Low-Budget-Design – Mehr mit Weniger

Ab sofort im Handel: PAGE 12.2012



Editorial: Preisverdächtig

Low-Budget-Design haftet der Ruf des Billigen an. Kein Wunder, auf Porta­len wie designenlassen.de oder jovo­to tummeln sich schließlich nicht nur  Auftraggeber ohne Respekt, die Design­leis­­­tung zu Dumpingpreisen einkaufen wol­­len, und Möchtegern-Gestalter, die dem dann auch noch schamlos nachkommen. Jede Projektausschreibung auf einer dieser Crowdsourcing-Plattformen verursacht einen volkswirtschaftlichen Schaden von 83 000 Euro!

Torsten Stapelkamp, Professor für Mediendesign an der Hochschule Hof, hat das einmal ausgerechnet. Sie erinnern sich? Der durchschnittliche Umsatz pro Projekt – zum Beispiel einer Logo- oder Websiteentwicklung – liegt bei 347 Euro (die uneingeschränkten Nutzungsrechte inklusive!). Im Schnitt beteiligen sich 119 Gestalter und wenden jeweils mindestens 10 Stunden auf. Legt man nun den für die Deckung all ihrer Kosten erforderlichen Stundensatz von 70 Euro zugrunde, ergibt das summa summarum 83 300 Euro. Der Gewinn für den Designer beträgt nach Abzug aller Kosten null, der Verlust pro Teilnahme 700 Euro, mindestens 118 Gestalter erleiden einen Totalverlust. Und nicht zuletzt zahlt dann auch noch der Auftraggeber drauf. In Form schlech­ter Geschäfte, versteht sich! Bil­lig kommt teuer.

Nun ist Low-Budget-Design aber kei­neswegs mit Preisdumping oder minderer Qualität zu verwechseln. Klei­ne Budgets und Design schließen ei­nan­der nicht aus. Im Gegenteil: Nur De­sign, das verantwortungsvoll mit Res­sour­cen umgeht, ist seine Bezeichnung wert. Und Kostenbewusstsein kommt natürlich auch dem Kreativen selbst zugute: Es bleibt unterm Strich mehr Honorar für ihn, der Kunde fühlt sich rundum gut beraten und belohnt Leis­tung, die ihren Preis wert ist, mit Vertrauen und Folgeaufträgen.

Doch wie sieht Low-Budget-Design in der Praxis aus? Heißt das, dass wir Tau­sende von Broschüren von Hand fal­zen? Gratisbilder sowie Free Fonts aus dem Web saugen und Open-Source-Software einsetzen? – In dieser Ausgabe zeigen wir einfache Kniffe und über­raschende Möglichkeiten, wie Sie großartige Arbeit bei minimalem Budget leisten – ohne draufzuzahlen!

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher

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