarz, für Königin Gaby, Ehefrau von König Bansah, in Gold auf Weiß.

Auch auf der Website, die Bastian Allgeier als Spende für König Bansah programmiert hat, ist das »Logo« zentraler Bestandteil. Es thront über jeder Seite, deren graphische Aufbereitung sich an den Mustern afrikanischer Stoffe orientiert, ein geplantes Buchprojekt hingegen nimmt den Stil-Kanon des Voodoo auf. Die Weiß-dominierten einzelnen Seiten der Site sind von wechselnden Fotografien unterlegt, die bei dem Volk der Ewe in Ghana entstanden. Das Ergebnis ist schlicht, edel, modern – und verwurzelt in der afrikanischen Formensprache.

Zusätzlich gibt es Flaggen für des königliche Automobil, augenzwinkernd mit Leopardenstoff bezogen – und kleine Gimmicks, die entworfen wurden: gestylte Boxhandschuhe für das königliche Leichtgewicht, eine golden umrahmte Duftpalme als Give-Away in König Bansahs Autowerkstatt und royales hochprozentiges Bier. Auch dessen Einnahmen fließen komplett in Hilfsmaßnahmen.

In enger Zusammenarbeit mit König Bansah hat Zimmermann den richtigen Ton zwischen Respekt und Humor gefunden, setzt auf Echtheit, driftet nicht in Exotik ab noch führt er den König vor.

Gemeinsam mit David Wolpert hat Julian Zimmermann in Mannheim gerade ein kleines Designbüro gegründet – und abseits des König-Bansah-Erfolgs bleibt auch sonst die Anerkennung nicht aus: Gerade wurde die sechste Ausgabe des Mannheimer Hochschulmagazins »Komma« für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2011 nominiert. Der Chefredakteur der Ausgabe: Julian Zimmermann.

Mehr über Julian Zimmermann und König Bansah auf der TYPO Berlin 2010 hier.

Einen ausführlichen Bericht zu dem Thema finden Sie in der nächsten PAGE-Ausgabe 08.2010.


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