Multisense Marketing: Bompas & Parr

In PAGE 08.14 stellen wir erfolgreiche multisensorische Kampagnen aus aller Welt vor. Vorab plauderten wir mit den Kreativen von Bompas & Parr aus London über deren größtes Projekt: ein Feuerwerk für alle Sinne



 

In PAGE 08.14 stellen wir erfolgreiche multisensorische Kampagnen aus aller Welt vor. Vorab plauderten wir mit den Kreativen von Bompas & Parr aus London über deren größtes Projekt: ein Feuerwerk für alle Sinne

 

Abbildung oben: Nathan Pask

Mit ihrem 2007 in London gegründeten Kreativstudio Bompas & Parr erforschen Sam Bompas und Harry Parr Aromen in allen erdenklichen Aggregatzuständen – zum Beispiel in Form duftender Nebel oder als leckerer Wackelpudding. Ihre Erfahrungen haben sie in vier sehr empfehlenswerten Kochbüchern festgehalten. Ihr bisher ambitioniertestes Projekt realisierten Bompas & Parr 2013 gemeinsam mit Vodafone und der Stadt London: ein multisensorisches Neujahrsfeuerwerk, bei dem farbige Duftwolken, mit Aromen gefüllte Seifenblasen und essbares Konfetti die audiovisuelle Choreografie am Ufer der Themse ergänzten.

PAGE: Das Londoner Event war das weltweit erste seiner Art – wie plant man eine multisensorische Veranstaltung ganz ohne Vorbilder und Erfahrungswerte?

 

Bompas & Parr: Streng genommen sind ja alle Feuerwerke multisensorisch – wir haben nur zum ersten Mal Aromen zu einer Choreografie hinzugefügt. Technologie spielte eine entscheidende Rolle, denn die Unmengen an Spezialeffekten, Explosiva und Duftstoffen, die wir auf eine Viertelmillion Zuschauer abfeuerten, ließen keinen Raum für Fehler. Der Abend war buchstäblich ein Angriff auf alle Sinne! Wesentlich war, dass, wie bei Richard Wagners Konzept des Gesamtkunstwerks, alle Elemente – Visuals, Geschmack, Gerüche und Sound, aber auch der Gesamteindruck und das Storytelling – perfekt zusammenpassen und alle Sinne von Anfang an eingeplant wurden. Dazu haben wir mit allen möglichen Experten gearbeitet, darunter Obstbauern, Pyrotechniker und sogar Historiker.

Außerdem gab es Auflagen von der Stadt, zum Beispiel sollte das Bananenkonfetti nicht nur essbar sein, sondern sich auch nach dem Event auflösen, damit kein Müll zurückbleibt. Das mussten wir bei der Entwicklung seiner Zusammensetzung mit einplanen. Spezialisten des Aromaherstellers TasteTech halfen uns, sicherzustellen, dass alle Zutaten zudem antiallergisch, koscher und halal waren.

 

Erdbeerwolken, Pfirsichflocken und Bananenkonfetti – warum haben Sie ausgerechnet Früchte verarbeitet? 

Wir sind besessen von Früchten und verbringen viel Zeit damit, obskure und rare Sorten wie Durian oder Netzannone aufzustöbern. Außerdem gefallen uns die historischen und kulturellen Implikationen von Früchten wie der Banane. Im Rahmen der sechsmonatigen Vorbereitung war uns deshalb der Auswahlprozess besonders wichtig. Es galt, aus fast 8000 essbaren Pflanzen aus aller Welt die auszusuchen, die sich am besten für ein Feuerwerk eignen. Wir wählten Früchte, die auch im Trubel der Show einfach wiederzuerkennen waren und die zudem über verschiedene Kulturen hinweg bekannt sind, damit alle Zuschauer einen Bezug zu ihnen haben würden.

Wie können Kreative Geruch und Geschmack am besten einsetzen?

 

Wer alle Sinne bespielt, intensiviert die User Experience und kann Erinnerungen beschwören. So sagte uns ein Gast des Londoner Feuerwerks, er werde wohl von nun an beim Geruch oder Geschmack von Erdbeeren immer an Vodafone und die Show denken. Es ist aber nicht genug, einfach alle Sinne zu bespielen – man muss außerdem eine fesselnde Geschichte erzählen und die evozierten Bilder in der wirklichen Welt verankern.

Unsere Umgebung beeinflusst unsere Wahrnehmung von Aromen enorm. Wer in einem angenehmen Ambiente mit gutem Service speist, dem werden Gerichte und Getränke ebenfalls schmecken – oder zumindest wird es kaum auffallen, falls sie furchtbar sind. Wer ein Spektakel inszeniert, veredelt dadurch das Mahl. So sorgen sich die Gäste des Mittelalterevents Medieval Times, das man zum Beispiel in Chicago oder Orlando besuchen kann, nicht, wie genau die »Schlosspastete« zubereitet wird, weil sie sie serviert bekommen, während zwei Männer in Rüstungen mit Keule und Flegel aufeinander eindreschen. Egal, ob das Dinner lausig ist oder gut, der Abend ist in jedem Fall berauschend.

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