Malen nach Zahlen – Inspirationsquelle Big Data

Ab sofort im Handel: PAGE 03.2015




Editorial: Variable K

Stellt man uns bald auch hierzulande Produkte zu, die wir gar nicht bestellt haben, aber wahrschein­lich haben wollen? Wer weiß. In den USA ist das Angebot jedenfalls schon schneller als die Nachfrage: Da schickte ein Discounter einer völlig ahnungslo­sen Familie Gutscheine für Schwangerschaftsprodukte, nur weil sich das Kaufverhalten der jungen Tochter in einer für Schwangere typischen Art verändert hatte. Oder genauer: weil ein Algorithmus es so errechnet hatte. Wer kennt es nicht, dieses von Big-Data-Experten und -Kritikern gleichermaßen gern zitierte Paradebeispiel.

Nun ja, auch unser Anspruch war immer schon, unseren Kunden etwas Originelles, noch nie Dagewesenes zu bieten und ihnen damit den entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu sichern. Einfach war das nie angesichts enger Corporate-Design-Guidelines, unterschiedlichster Stakeholder-Interessen, schrumpfender Budgets und rapide wachsender Me­dienvielfalt. Doch wir fanden immer eine Lösung. Unsere Arbeit kam an, wir heimsten Preise ein und machten uns sogleich an die nächste Idee. Und nun sollen Algorithmen uns den Job streitig machen?

Sofern wir tatsächlich unseren Job machen und eben nicht ins Blaue hinein gestalten wollen, besteht kein Grund zur Sorge. Ein fortwährendes Nutzerfeed­back macht uns nicht obsolet, im Gegenteil: Es stellt nur nicht mehr den Glauben an die Wirkung eines Gestaltungsansatzes oder einer Kampagne in den Mittelpunkt, sondern das Wissen um das, was funk­tioniert und was nicht. Kreation wird individueller und kleinteiliger, Markenführung ein noch behutsamerer Prozess. Nicht von ungefähr werden dieses Jahr in Cannes erstmals auch Creative Data Lions für Arbeiten vergeben, bei denen Daten eine heraus­ragende Rolle für Ideenentwicklung, Storytelling und User Engagement spielen.

Nein, auch wir können profitieren von Big Data. Erfolgsentscheidend ist dabei jedoch, ob es uns gelingt, die Algorithmen auf eine intelligente, verantwortungsvolle Art zu nutzen. Die menschliche Krea­tivität, zu überraschen und zu begeistern, ist den digitalen Daten in vielerlei Hinsicht überlegen. Sie ist die Variable, die am Ende den entscheidenden Unterschied ausmachen kann. So eröffnet uns Big Data nicht nur neue Tätigkeitsfelder in Sachen Daten­visualisierung und schafft völlig neue Berufsbilder, wie etwa den Data Scientist. Sie liefern uns schon heute unerwartete Erkenntnisse für belegbar geniale Ideen. Und die, die wollen wahrscheinlich auch Sie. – »Get inspired by Data«!

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher

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