Wie Kreative & Techniker einander beflügeln

Ab sofort im Handel: PAGE 09.2010



Editorial: Lagerfeuer

Spricht es nicht Bände, dass bei all den Kreativwettbewerben die Technik nicht gesondert ausgezeichnet wird? Artdirektoren, Fotografen, Texter, sie alle werden namentlich aufgeführt, von Programmierern keine Spur. Wa­rum auch, schließlich ist ihre Spezies nur dazu da, die fantastischen Visionen der Kreativen zum Laufen zu bringen. Ja, Kreative und Techis: die einen hip und kommunikativ, die anderen bleich und autistisch veranlagt. Da prallen noch immer Welten aufeinander.

Dabei kommt den Nerds im Kreativbusiness eine immer essenziellere Rolle zu: keine wegweisende Kampagne ohne interaktive Verlängerung ins Web, kein herausragendes Medienangebot ohne ausgeklügeltes Backend. Ja, zwischenzeitlich hat es sich herumgesprochen, dass sie es sind, die die wahren Innovationen hervorbringen. Sie haben das Internet erfunden, sie haben Google, Facebook & Co hervorge­bracht. Nicht von ungefähr entwickelt sich denn auch längst eine Avantgarde selbstbewusster Entwickler, die sich nicht mehr hinter dem PC versteckt. Klar, sie verlassen sich nicht auf ihr Bauchgefühl. Sie denken prozessorien­tiert, in Nullen und Einsen, wollen analysieren, den Dingen auf den Grund gehen – eine falsche Programmierzeile, und das ganze System stürzt ab. Doch sie sind kreativ. Und bald werden sie die Letzten sein, die noch ansatzweise verstehen, was unsere digitale Welt im Innersten zusammenhält.

Wenn es uns nicht gelingt, die unsichtbare Barriere zwischen Kreativen und Techis zu durchbrechen, werden wir scheitern. Dann wird aber auch unser Traum der integrierten Agentur rasch zur Luftnummer. Wie also bringen wir die beiden Lager HTML5/Ajax/Cocoa und ADC/Cannes Lions/Awareness zu­sammen? Wie schaffen wir es, dass die Programmierer am Schluss nicht nur ausbaden, was sich irgendwelche überheblichen Paradiesvögel ausgedacht haben, sondern beide Lager gemeinschaftlich das Kreativpotenzial ausschöpfen?
Indem wir darauf vertrauen, dass Designern in ihrer Ausbildung immer mehr Technologiewissen vermittelt wird? Indem wir Teams aus Kreativen, Technikern und Interactive Konzeptionern zusammenstellen? Oder indem wir bei Preisverleihungen künftig auch die Developer auf die Bühne bitten? Antworten siehe Seite 20 ff.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher

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